Navigation:
HAZ-Shop AboPlus Online-ServiceCenter
Landtagsumbau

Streit um das Veto von Witwe Oesterlen

Von Klaus Wallbaum

Kann das Urheberrecht, das einst der Architekt Dieter Oesterlen für sich beanspruchen konnte, heute den Neubau des Landtags verhindern? Zwar sind knapp 50 Jahre vergangen, seit Oesterlens Plenarsaal im Jahr 1962 eröffnet wurde.
Präsentation des Siegerarchitekten Yi der Juryauswahl.

Präsentation des Siegerarchitekten Yi der Juryauswahl.

© Steiner

Aber der Architekt Frank Meier, der die Witwe Eva-Maria Oesterlen vertritt, hat es in diesen Tagen sehr drastisch formuliert: „Jedwede beabsichtigte entstellende Veränderung“ des Landtags werde von seiner Mandantin „keine Zustimmung erfahren“.

Das klingt ganz so, als wäre das Urheberrecht ein wirksamer Hebel gegen die Neubaupläne an sich, als hätte die 89-jährige Witwe die Handhabe, mit einem Veto das Projekt zu stoppen. Doch Finanzminister Hartmut Möllring (CDU), der für das staatliche Baumanagement und damit auch für den Landtagsneubau zuständig ist, widerspricht: „Wir haben die Urheberschaft geprüft und sehen keine Hindernisse für den Bau.“ Möllring sieht den wesentlichen Grund darin, dass laut Siegerentwurf der alte Plenarsaal abgerissen und nicht bloß umgestaltet werden soll: „Man darf einen Picasso wegschmeißen, aber man darf nicht in ihm herummalen.“

Der Architekt sieht die Sache anders: Der alte Laves-Bau und der Plenarsaal von 1962 seien insgesamt ein geschlossenes Denkmal, und jeder Eingriff, etwa der Abbruch des Plenarsaals, beeinträchtige dieses Denkmal – und das Urheberrecht werde verletzt.

Diese Rechtsposition allerdings wird erschüttert durch den Vertrag, den das Land Niedersachsen Anfang der sechziger Jahre mit Oesterlen geschlossen hatte. Darin wird in Paragraph 13 zunächst festgestellt, dass Oesterlen das Urheberrecht weiter besitzt. Aber in Absatz 3 kommt es zu einer wichtigen Einschränkung: „Der Auftraggeber ist berechtigt, über das fertiggestellte Bauwerk zu verfügen, insbesondere es zu verändern. Bei wesentlichen Änderungen ist der Architekt zu beteiligen, soweit nicht triftige Gründe entgegenstehen.“ Daraus wird deutlich, dass Oesterlens Witwe zwar bei wichtigen Veränderungen informiert werden muss. Dass sie ein Vetorecht besitze, ist aber zumindest fraglich.

Eine andere Frage ist der Denkmalschutz. Theoretisch könnte mit diesem Argument der Oesterlen-Bau vor dem Abriss gesichert werden. Nur ist die Sachlage so, dass der oberste Denkmalschützer des Landes bereits sein grundsätzliches Einverständnis auch mit dem Abbruch das alten Plenarsaals geäußert hat – weil überragende Gründe, nämlich die Notwendigkeit von besseren Arbeitsbedingungen des Parlamentes, bestehen. Der Rat dieser obersten Landesbehörde hat großes Gewicht, dagegen ist kaum ein juristischer Erfolg vorstellbar – zumal die Frage ist, wer als Kläger gegen das Land auftreten könnte.

Unklar war am Freitag im Landtag, wann das Land mit allen drei Preisträgern des gerade beendeten Architektenwettbewerbs verhandelt. Diese Gespräche sind im Vergaberecht vorgeschrieben. Bislang allerdings gibt es offenbar nur Kontakte zwischen der Landesregierung und dem Sieger des Wettbewerbs. Er soll seinen Entwurf nachbessern.

Nächster Artikel
Nächster Artikel
Vorheriger Artikel
Voriger Artikel

Kleine Denkmalskunde für Hannover

Die Debatte um den Landtagsumbau rückt das Thema Denkmalschutz ins Zentrum. Wie wird ein Haus eigentlich zum Denkmal? Alles zum Thema.

Oesterlens Bauten in Hannover

Das Funkhaus am Maschsee

Beschämend

Zuerst die gute Nachricht: Wahrscheinlich werden in der Innenstadt von Hannover 40, 45 oder mehr Millionen Euro in den Bau eines neuen Gebäudes investiert. Gar nicht gut: Der Neubau erzwingt die Zerstörung eines Baudenkmals von Rang, und er wird komplett über Schulden finanziert.

Landtagsstreit: Die Säule ist wieder gefragt

Der Tempel-Entwurf des Kölner Architektenbüros Yi.

Säulen von gestern, Säulen von morgen? Einige Überlegungen zum repräsentativen Bauen - anlässlich des Formstreits um den Landtagsplenarsaal in Hannover

Landtagsumbau: Die Entwürfe

Anzeige


Top