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Stadt und Region wussten Bescheid

26. August 2008 Stadt und Region wussten Bescheid

Eine Studie aus dem Jahr 2003 belegt den Umgang mit radioaktiven Stoffen bei Riedel-de Haën. Die Anwohner in der List sind fassungslos.

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Quelle: Rainer Surrey

Eine fünf Jahre alte Studie bringt neue Brisanz in den Altlastenfall am De-Haën-Platz. Denn die Untersuchung belegt: Stadt und Region wussten schon seit 2003, dass die Chemie-firma Riedel-de Haën mit radioaktiven Stoffen gearbeitet hat. „Dokumentiert wird auch die Herstellung von (radioaktiven) Thoriumpräparaten“, heißt es in der sogenannten historischen Recherche, die eigens von der Stadt in Auftrag gegeben wurde.

„Die Untersuchung haben wir gemacht, weil das ehemalige Betriebsgelände von Riedel-de Haën ein Verdachtsstandort ist“, sagt der Wirtschafts- und Umweltdezernent Hans Mönninghoff. „Aber alles weitere war Sache der Region.“ Bei der Region, die formell schon seit 2001 für Altlasten zuständig ist, wurde die Studie zur Kenntnis genommen – und zu den Akten gelegt.

„Es gibt in Hannover 20 000 Altlastenstandorte“, sagt Regionssprecher Klaus Abelmann. „Da wird so gut wie alles erst mal auf später verschoben.“ Eine Prioritätenliste existiere nicht. „Gehandelt wird dann, wenn Gefahr in Verzug ist“, sagt Abelmann. Erst der Fund radioaktiver Strahlung bei Honeywell, dem Seelzer Nachfolgekonzern von Riedel-de Haën, veranlasste die Behörden, auch in der List noch einmal genauer hinzuschauen.

Dass dort neben erhöhter Strahlung auch immer mehr chemische Altlasten gefunden werden, vermag angesichts der Studie von 2003 kaum zu überraschen. „Die Produktpalette umfasst viele weitere anorganische Chemikalien wie zahlreiche (Schwer-)Metallsalze, Säuren, Laugen und Verbindungen aus radioaktiven Elementen“, heißt es auf Seite zwölf.

Die Einschränkung, dass „aus der Quelle nicht eindeutig hervorgeht, ob diese alle am Produktionsstandort List oder zum Teil am späteren Standort Seelze produziert wurden“, hat sich mittlerweile erledigt. „Wenn wir das gewusst hätten, hätten wir unsere Wohnung im Dezember 2005 natürlich niemals gekauft“, sagt Barbara Schlecht von der neu gegründeten Lister Bürgerinitiative.
Schlecht wohnt in der Fraunhoferstraße, einem der am stärksten betroffenen Gebiete. „Viele aus unserem Haus sind im Moment völlig fertig“, sagt sie. „Es gibt junge Familien, die sich für ihre Eigentumswohnungen stark verschuldet haben. Die können sich keine Sanierung leisten.“

Falls Schlecht und ihre Mitstreiter eventuelle Sanierungskosten alleine tragen sollen, wollen sie sich auch juristisch dagegen wehren. „Wir werden uns jetzt schlaumachen“, sagt Schlecht. Sie sieht neben Honeywell, der Stadt und der Region Hannover auch den Verkäufer, die Dannenberg Immobilien GmbH, in der Pflicht. „Falls die etwas von den Altlasten gewusst haben, müssen sie sich an der Sanierung beteiligen.“

von Johannes Schneider

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