Das rot-weiße Flatterband ist entlang einer Fläche von 50 mal 65 Metern über den Platz der Göttinger Sieben gespannt und kommt damit dem Denkmal der sieben mutigen Professoren ziemlich nahe. Und wenn nicht zu viel Wind gewesen wäre am Sonnabendmittag, dann wären die bunten, mit Helium gefüllten Luftballons auch nach oben gelassen worden. Dort hätten sie in 17 Metern Höhe demonstriert, wie hoch der nach dem umstrittenen Siegerentwurf des Architektenwettbewerbs geplante neue Plenarsaal werden würde. Mit ihrer Aktion vom Wochenende wollten die unermüdlichen Kämpfer gegen die Pläne einmal für jeden sichtbar die gewaltigen Ausmaße des künftigen Gebäudes zeigen.
Die Initiative Bürgerbeteiligung Landtag rund um Bauhistoriker Sid Auffarth hatte aufgerufen, und etwa 150 Demonstranten waren am Sonnabend auf den Platz der Göttinger Sieben gekommen. Zu einer symbolischen Zeit: Um fünf Minuten vor zwölf hatte die Aktion begonnen, Landtagsverwaltung und Polizeidirektion hatten dafür eine Ausnahmegenehmigung vom Bannmeilengesetz erteilt. Zwar sei die Umsetzung der Planung vor der nächsten Landtagswahl im Januar 2013 nicht mehr zu erwarten, sagte Auffarth. Doch nach wie vor gebe es den Mehrheitsbeschluss des Landesparlamentes für einen Abriss, der die Bestimmungen des Denkmalschutzes missachte. Zudem sei es notwendig, dass mit der überfälligen Sanierung und Instandsetzung des bestehenden Gebäudes begonnen werde. „Man darf es nicht verkommen lassen.“
Derzeit seien im Haushaltsentwurf für 2011 aber keine entsprechenden Mittel vorgesehen, kritisierte der grüne Landtagsabgeordnete Enno Hagenah, Befürworter eines Erhalts von Plenarsaal und Platz. Auch die Gastronomie im Leineschloss müsse wieder belebt werden, forderte er. Fünf bis sechs Millionen Euro seien in einem „ersten Schritt“ für eine behutsame Modernisierung nötig. Das wäre ganz im Sinne von Harald Leonhardt. Der 86-Jährige ist ein ehemaliger Kollege des verstorbenen Plenarsaal-Architekten Dieter Oesterlen und kann nach wie vor über die Neubaupläne nur den Kopf schütteln: „Der Abrissbeschluss ist ein Verstoß gegen alles – Urheberrecht, Denkmalschutz und die politische Kultur.“
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