Nach dem Hickhack um ein neues Landtags-Plenargebäude in Hannover sucht Landtagspräsident Hermann Dinkla nach einem gemeinsamen Kurs mit den Fraktionen. Am kommenden Dienstag wolle Dinkla mit den Fraktionsspitzen über das weitere Vorgehen beraten, sagte Landtagssprecher Kai Sommer am Freitag. „Es ist ihm wichtig, dass zügig gehandelt wird.“
In einem Brief an die Fraktionschefs schreibt Dinkla, er halte eine detaillierte Kostenschätzung zu einer umfassenden Sanierung des bestehenden Plenargebäudes für notwendig. Damit soll ein Vergleich mit dem ursprünglich vorgesehenen Neubau möglich sein. Auch über mögliche Alternativen zur Konzeption des Plenargebäudes soll gesprochen werden. “Über einen möglichen Neubau an der Leine wird dort sicherlich auch diskutiert“, sagte Sommer. CDU und SPD hatten in dieser Woche erklärt, dass anstelle von Neubau oder Sanierung des maroden Oesterlen-Baus auch über ein neues Gebäude an anderer Stelle nachgedacht werden müsse.
Nach einer Risikoanalyse des Finanzministeriums könnte der im März 2010 vom Plenum ausgewählte Bauentwurf des Kölner Architekten Eun Young Yi für einen Abriss und Neubau bis zu rund 65 Millionen Euro kosten. Das sind 20 Millionen mehr als vom Landtag abgesegnet.
Nachdem in dieser Woche die bis dato interne Kostendebatte an die Öffentlichkeit gelangt war, hatte Dinkla sich umgehend in einem Fax bei Yi entschuldigt. Yi hatte erst aus Zeitungen erfahren, dass sein Entwurf in der Kritik steht. „Zudem hat er Herrn Yi nach Hannover zu weiteren Gesprächen eingeladen“, betonte Sommer.
Ein weiteres Problem in der Kostendiskussion ist der große Unsicherheitsfaktor: Laut staatlichem Baumanagement sind Schwankungen von 25 Prozent möglich. Diese Unsicherheit könnte laut Dinkla nur durch ein zusätzliches Gutachten im Wert von rund einer Million Euro geklärt werden. Doch Michael Brakemeier vom Staatlichen Baumanagement warnt vor zu großen Erwartungen an das neue Gutachten: „Danach gebe es noch immer Schwankungen von 15 bis 20 Prozent.“
Wegen der Kosten scheint der vorgesehene Abriss des maroden Plenarsaals in weite Ferne gerückt. Hauptursache für die Kostenexplosion sind sogenannte Abweichungen zum Entwurf, die das Staatliche Baumanagement bei einer Überprüfung festgestellt hat.
„Insgesamt umfasst die Liste rund 15 Punkte“, sagte Brakemeier. In der Liste seien Korrekturvorschläge mit den jeweiligen Zusatzkosten festgehalten, die der Entwurf von Yi nicht enthält. Darunter für den Landtagsbetrieb unverzichtbare Dinge wie eine Klimatechnik (4 Millionen Euro) und Sprinkleranlagen (400.000 Euro) und auch rein gestalterische Elemente. Zu den zwingend nötigen Bauteilen gehören eine Photovoltaikanlage mitsamt eines begehbaren Glasdaches (rund 400.000 Euro) sowie Edelstahl-Verkleidungen für Betonstützen (600.000 Euro).
dpa
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