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Strahlende Altlast in der List

5. Juli 2008 Strahlende Altlast in der List

Wegen Strahlengefahr hat die Region Hannover am Freitagnachmittag Teile des De-Haën-Platzes in der List abgesperrt. Auf dem öffentlichen Platz zwischen Wohngebiet und Kinderspielplatz sind im Boden radioaktive Altlasten gefunden worden.

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Quelle: Rainer Surrey

Eine Fläche von etwa zehn Quadratmetern, auf der eine „erhöhte Strahlenbelastung“ gemessen wurde, sei abgesperrt worden, sagte Sprecherin Christina Kreutz.

Eine Gefahr für die Gesundheit bestehe aber nur, wenn sich jemand mindestens 200 Stunden ununterbrochen dort aufhalten würde. Unter den Anliegern führte die Nachricht dennoch zur Besorgnis. „Schließlich spielen an der Stelle immer Kindern und krabbeln sogar Babys“, sagte eine Nachbarin. Die Betreiber der „Villa Kunterbunt“, einem Geschäft für Kinderspielsachen, sagten ihr für den heutigen Sonnabend geplantes Kinderfest ab.

Nach Angaben von Burkhard Evers vom Team Gewässer- und Bodenschutz der Region ergaben die Messungen in etwa 35 Zentimeter Tiefe ein vorläufiges Ergebnis von dem Zehn- bis 50-fachen des in der Maßeinheit Millisievert gemessenen Durchschnittswerts in Niedersachsen. Das sei bedenklich aber noch nicht gesundheitsgefährdend, sagte Evers. Auch in den umliegenden Straßen und auf dem Kinderspielplatz sind Messungen vorgenommen worden. „Dort gab es überhaupt keine Erhöhungen“, sagte Kreutz.

Der vorherige Standort des Chemieunternehmens Honeywell, früher Riedel-de Haën, wurde 1902 aufgegeben. Im Februar ist im Verwaltungsgebäude von Honeywell in Seelze durch Zufall radioaktive Strahlung entdeckt worden, die auf die Verarbeitung von Uran- und Thoriumerze zurückzuführen sind.

„Daher war für uns als Umweltschutzbehörde klar, dass wir vorsichtshalber auch den vorherigen Standort von Riedel-De Haën nach Strahlungen untersuchen müssen“, sagte Regionspräsident Hauke Jagau. „Es besteht überhaupt kein Anlass zur Verunsicherung oder Panik. Wir sind nur vorsichtig und wollen alle Eventualitäten ausschließen“, sagte Jagau, der vor Ort war, um Rede und Antwort zu stehen. Experten würden die Bodenproben untersuchen und dann entscheiden, wie es weiterginge. Jagau geht davon aus, dass Teile des Bodens an dem bisher betroffenen Bereich mit einer Größe von zehn Quadratmetern ausgetauscht werden.

Nachdem die Mitarbeiter am Nachmittag die Stelle lediglich mit Flatterband abgesperrt hatten, entschied man sich am frühen Abend doch dafür, den Teil des Platzes einzuzäunen. „Das sieht zwar widersprüchlich aus, weil wir davon ausgehen, dass es keine Gefahr gibt“, sagt Wirtschaftsdezernent Hans Martensen, „wir wollen aber lediglich sicherstellen, dass die Arbeiter in Ruhe die Proben entnehmen können und keiner vorher über den Bereich läuft.“

Geprüft werden soll nun, warum selbst einen Meter neben dem gesperrten Bereich keine Belastung mehr festgestellt wurde. Geplant ist auch, die Hinterhöfe und Keller der angrenzenden Häuser zu testen. „Alles nur zur Vorsorge“, beschwichtigte Jagau. In den Wohnungen der Anwohner soll allerdings nicht gemessen werden. „Wenn überhaupt kann nur in den Kellern Strahlung sein“, sagt Evers, „schon jetzt ist in eineinhalb Metern Höhe nichts mehr messbar.“

Die Kontrollen werden die nächsten Wochen andauern. Die Kosten dafür trägt die Region. „Wir glauben kaum, dass die Nachfolgefirma von Riedel De-Haën dafür verantwortlich zu machen ist“, sagt Jagau, „zudem gehen wir eh nicht davon aus, dass die Sache sich noch ausweitet und große Kosten auf uns zukommen.“

Hannovers Oberbürgermeister Stephan Weil sagte, er beobachte die Angelegenheit „mit großer Aufmerksamkeit“. Vor weiteren Bewertungen wolle er jedoch Ergebnisse von Untersuchungen abwarten.

Die Region Hannover hat ein Bürgertelefon eingerichtet, das an diesem Wochenende in der Zeit von 9 bis 19 Uhr unter 61 62 24 38 erreichbar ist.

von Jens Hauschke

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