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Großbaustelle Kröpcke-Center Projekt Kröpcke-Center vorgestellt
Hannover Themen Großbaustelle Kröpcke-Center Projekt Kröpcke-Center vorgestellt
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14:52 19.04.2010
Von Conrad von Meding
So soll es am Ende aussehen: Das neue Center aus Blickrichtung Bahnhof Quelle: Kleihues + Kleihues

Wenn Holger Wohner über Hannover spricht, dann nur in den höchsten Tönen. „Hannover hat in den letzten zehn Jahren die größte Entwicklung im Einzelhandelsbereich bundesweit gemacht“, sagt der Mann aus Düsseldorf. Wohner hat diese Entwicklung miterlebt und mitgestaltet. Erst hat seine Firma, die Centrum Grundstücksgesellschaft, das Drachentöterhaus (Brinkmann) gekauft, modernisiert und als Büchergeschäft (Lehmanns) vermarktet. Dann das inzwischen abgerissene Heutelbeck-Haus, wo 2009 S.Oliver und andere einziehen sollen. Dann die „kleine Markthalle“ gegenüber vom Hauptbahnhof, wo im Frühjahr Umbaustart sein soll. Zum Jahresbeginn folgte das Kröpcke-Center. Und auch dort soll es jetzt losgehen mit der Modernisierung. Doch noch gibt es Widerstände.

200 Millionen Euro will Centrum investieren, um die Betonburg flott zu machen. Eine helle Rasterarchitektur soll es werden, „transparent, aber als edles Solitär“, wie Architekt Jan Kleihues betont. Helle Natursteine wechseln sich mit Glas ab, der zweigeschossige Sockel und die drei darüberliegenden Etagen seien mit Zäsuren optisch unterbrochen, um dem Gebäude Struktur zu geben. Die Verkaufsfläche soll auf 16.000 Quadratmeter anwachsen, auf allein 10.000 Quadratmeter will Peek&Cloppenburg sich erweitern, ohne während der Bauphase zu schließen. Es ist ein Riesenprojekt, an dem vor zehn Jahren eine Fondstochter der Deutschen Bank gescheitert ist. „Hannover ist so erfolgreich in der Vergangenheit, dass ich glaube: Wir werden es bewerkstelligen“, sagt Wohner.

Die Unterstützung von Oberbürgermeister Stephan Weil und Baudezernent Uwe Bodemann ist ihm sicher. Gemeinsam sind sie gestern vor die Presse getreten, um das Projekt vorzustellen. „Es freut uns, einen tatkräftigen Investor zu haben, der sich für die City interessiert“, sagt Weil und verspricht: „Wir wollen zur schnellen Modernisierung beitragen.“ Schließlich sei der Zustand des Kröpcke-Centers „ein Problem, das uns drückt“.

Wenn alles nach Plan läuft, könnten im Februar die vorbereitenden Arbeiten starten. Zunächst soll das Kröpcke-Loch geschlossen werden, die Verträge dafür sind weitgehend fertig. Im Juli würde der Umbau selbst beginnen. Die Fassaden der fünf unteren Geschosse würden auf Grundlage der rechtskräftigen Baugenehmigung weit in den Platz vorgezogen, bis etwa zur Windrose in der jetzigen Passerelle. In einem zweiten Schritt, für den noch die Baugenehmigung fehlt, soll auch der Turmbau modernisiert und erweitert werden. Wohner widerspricht der Annahme, dass dahinter nur wirtschaftliches Kalkül stehe. „In München mit Büromietpreisen von 25 Euro pro Quadratmeter wäre das rentabel“, sagt er: „In Hannover bekomme ich nur 13 Euro.“ Und warum will er dann den Turm umbauen? „Wir sind doch alle Ästheten“, sagt Wohner: „Sie können nicht die unteren Geschosse umbauen und oben den alten Turm lassen.“ Doch noch ist es nicht so weit. Noch fehlt die notwendige Zustimmung der Nachbarn dazu, die ursprünglich vorgesehenen Arkaden im Erdgeschoss zu schließen. Der moderne Filialhandel mag solche Arkaden nicht mehr, er sorgt sich, dass Bettler und Uringeruch die Kundschaft von den Schaufenstern fernhalten. Die umliegenden Geschäftsleute und Hauseigentümer fürchten aber, dass geschlossene Arkaden das Haus noch wuchtiger erscheinen lassen und zudem die Blickachsen vom Kröpcke in Karmarsch- und Ständehausstraße noch weiter geschlossen werden. Wohner hat daher gestern einen geänderten Entwurf präsentiert. Der sieht vor, an allen drei Ecken je fünf Arkadenraster offen zu lassen, die Eingangstüren also um einige Meter ins Gebäude zurückzuversetzen. „Wir machen das, damit jeder zu seinem Recht kommt – wenn es dazu keine Zustimmung gibt, weiß ich auch nicht weiter.

Hauseigentümer wie Helmut Radelfahr, dem das Wormland-Gebäude gehört, finden das „den richtigen Weg“. Eine abschließende Meinung will er sich aber erst bilden, wenn er die Pläne geprüft hat. Friedrich Bartels von der Holländischen Kakaostube hingegen gehört zum Kreis der Eigentümer, die die Entwicklung mit Sorge sehen. „Nach den letzten Plänen, die ich kenne, gibt es zur Ständehausstraße hin keine kleinen Geschäfte mehr – damit droht die Straße leblos zu werden wie der Andreaeplatz hinter Karstadt.“ Auch Kurt Prenzler (Parfümerie Liebe) und Jobst Buhmann (Europa-Haus) sollen noch Vorbehalte haben. Und die Geschäftsleute vom Operndreieck halten die Größe des geplanten Gebäudes für völlig überdimensioniert. „Der Bau ist zu massiv und ragt zu weit in den Kröpcke – der Flanierboulevard Georgstraße wird abgeschnitten“, sagt Goldschmied Jörg Stichnoth.

Gestern hat der Investor sich mit etlichen Anliegern getroffen und die neuen Pläne vorgestellt. Auch wenn nicht alle dabei waren, sei das Treffen „sehr positiv“ verlaufen, hieß es anschließend. “80 Prozent sind dafür“, sagt Wohner, bei den anderen hoffe er noch auf Zustimmung.

Kritik kommt allerdings auch von anderer Seite. Bauhistoriker Sid Auffarth sieht in dem Entwurf „glatte Beliebigkeit der modernen Kaufhausarchitektur, die ohne Rücksicht jeder Stadt ihr Raster aufdrückt“. Die „Bugspitze des Architekturschiffs“ passe räumlich nicht zu Hannover, „das Herz der Stadt wird demoliert“, kritisiert Auffarth. Investor Wohner ist seiner Sache aber sicher: Die kleinen Geschäfte entlang der Ständehausstraße sollen schon ihre Kündigung erhalten haben. Schließlich soll der Umbau bald beginnen. 2012, so hofft man bei Centrum, kann dann alles fertig sein.

BU: So soll es am Ende aussehen: Das neue Center aus Blickrichtung Bahnhof (großes Bild). Bislang gibt es nur eine Baugenehmigung für die unteren Geschosse (oben rechts: aus Richtung Bahnhof; oben links: vom Platz der Weltausstellung). Chefinvestor Holger Wohner (Mitte) und die Architekten Jan Kleihues (li) und Norbert Hensel wollen auch die Turmetagen modernisieren (mittlere Bilder).

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