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Entscheidung über D-Linie überraschend verschoben

Verkehrsausschuss der Region Hannover Entscheidung über D-Linie überraschend verschoben

Große Überraschung im Verkehrsausschuss: Die Politiker der Region Hannover haben die ursprünglich für heute angekündigte Entscheidung zur D-Linie vertagt. Zuvor waren die Politiker von lautstarken Protesten vor dem Regionshaus empfangen worden.

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Entscheidung auf Eis gelegt: Erst in 14 Tagen wollen die Mitglieder des Verkehrsausschusses über die D-Linie abstimmen.

Quelle: Petrow

Hannover. Es war wohl eine der emotionalsten Debatten, die je in der Regionspolitik geführt wurden. Leidenschaftlich haben die Verkehrsexperten am Dienstag über den Ausbau der D-Linie diskutiert. Und es endete schließlich nach drei Stunden mit einer faustdicken Überraschung. Anstatt, wie von der rot-grünen Mehrheit und von der Regionsverwaltung geplant, über die oberirdische Streckenführung bis zum Raschplatz abzustimmen, vertragten die Politiker das derzeit meistdiskutierte Thema der Landeshauptstadt auf eine Sondersitzung in zwei Wochen.

Der Zeitplan könne damit dennoch eingehalten werden, betonte der Verkehrsdezernent der Region, Ulf-Birger Franz. Im März sollen sowohl die Regionsversammlung als auch der Rat der Landeshauptstadt endgültig entscheiden. Ob in der heutigen Sitzung des städtischen Bauausschusses über die D-Linie abgestimmt wird, blieb am Dienstag unklar.

In der gestrigen Debatte erhob CDU-Fraktionschef Eberhard Wicke schwere Vorwürfe gegen die Koalition von SPD und Grünen. Sie planten „verkehrspolitischen Murks auf Kosten der Steuerzahler“ sagte er und erhielt dafür von den Bürgern im Saal stürmischen Beifall. Die vorgelegten Zahlen seien nicht nachvollziehbar, begründete er. Und Wicke prophezeite, dass die Bürger auch nach einer Zustimmung der Mehrheit in der Regionsversammlung auf die Straße gehen würden.

Ebenso wie FDP-Fraktionschef Bernhard Klockow sprach sich Wicke für die sogenannte Scheelhaase-Lösung aus. Diese sieht vor, die Züge vom Goetheplatz aus abwechselnd auf der bisherigen Strecke zur Endstation Steintor sowie über die Humboldtstraße zur Tunnelstrecke über Waterloo zum Hauptbahnhof fahren zu lassen. Außerdem schlugen beide Fraktionschef vor, die Bürger über eine „solch entscheidende Frage“ abstimmen zu lassen.

Sowohl eine Bürgerbefragung als auch die Scheelhaase-Lösung wurde von SPD und Grünen Dienstag energisch zurückgewiesen. Die Scheelhaase-Lösung sei nicht zukunftsorientiert, meinte Grünen-Fraktionschef Raoul Schmidt-Lamontain. Falls auf anderen Strecken die Taktfrequenz erhöht werden sollte, hätte der U-Bahn-Tunnel keine Kapazität für weitere Züge. „Die Scheelhaase-Lösung ist schwachsinnig, genauso wie die Tunnellösung schwachsinnig ist“, sagte er.

Die Linken lehnten die rot-grünen Pläne ab, weil die Stadtbahn dann künftig nicht mehr oberirdisch zum Aegi fahren würde, wie deren Verkehrsexperte Michael Fleischmann sagte. Das träfe 700 Fahrgäste. „Das machen wir nicht mit“, betonte er.

Vor der Diskussion hatte Verkehrsexperte Prof. Wolfgang Haller aus Hannover sein Gutachten zu den Verkehrsflüssen im Bereich rund um die Kurt-Schumacher-Straße erstmals präsentiert. „Eine andere Strategie der Ampelschaltung führt für alle Verkehrsteilnehmer zu einer erheblichen Verbesserung“, erläuterte er. Das gelte auch für den Bereich zwischen der Ernst-August-Galerie und dem Ernst-August-Platz. Die Wartezeit liege nach dem Bau der D-Linie dort für Fußgänger, Autos und Bussen bei unter 70 Sekunden, das sei eine akzeptable Zeit. Bahnen kämen dort wesentlich schneller durch. Haller hatte die Verkehrsströme in der werktäglichen Spitzenstunde zwischen 16 und 17 Uhr untersucht. Die Bürger quittierten das Gutachten mit Gelächter. In Wirklichkeit sei der Verkehr viel stärker als angenommen, hieß es.

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

mak/mic

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