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Die Turm-Debatte: Gespaltene Reaktionen auf Investor-Entscheidung

Kröpcke-Center in Hannover Die Turm-Debatte: Gespaltene Reaktionen auf Investor-Entscheidung

Die Entscheidung des Investors, das Kröpcke-Center in Hannover nun doch ohne Turmetagen zu bauen, hat am Mittwoch gespaltene Reaktionen hervorgerufen.

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Die zerklüfteten Turmetagen auf dem Kröpcke-Center werden ersatzlos abgerissen. Statt neue Turmetagen zu bauen, wie es ursprünglich geplant war, soll es künftig ein turmloses Kröpcke-Center geben – das könnte so aussehen wie in dieser HAZ-Montage. Ob auch die zurückgesetzten Staffelgeschosse wie auf unserem Bild gebaut werden, ist aber noch nicht geklärt.

Quelle: HAZ

In Internetforen wie haz.de wurde das Thema kontrovers diskutiert. Während die einen darauf verweisen, dass Hochbauten immer ein Zeichen von wirtschaftlicher Prosperität und Großstadtflair sind und den ersatzlosen Abriss der Turmetagen daher bedauern, verweisen andere darauf, dass schon das bisherige Kröpcke-Center in der Stadtöffentlichkeit häufig als überdimensioniert und unpassend empfunden wurde und das neue Gebäude ja auch ohne Turm schon deutlich größer wird als bisher. Der Düsseldorfer Investor Holger Wohner hatte, wie gestern berichtet, die Turmentscheidung revidiert, nachdem er über Monate hinweg keinen Mieter für die geplanten 15.000 Quadratmeter Bürofläche in den sieben Obergeschossen gefunden hatte und daher um die Rentabilität des Bauwerks fürchten musste.

Dem Vernehmen nach hatte Wohner nicht nur mit der Wirtschaftsberatergesellschaft Deloitte, sondern auch mit einem großen Finanzunternehmen und einem Einsternehotel über einen langfristigen Mietvertrag für die Turmetagen verhandelt. Doch offenbar gab es niemanden, der bereit war, die Bedingungen eines Mietvertrags im Kröpcke-Turm zu akzeptieren. Wegen der hohen Baukosten in dem komplizierten Gebäude dürfte der Quadratmeterpreis relativ hoch gewesen sein – offenbar zu hoch.

In der Immobilienbranche munkelt man allerdings auch, dass Wohner möglicherweise gar kein großes Interesse an Bau und Vermietung der Turmgeschosse gehabt haben könnte. Drei Gründe könnte es dafür geben. Lukrativ sind in Innenstädten stets nur die unteren Geschosse, die als Verkaufsflächen zu hohen Quadratmeterpreisen vermietet werden können. Die oberen Etagen dagegen sind bei Investoren eher unbeliebt, weil dort keine Laufkundschaft hingelockt werden kann. Speziell beim Kröpcke-Center drohtem dem Investor bei der geplanten Erweiterung des Turms zudem Klagen von mindestens einem Anlieger. Die gesetzlichen Abstandsregeln werden bei derartigen Projekten in eng bebauten Innenstädten fast nie eingehalten, Kläger haben oft gute Karten. Und schließlich muss Wohners Firma Centrum ja auch noch einen Abnehmer für die Großimmobilie finden. Centrum ist ein klassischer Projektentwickler, der Problemimmobilien kauft, saniert, vermietet und anschließend verkauft, um frisches Kapital für die nächsten Millionenprojekte zu erzielen. So hat Wohner es bereits erfolgreich beim Drachentöterhaus (früher Brinkmann, heute Lehmanns Buchhandlung) getan oder beim Heutelbeck-Haus (heute: S.Oliver), so verfährt er aktuell auch bei der Ernst-August-Markthalle gegenüber dem Hauptbahnhof. Möglicherweise hat er kalkuliert, dass er angesichts der schwächelnden Immobilienwirtschaft ein kleineres Gebäude ohne aufwendige Turmetagen schneller verkaufen kann als ein großes – was ihm die Entscheidung zum Turmverzicht erleichtert haben könnte.

Für die fünf Sockeletagen des neuen Kröpcke-Centers dagegen hat Wohner die Mieter schon weitgehend parat. Hauptmieter bleibt das Modegeschäft Peek & Cloppenburg, das seine Geschäftsflächen durch die Erweiterung der unteren Etagen bis 2012 auf 12.800 Quadratmeter vergrößert – damit entsteht in Hannover das zweitgrößte P&C-Geschäft Deutschlands. Weiterer großer Mieter wird der Herrenausstatter Eckerle, zusammen mit zusätzlichen Mietverträgen kommt Centrum nach eigenen Angaben auf rund 87 Prozent Vermietung. Das gilt, zwei Jahre vor Baufertigstellung, in der Branche als sehr guter Wert.

Conrad von Meding

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Entscheidung ist gefallen
Das Kröpcke-Center wird ohne Turm gebaut.

Die Entscheidung ist gefallen: Hannovers Kröpcke-Center wird ohne die sieben Turmetagen gebaut. Projektentwickler Holger Wohner, der mit seiner Düsseldorfer Firma Centrum rund 200 Millionen Euro in die Sanierung der Siebziger-Jahre-Immobilie investieren wollte, teilte am Dienstag nach Gesprächen mit Hannovers Stadtspitze mit, dass er es bei der Totalsanierung und Erweiterung der unteren fünf Geschäftsgeschosse belässt.

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