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IdeenExpo ZiSH hat sich fünf spannende Exponate aus Hannover zeigen lassen
Hannover Themen IdeenExpo ZiSH hat sich fünf spannende Exponate aus Hannover zeigen lassen
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16:12 26.08.2011
Für mehr Sicherheit im Straßenverkehr: Leon Schädlich (13 Jahre) mit dem floureszierenden Fahrrad. Quelle: Insa Cathérine Hagemann
Hannover

Technik tue nicht weh, Technik mache Spaß, sagte Volker Schmidt, der Geschäftsführer der IdeenExpo, bei der Besichtigung der noch fast leeren Halle 9 vor einer Woche. Mittlerweile ist der „Pavillon der Ideen“ mit 400 Exponaten gefüllt, die auf der dritten IdeenExpo zum Ausprobieren einladen sollen. Die Messe hat sich in diesem Jahr erneut vergrößert, weit über 200 Aussteller haben auf 80.000 Quadratmetern Platz.

Von Sonnabend an bis zum 4. September präsentieren sich Unternehmen wie die Volkswagen AG, Salzgitter AG oder der Norddeutsche Rundfunk, Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Außerdem bietet die Messe unter dem Motto „Deine Ideen verändern“ jungen Forschern Platz für ihre innovativen Projekte.

Auch 25 Schülergruppen sind mit dabei. Sie wurden beim Schülerwettbewerb „Niedersachsen geht auf Ideenfang“ – von der Stiftung NiedersachsenMetall initiiert – unter 80 Teams ausgewählt und dürfen ihre Exponate während der IdeenExpo ausstellen. Fünf davon kommen aus der Region Hannover. Am Ende werden drei Sieger mit je 3500 Euro Preisgeld ausgezeichnet.

Léon Pläsier ist einer der Kandidaten. Er fand seine Inspiration in einem Buch. Es sei ein dramatisches Schauspiel gewesen, als prasselnde Lichtbänder an dem Metall hinauf- und hinunterschossen, so las der Siebtklässler vom Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium im Fantasyroman „Der unsterbliche Alchemyst“ von Michael Scott, in dem der Eiffelturm zum Leuchten gebracht wird. Bei der Lektüre erinnerte sich Léon an die Mahnung seiner Mutter, nachts, wenn er leicht zu übersehen sei, besser nicht Rad zu fahren. León kam eine Idee: ein Fahrrad in ein leuchtendes Objekt zu „transmutieren“ – wie der Alchimist in dem Buch. „Damit sich Kinder keine Sorgen mehr machen müssen, wenn sie im Dunkeln fahren.“

Gemeinsam mit Joanik und Leon startete er das Projekt. Sie gewannen Fahrradhersteller Kalkhoff für sich, der ein Fahrrad und die Werkstatt zur Verfügung stellte. Mithilfe der Radprofis trugen die jungen Tüftler einen grünen Unterlack auf. Danach wurde ein restlichtverstärkender Lack auf den Fahrradrahmen aufgesprüht – das eigentliche Geheimnis des Leuchtfahrrads. Bevor das Fahrrad bis zu 15 Minuten schillern kann, muss es im Licht aufgeladen werden. Auf der IdeenExpo ist das Rad in einer Blackbox zu sehen. Gemeinsam mit Knicklichtern, Reflektoren und einem unlackierten Rad können Besucher herausfinden, was im Dunkeln leuchtet.

Wie es nach der Messe weitergeht, weiß Léon noch nicht. Er habe erst einmal den Sieg fest im Blick. Seine Mutter ist zuversichtlich: „Wenn wir es hinbekommen, dass der Lack länger nachleuchtet, wird das Fahrrad der Renner.“

Isabell Korth, Felix Klabe und Manuel Becker


Otto-Brenner-Schule – Selbstfahrend

An der Drehmaschine kommt es auf jeden Millimeter an. Sira und Nicolas von der Otto-Brenner-Schule stehen an der Werkzeugmaschine, die einem überdimensionalem Bohrer ähnelt. Sie bearbeiten ein kleines Messingrohr, das später auf den Motor des elektrischen Skateboards passen muss. Dabei ist Augenmaß gefragt – und das hat Sira. Schnell merkt sie, dass das Metall noch nicht passt. Die Maschine wird wieder angeworfen. Währenddessen liegt das Skateboard auf dem Tisch. Es besteht aus Kohlefaser und sei deshalb besonders leicht, erklärt Günter Thiemann, der Lehrer der beiden. Unter dem Brett, zwischen den vier Rädern, liegt das Herzstück des Skateboards – ein kleiner Motor mit Batterie, der über eine Funkfernbedienung gesteuert wird, die man beim Fahren in der Hand hat. Den Schwung übernimmt also der Motor, lenken muss man selbst. „Das Board ist mit etwa fünf Kilo Gewicht viel leichter als andere elektrische Skateboards“, sagt Thiemann. „Vielleicht kann man damit sogar in Halfpipes fahren.“

Die Idee zu dem funkgesteuerten Rollbrett hatte ein ehemaliger Schüler, der das Skateboard für eine Facharbeit entworfen hatte. Nun haben Sira, Nicolas und zwei ihrer Mitschüler die Produktion des Prototypen übernommen, der im „Pavillon der Ideen“ ausgestellt wird.

iro


IGS MühlenbergEnergiebewusst

Jonas Basler sitzt in einem bunten Spielzeughaus und dreht das Radio auf. Den Strom für Rundfunkempfänger, Fernseher und Klingelanlage liefern die Solarplatten auf dem Dach des Plastikhauses. Der 16-Jährige gehört zur Schülerfirma „Sience for kids“ der IGS Mühlenberg.

Bereits seit sechs Jahren entwickeln die Schüler der Jahrgangsstufen fünf bis elf im Schullabor Experimentiermaterial, um Kinder ans Thema Solarstrom heranzuführen. Eines der ersten Projekte war ein Baukasten, mit dem Grundschüler Steck-elemente zu einem Stromkreis verbinden können – natürlich komplett auf der Basis der Sonnenenergie. Heute werden die Baukästen, die die Schüler einzeln in Handarbeit herstellen, bereits an etwa 70 Schulen in Hannover eingesetzt – kostenlos, denn die Stiftung proKlima zahlt alle Materialien.

Bei „Science for kids“ lernen die Schüler Lagerhaltung, Ein- und Verkauf und Grundlagen der Solartechnik. Inzwischen haben sie auch einen vereinfachten Versuchskasten für Vorschulkinder entwickelt, bei dem nur zwei Komponenten mit einem Kabel verbunden werden. Diesen stellen die Schüler nun auf der IdeenExpo vor, noch bevor er in Serie geht und an Kindergärten verteilt wird. Auch das Minisolarhaus wird als Exponat zu sehen sein.

jos


Goetheschule – Bewohnbar

Welche Stadt passt zu mir, und an welchen Orten halte ich mich am liebsten auf? Das haben sich Schüler der Goetheschule gefragt und das Programm „Shangover“ entwickelt, womit jeder Nutzer seine individuelle Traumstadt entstehen lassen kann. Auf einem Touchscreen sind vier Bilder zu sehen: zwei aus Hannover – etwa Oper und Rathaus – und zwei aus Schanghai, wo die Goetheschule ihre Partnerschule hat. Nun muss sich der Nutzer jeweils für das Bild entscheiden, das in zwölf Kategorien wie Treffpunkt, Beruf, Essen, Schule oder Verkehr für ihn am ansprechendsten ist.

Ein ähnliches Projekt stellten die Schüler bei der Expo in Schanghai 2010 im deutschen Pavillon aus. Jetzt wurde es weiterentwickelt: „Wir haben Schüler nach ihrer Traumstadt gefragt und aus den Antworten und den Fotos, die wir selbst gemacht haben, ein Programm entwickelt“, erklärt die Elftklässlerin Madita Edeling. Dabei hätten sie auch gelernt, wie ein Computer funktioniert: „Am Anfang hat er viele falsche Antworten ausgespuckt, wir mussten ihn unterrichten wie einen Schüler.“ Aber der Computer versteht und kombiniert nun aus den eingebenen Bildern und Infos der Schüler nach der Bilderwahl Sätze wie „Du magst es, wenn viel los ist, aber auch, dich mit einem Buch in den Park zu setzen.“

mb


Emil-Berliner-Straße – Bestäubt

Es geht um Blümchen und Bienchen. Nein, die Emil-Berliner-Schule ist keinen pädagogischen Methoden vergangener Jahrzehnte verfallen. Dank ihrem Projekt können Besucher auf der IdeenExpo ausprobieren, was die schwarz-gelben Insekten auf Blumenwiesen und in Obstgärten leisten. Die Schüler haben in die Blüten eines großen Plastikblumenstraußes Kontakte eingesetzt und mit einem Computer verbunden. Mithilfe einer Zahnbürste, die auch an den Rechner angeschlossen ist, wird nun die Rolle einer Biene übernommen: Alle Blumen einer bestimmten Farbe müssen so schnell wie möglich bestäubt werden. Der Computer zeigt dabei an, welche Blüten noch fehlen.

In ihrer Schulimkerei haben die Fünft- bis Zehntklässler es nicht nur mit Zahnbürsten, sondern echten Bienen zu tun. Gestochen wurden sie alle schon einmal, dass sei aber nicht so schlimm, antworten sie ihrem Schulleiter Werner Schlüter einstimmig. An der Schule werden 25 Bienenvölker betreut, bereits 600 Kilo Honig wurden in der dazugehörigen Schulfirma verkauft.

Die tierischen AG-Mitglieder werden zur IdeenExpo nicht mitgenommen. Stattdessen dürfen die Besucher Honigsorten probieren und Wachsmalstifte herstellen – und bei der Zahnbürsten-Bestäubung fleißige Bienchen spielen.

jos

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