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Sanierung in der List wird konkret

De-Haën-Platz Sanierung in der List wird konkret

Die von der Region Hannover koordinierte Sanierung des chemisch und radiologisch belasteten Gebiets rund um den Lister De-Haën-Platz geht in die entscheidende Phase. Die Region hat den sogenannten Sanierungsplan fertiggestellt und weiß jetzt, auf welchem Grundstück welche Maßnahmen vonnöten sind.

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Der Lister De-Haën-Platz.

Quelle: Rainer Surrey

Den Eigentümern der 45 betroffenen Areale werden die Details zu ihren Grundstücken in den kommenden Wochen im persönlichen Gespräch mitgeteilt. Dann sollen sie entscheiden, ob sie einen Sanierungsvertrag mit der Region unterschreiben und so an einer gemeinsamen, koordinierten Maßnahme teilnehmen wollen. Noch aber sind die Anwohner skeptisch: „Bisher sehe ich noch nicht, dass das so zustande kommt“, sagt Barbara Schlecht, Vorsitzende der Bürgerinitiative „Gegen Altlasten in der List“.

Klar ist bisher so viel: Insgesamt würde die Region auf einer Fläche von rund 11.000 Quadratmetern rund 4000 Kubikmeter Erde ausheben lassen müssen. Der belastete Boden soll in einer Tiefe von 35 Zentimetern ausgekoffert und ersetzt werden. Zusätzlich würde eine Erdschicht von 25 Zentimeter Stärke aufgetragen. Die Kosten für die Maßnahme taxiert Regions-Umweltdezernent Axel Priebs (SPD) bisher auf 4,3 Millionen Euro. Allerdings geht man bei der Region davon aus, dass diese Kalkulation sehr großzügig ist. Am Ende dürfte die Gesamtsumme deutlich niedriger liegen, heißt es.
Für die Eigentümer lägen die Kosten bei zwei Drittel der Grundstücke zwischen 50 000 und 150 000 Euro, sagt Michael Bleier vom mit der Planung beauftragten Institut für Umweltanalyse (IfUA). In wenigen Einzelfällen würden bis zu 200.000 Euro pro Grundstück fällig. Betroffen von den besonders hohen Summen sind offenbar vor allem Eigentümergemeinschaften und Wohnungsbaugesellschaften.

Nicht wenige Privateigentümer denken laut Intitiativensprecherin Schlecht angesichts der hohen Kosten darüber nach, das Problem auf ihrem Grundstück auf eigene Faust zu lösen – etwa, indem sie den betroffenen Garten schlicht asphaltieren lassen. Eine Lösung, die die Region für sich zurückgewiesen hat.

Nach Angaben der Region gehören 26 der 45 Grundstücke mehreren Eigentümern oder Eigentümergemeinschaften, 14 sind im Besitz von Einzelpersonen und fünf im Besitz von Wohnungsbaugesellschaften. Im Januar hatte die Region eine Schätzung präsentiert, nach der pro Wohnung Kosten von rund 7700 Euro anfallen sollten.

„Solange wir keine genauen Zahlen kennen, können wir nicht beurteilen, ob wir zustimmen können oder nicht“, sagt Schlecht. Sie stört sich daran, dass sich jeder Eigentümer mit der Unterschrift unter den Vertrag dazu verpflichten soll, mit 30 Prozent des Eigenbeitrags in Vorleistung zu treten. Anwohnerin Gabi Redenius-Hauptmann kann sich zwar vorstellen, den Vertrag zu unterzeichnen. „Es kommt aber schon auf die Summe an, die am Ende darin steht“, sagt sie. Die hätte sie schon jetzt ganz gerne gekannt.

Bis zum Herbst will die Region die Gespräche abgeschlossen haben, in denen sie die Betroffenen davon überzeugen will, einen Sanierungsvertrag mit der Behörde abzuschließen. Ihm zufolge würde sich die Region um die Sanierung der Grundstücke und die Entsorgung des kontaminierten Erdreichs kümmern. Gleichzeitig wollen sich Stadt und Region Hannover mit 22 Prozent an den Kosten eines jeden Eigentümers beteiligen, der an der Maßnahme teilnimmt – und dafür je 500.000 Euro zur Verfügung stellen. Zudem plant die Stadt einen Härtefallfonds in Höhe von 100.000 Euro. Die Bürgerinitiative aber ist mit dem geplanten Gießkannenprinzip bei dem Zuschuss nicht zufrieden. „Wir meinen, die besonders Betroffenen müssten anteilig auch mehr erhalten“, sagt Schlecht.

Damit die gemeinsame, von der Region koordinierte Sanierung wirtschaftlich ist, müsse grob geschätzt mindestens die Hälfte der Eigentümer den Sanierungsvertrag unterschreiben, sagte Bleier. Das aber, meint die BI-Vorsitzende, könnte schwierig werden. „Es gibt einige, die ganz sicher nicht einsteigen werden.“ Rainer Beckmann, Vorsitzender des Eigentümerverbandes Haus & Grundeigentum, hält die finanzielle Beteiligung von Stadt und Region zwar für „völlig unzureichend“. Dennoch kann er sich vorstellen, dass sein Verband seinen Mitgliedern anraten wird, den Vertrag zu unterschreiben.

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