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Keiner will den Strahlenmüll aus der List

19. Januar 2009 Keiner will den Strahlenmüll aus der List

Zum dritten Mal ist die Stadtverwaltung mit dem Versuch gescheitert, eine Deponie für das radioaktiv belastete Erdreich aus der List zu finden. Ursprünglich war der Beginn der Baggerarbeiten für den 19. Januar angesetzt worden.

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Rund um den De-Haën-Platz haben Experten vergiftete Flächen ausgemacht.

Quelle: Martin Steiner

Nachdem bereits die Betreiber von Deponien in Helmstedt und Leverkusen die Abnahme der 44 Tonnen Sondermüll abgelehnt hatten, zog am Freitag auch der Entsorgungsbetrieb Remondis in Köln zurück. Der Grund: Politiker dort hatten massiv dagegen protestiert, dass die Altlasten aus Hannover in der Sonderabfalldeponie in Hürth-Knapsack bei Köln endgelagert werden sollen.

„Wir sind hier nicht die Sondermülldeponie Deutschlands. Giftiger Mülltourismus muss unterbunden werden“, erläuterte der Hürther SPD-Stadtrat Klaus Lennartz gestern gegenüber der HAZ die Position der Lokalpolitiker. Mit Kollegen der Kreistagsfraktion hatte er in einem Schreiben am Freitag Verwaltung und Politik aufgefordert, den Mülltransport nach Knapsack zu unterbinden. „Wer das Zeug produziert, muss es auch bei sich unterbringen“, so der Politiker weiter. Remondis reagierte umgehend: „Die Firma hat mir gesagt, dass der Müll aus Hannover nicht zu uns kommt“, sagte Lennartz.

Zunächst hatte der Entsorger in der verstrahlten Lieferung nichts Außergewöhnliches gesehen. Das Erdreich weise eine „natürliche Radioaktivität“ auf; die Abfälle unterlägen nicht der Strahlenschutzverordnung und würden „ganz konventionell“ entsorgt; eine Gesundheitsgefährdung für Mitarbeiter oder Nachbarn bestehe nicht, hatte ein Remondis-Sprecher gegenüber dem Kölner „Stadt-Anzeiger“ erklärt.

Erst nach den Politikerprotesten zog Remondis zurück. Damit ist jetzt auch der Zeitplan für das Abtragen des belasteten Erdreichs vom De-Haën-Platz in der List geplatzt. Ursprünglich war der Beginn der Baggerarbeiten für den 19. Januar angesetzt worden. Die Erde sollte dann auf dem Gelände der Stadtgärtnerei in Bothfeld bis zum Abtransport zwischengelagert werden. Aufgrund der Witterungsverhältnisse wurde der Termin kurzfristig auf den 26. Januar verschoben. Wann die giftige Erde nun tatsächlich weggeräumt wird, ist derzeit noch unklar.

Unklar ist ebenfalls, was es bedeutet, wenn Remondis aus einem mit der Stadt Hannover eingegangenen Vertrag ausscheidet. „Mir ist herzlich egal, wie Remondis das anstellt. Und wenn sie eine Vertragsstrafe zahlen müssen – Hauptsache, der Strahlenmüll aus Hannover landet nicht im Rheinland“, sagte dazu der Hürther Stadtrat Lennartz.

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