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Grünes Licht für die Linie 10 bis Raschplatz

D-Linie Grünes Licht für die Linie 10 bis Raschplatz

Mit rot-grüner Mehrheit und gegen die Opposition stimmen die Fachpolitiker des Rates für einen oberirdischen Ausbau der D-Linie. Bedenken haben die Händler – und die Üstra.

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Die Computergrafik zeigt die künftige Streckenführung durch die Kurt-Schumacher-Straße.

Quelle: Archiv

Hannover. Die Weichen für den Ausbau der D-Linie sind nun auch in der Stadt Hannover gestellt. Die Züge der Linien 10 und 17 sollen oberirdisch durch die Innenstadt bis zum Endpunkt am Raschplatz rollen. Diesem Plan, den die Regionsversammlung bereits abgesegnet hatte, stimmten am Mittwoch nach einer mehr als fünfstündigen Sitzung auch die Baupolitiker des Rates mehrheitlich zu. CDU und Linke lehnten das Vorhaben ab, SPD und Grüne folgten dem Votum ihrer Parteifreunde in der Regionsversammlung. Jetzt muss Ende des Monats nur noch der Rat zustimmen. Dann kann die Regionsverwaltung einen Förderantrag für das 50-Millionen-Euro-Projekt schreiben und hoffen, dass das Land den Geldbeutel öffnet.

Die Kritik am oberirdischen Ausbau ist derweil nicht verstummt. Insbesondere Vertreter der City-Kaufleute befürchten ein Verkehrschaos in der Innenstadt, aber auch die Üstra sieht Nachteile, wie am Mittwoch in der Expertenanhörung vor dem Beschluss deutlich wurde.

Ganze 25 Fachleute – von Wirtschaftsvertretern über Auto- und Fahrradlobbyisten bis hin zu Verkehrsgutachtern – hatten die Fraktionen geladen, um sich ein Bild von den Vor- und Nachteilen der Streckenführung zu machen. Die sieht nach dem Entwurf der Regionsverwaltung vor, die Linien 10 und 17 barrierefrei auszubauen, das heißt, alle Haltestellen mit Hochbahnsteigen zu bestücken. Die Züge rollen zunächst wie bisher bis zum Steintor und biegen dann in die Kurt-Schumacher-Straße ein. Dann geht es aber nicht weiter quer über den Ernst-August-Platz bis zum Aegi, die Bahnen rollen vielmehr in einer engen Kurve durch die Unterführung neben dem Hauptbahnhof bis zum Endpunkt in Höhe der Rundestraße.

Nach einer mehr als fünfstündigen Debatte stimmten die Baupolitiker des Rates am Mittwoch mehrheitlich für eine oberirdische Streckenführung der Linien 10 und 17 zum Raschplatz.

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Dort rechnet die Üstra mit Problemen. Die Straße ist zu eng, um eine großzügige „Kehranlage“ zu bauen, die die Züge wieder in Position für die Rückfahrt bringt. Platz bleibt nur für eine sogenannte vorgeschaltete Kehranlage, die lediglich zwei Züge aufnehmen kann. Stehen bereits zwei Bahnen auf den Wendegleisen, müsste ein dritter Zug warten – und würde die Unterführung verstopfen. „Wir brauchen sieben Minuten Wendezeit am Endpunkt. Damit lässt sich ein 7,5-Minuten-Takt der Linie 10 noch abwickeln“, sagte Gunnar Straßburger, Unternehmensleiter für den Bereich Stadtbahn bei der Üstra. Die Zeit ist aber so knapp bemessen, dass dem Fahrer nicht einmal Zeit bleibt, eine Toilette aufzusuchen. „Eine Verdichtung des Taktes lässt der Endpunkt nicht zu. Daher ist die Anlage nicht zukunftssicher dimensioniert“, gab Straßburger zu bedenken.

Einen weiteren Nachteil erkennt das Verkehrsunternehmen darin, dass die Bahnen künftig auf der Goethestraße nur über ein einziges separates Gleisbett verfügen. Das gehe zulasten der Geschwindigkeit und damit der Fahrzeit. Auch die Streckenführung auf der Kurt-Schumacher-Straße sieht die Üstra mit Sorge. Dort sollen sich die Züge die Straße mit Autos und Radfahrern teilen. „Wir rechnen mit Behinderungen durch Lieferverkehr sowie durch ein- und ausparkende Autos“, sagte Straßburger. Daher sei es dringend erforderlich, den Autoverkehr auf der Kurt-Schumacher-Straße zu reduzieren. Letzteres dürfte den Geschäftsleuten in der City weniger gefallen. „Die Erreichbarkeit ist für uns von entscheidender Bedeutung“, sagte Christian Bebek, stellvertretender Geschäftsführer der Industrie- und Handelskammer.

Mehr als die Hälfte der Kunden in der City kämen mit dem Auto. „Und das sind die starken, die kaufkräftigen Kunden.“ Schon jetzt komme es an Sonnabenden regelmäßig zu Staus auf der Kurt-Schumacher-Straße und der Herschelstraße, ergänzte Martin Prenzler, Geschäftsführer der City-Gemeinschaft, und zeigte den Ratsmitgliedern mehrere Beweisfotos. Man wolle keinesfalls der Autolobby das Wort reden, aber am besten sei es, die Stadtbahnen ganz aus dem Citybereich zu entfernen.

Eine Steilvorlage für den Verein „Pro D-Tunnel“, der noch immer für eine unterirdische Variante der D-Linie kämpft. „Die würde die Region Hannover fast genauso viel kosten wie der oberirdische Ausbau“, sagte Jens Pielawa von der Initiative. Davon aber hat sich die Kommunalpolitik längst verabschiedet.   

Verkehrsführung

Der oberirdische Ausbau der D-Linie bis zum Raschplatz hat Auswirkungen auf den gesamten Innenstadtverkehr. So werden Autofahrer nicht mehr durch die Straße Am Steintor von der Goseriede in die Altstadt gelotst, sondern über die Scholvinstraße. Das missfällt vielen Politikern, denn die Scholvinstraße liegt mitten im Rotlichtviertel. „Das ist ein schlechter Witz“, heißt es aus den Reihen der CDU. Auch sei die Straße zu eng, um den gesamten Verkehr in Richtung Altstadt aufzunehmen.

Die gravierendsten Veränderungen kommen auf die Kurt-Schumacher-Straße zu. Dort werden sich Autofahrer, Radler und Stadtbahnen den Straßenraum zwischen Herschelstraße und Ernst-August-Platz teilen. Zudem dürfen Autofahrer künftig nicht mehr links in die Unterführung neben dem Hauptbahnhof abbiegen, sie werden vielmehr über die Schillerstraße zu den Parkhäusern in Mehl- und Andreaestraße geführt. Geschäftsleute befürchten, dass es dann zum Kollaps kommt. Verkehrsgutachter  gehen dagegen davon aus, dass dadurch weniger Autos durch die City fahren werden und der Verkehr insgesamt entlastet wird.

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