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Kein Abriss in Hannover

Architekten wütend über kostenlose Landtags-Entwürfe


Die Pläne für einen Neubau des Landtagsplenarsaals in Hannover sind so gut wie vom Tisch - und die Architektenkammer Niedersachsen ist sauer: Die Architekten haben in zwei international besetzten Wettbewerben kostenlose Detailentwürfe geliefert.
Der denkmalgeschützte Nachkriegsplenarsaal wird nun doch nicht abgerissen.

Der denkmalgeschützte Nachkriegsplenarsaal wird nun doch nicht abgerissen.

© Martin Steiner

Nachdem die Pläne für einen Neubau des Landtagsplenarsaals so gut wie vom Tisch sind, erhebt die Architektenkammer Niedersachsen schwere Vorwürfe gegen den Landtag. Kammerpräsident Wolfgang Schneider spricht angesichts des zweiten geplatzten Planerwettbewerbs von einem „gebrochenen Auftragsversprechen“ und deutet an, dass er die angeführten finanziellen Gründe für vorgeschoben hält: „Wie bereits 2002 scheint die Planung aufgrund von politischen Gründen in der Schublade zu verschwinden.“ Schneider thematisierte den Konflikt am Donnerstagabend auch vor Hunderten von Gästen bei einer Fachveranstaltung im Alten Rathaus mit Prof. Gesine Schwan.

Wie berichtet, nimmt Landtagspräsident Hermann Dinkla (CDU) Abstand von dem in der Öffentlichkeit heftig umstrittenen Plan, den denkmalgeschützten Plenarsaal des Landtags abzureißen und durch einen neuen Glastempel zu ersetzen. Der Entwurf des Kölner Architekten Prof.

Eun Young Yi hatte beim zweiten Architektenwettbewerb das Rennen gemacht. Eine von Dinkla in Auftrag gegebene Kostenberechnung hat jetzt ergeben, dass der Neubau mehr als 50 Millionen Euro kosten und damit den vorgegebenen Rahmen von 45 Millionen Euro sprengen würde. Einen ersten Wettbewerb hatte es bereits im Jahr 2002 gegeben – auch dessen Ergebnisse waren damals verworfen worden, weil der angestrebte behutsame Umbau des Denkmals den Landtagspolitikern nicht repräsentativ genug erschien.

Leidtragende sind außer den Steuerzahlern die Architekten, die in zwei international besetzten Wettbewerben kostenlos Detailentwürfe für einen erneuerten Landtag geliefert haben. „Wer wird künftig bei öffentlichen Projekten noch in Vorleistung gehen, wenn er sich nicht einmal des möglichen Auftragsversprechens sicher sein kann?“, fragt Kammerpräsident Schneider. Der Auslober müsse vor dem Verfahren „die politische, ökonomische und gesellschaftliche Durchführbarkeit sorgfältig prüfen“.

Sonst gebe es für freie Berufe keine Planungssicherheit. Handwerkskammerpräsident Walter Heitmüller hatte schon vor einem Jahr vor unkalkulierbaren Risiken gewarnt. „Meiner Einschätzung nach reicht das Budget in Höhe von 40 bis 45 Millionen Euro bei Weitem nicht aus, um etwa den Siegerentwurf aus dem Wettbewerb zu finanzieren“, schrieb Heitmüller damals an Landtagspräsident Dinkla.

Welche Auswirkungen der bevorstehende Abschied vom geplanten Abriss und Neubau hat, ist noch völlig offen. Klar ist, dass die über Jahre verschleppten Sanierungen und Reparaturen am Plenargebäude Millionensummen kosten. Für die Stadt steigt mit dem Verzicht auf den Abriss die Chance, im Bereich der ehemaligen Wasserkunst doch noch einen Neubau zu platzieren.

Baudezernent Uwe Bodemann hatte dies aus städtebaulichen Gründen favorisiert, wegen des neuen Landtags wäre der Platz aber möglicherweise eng geworden. Eine Stellungnahme dazu gab es am Donnerstag von der Stadt mit Verweis auf die unsichere Beschlusslage zum Landtagsbau nicht.

Conrad von Meding und Klaus Wallbaum

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