Volltextsuche über das Angebot:

8 ° / 4 ° Regenschauer

Navigation:
Erst in Seelze, dann in der List

03. August 2008 Erst in Seelze, dann in der List

Im Strahlenfall am De-Haën-Platz beginnt jetzt die Zeit der Analyse. Bei Honeywell in Seelze ist man schon weiter.

Voriger Artikel
Strahlende Altlast in der List
Nächster Artikel
Stadt und Region wussten Bescheid
Quelle: Rainer Surrey

Es war der Fund, der alles ins Rollen brachte. Weil sich die sogenannten Dosimeter – Radioaktivitätsdetektoren, die an speziellen Schutzanzügen angebracht sind – in seinem Büro schwarz färbten, machte sich Bernhard Schnorr auf die Suche nach der Strahlenquelle. Schnorr war prädestiniert für den Job, denn er ist der Strahlenschutzbeauftragte des Seelzer Chemieunternehmens Honeywell. Fündig wurde er letztlich dort, wo er angefangen hatte zu suchen – in seinem Büro, Raum 112, Gebäude drei. Das war im Februar und alles, was derzeit am De-Haën-Platz in der List geschieht, geht auf diese Entdeckung zurück.

„Wir waren total baff“, sagt die Unternehmenssprecherin Sabine Chmielewski. „Dass hier im Bürogebäude radioaktive Rückstände sind, konnte keiner verstehen.“ Doch die Recherche im Kellerarchiv brachte zutage, dass dort, wo heute Büros sind, früher ein Labor war.

„Da muss wohl mal was runtergefallen sein“, sagt der stellvertretende Geschäftsführer Bernd Schönbeck. Neben der Hauptquelle habe es mehrere Versprenkelungen gegeben, ein Hinweis darauf, dass es sich um strahlende Flüssigkeit gehandelt habe. Honeywell ließ daraufhin nicht nur alle infrage kommenden Bereiche des Betriebsgeländes in Seelze untersuchen. Da die Altlasten offenbar aus der Zeit stammten, als Honeywell noch de Haën hieß, lag es nahe, dass auch auf dem früheren Werksgelände in Hannovers List radioaktive Rückstände zu finden seien. Die Region Hannover als zuständige Behörde bekam einen Hinweis – und wurde tatsächlich fündig.

Und auch in Seelze blieb es nicht beim ersten Fund. „Wir haben in alten Kisten und Vitrinen Reagenzgläser mit verschiedenen Stoffen entdeckt, die radioaktive Strahlung abgegeben haben“, sagt Chmielewski. Sie nennt diese Funde „Überbleibsel aus dem letzten Jahrhundert“. In der Anfangszeit der modernen Chemie habe eine derartige Goldgräberstimmung geherrscht, „dass man auf vieles nicht geachtet hat“.

Die Strahlung aus den Reagenzgläsern sei jedoch unbedenklich gewesen. Und das gleiche gelte für die Strahlungsfunde in einem weiteren Büro und auf einer Freifläche in der Mitte des Betriebsgeländes. „In diesen Fällen überlegen wir, ob wir überhaupt sanieren. Das ist natürlich auch eine Kostenfrage“, sagt Schönbeck.

Wie viel die Sanierung des am stärksten betroffenen Büros gekostet hat, möchte man bei Honeywell aber nicht verraten. Und auch nicht, wie hoch die Strahlung dort war. „Das ist zu kompliziert und würde nur Verwirrung schaffen“, meint Schönbeck. Man habe sich schon zu Beginn dafür entschieden, die Werte nicht preiszugeben. „Und dabei bleiben wir auch.“

Das Büro 112 gleicht derweil einer Baustelle. Aus dem Boden sind mehrere große Betonstücke entfernt, an einer Wand fehlt der Putz. Bis zu vier Mitarbeiter einer Spezialfirma haben das belastete Material abgetragen. Zwischendurch waren immer wieder weitere Messungen nötig, sodass die Männer in den Schutzanzügen ihre Arbeit unterbrechen mussten. „Das Ganze hat insgesamt etwa vier Wochen gedauert“, sagt Schönbeck. Rückschlüsse auf eventuelle Sanierungsarbeiten am De-Haën-Platz ließen sich daraus jedoch nicht ziehen, betont Schönbeck. „Unser Fall ist ganz anders gelagert.“

von Johannes Schneider

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Der Fall De Haën
Region