Noch liegt die Sonne sanft auf dem Maschsee, gleich wird sie sich verziehen hinter den Bäumen am Westufer, und an der Löwenbastion sind sie bereit. Der DJ lässt Schlager laufen, manche tanzen am Bierstand Foxtrott dazu, nur ein junger Punker wirkt, als wäre er an der falschen Bushaltestelle ausgestiegen und guckt nonkonformistisch. Dann endlich greift der Mann auf der Bühne zum Mikrofon und sagt, das Warten habe nun endlich ein Ende: „Hier ist die Wolle-Petry-Kult-Show!“ Nur ist Wolfgang Petry gar nicht da.
Es ist, als hätten die Organisatoren des Maschseefestes an diesem Abend die Musikwelt in eine Nussschale gepackt. Wer Lust, gute Nerven und einen Motorroller hat, kann innerhalb von zwei Stunden am See außer Schlagerikone Petry auch die Rockdenkmäler Queen und Rolling Stones live spielen hören. Ganz umsonst – und fast echt. „Die Leute wollen bei so einem Fest Spaß haben und Lieder hören, die sie kennen“, sagt Christoph Stowasser, Bassist der Queen Revival Band aus Nordrhein-Westfalen.
Nichts gegen Nachwuchsbands, aber an Sonnabendabenden auf dem Maschseefest setzen die Organisatoren lieber auf sichere Bänke. Also bestimmen Coverbands das Programm. Petry, Queen, Stones – die Namen garantieren volle Bühnen und gute Umsätze. Festorganisator Peter Richter verweist auf die Nachwuchskräfte, die an den Nachmittagen ihre Bühne auf dem Fest bekommen. „Aber für das Abendprogramm geht das nicht, da sind viele einfach noch nicht so weit“, sagt Richter. Ein Stadtfest ist schließlich kein Talentschuppen.
Wer aussehen will wie Wolfgang Petry, der braucht einen Schnauzbart, eine Dauerwelle und einen Arm voller Freundschaftsbänder. Diese Ausstattung allein beschert Petry-Double Thomas Döring lauten Jubel, als er die Bühne betritt. Dann spielt seine Band die ersten Takte, und vorne steigen einige von denen, die den lauschigen Abend schon für ein paar Bier genutzt haben, auf die Bänke und klatschen dazu. Man tritt weder Petry noch Döring zu nah, wenn man sagt, dass der künstlerische Vortrag nicht das Entscheidende ist. Wichtig ist die Stimmung, und die wollen sie alle machen an der Löwenbastion.
Etwas schwerer hat es da schon die Queen Revival Band. Das englische Original gilt als eine der wichtigsten Bands der Rockgeschichte – und die Kompositionen sind knifflig. „Wenn man musikalisch nicht voll auf der Höhe ist, kann das leicht peinlich werden“, sagt Piid Plötzer, Schlagzeuger der rheinischen Coverband. Vor allem die Virtuosität von Original-Sänger Freddie Mercury stellt die meisten Nachahmer vor Probleme. Die Queen Revival Band aber hat Harry Rose, und der kann nicht nur aussehen wie das 1991 verstorbene Original, sondern bringt auch die Stimme mit, die es braucht, um Queen-Fans nicht zu vergrätzen. Diejenigen an der „Temple Bar“ aber hat er schon gepackt, als er in aufwendiger Kostümierung aus dem Bühnennebel tritt. „Es ist ein bisschen wie eine Musicalrolle“, sagt Rose. „Schauspielerei ist schon dabei.“
Und dann spielen sie, was die Leute kennen. Lieder aus den Hitparaden der vergangenen mehr als 30 Jahre. „Ab und zu versucht man, mal einen unbekannteren Song zu spielen“, sagt Stefan Pfeiffer, Double von Queen-Gitarrist Brian May. Manchmal klappt das, bei Konzerten in bestuhlten Sälen etwa, bei denen Fans teures Geld bezahlen, um die Coverband spielen zu hören. „Aber bei so einem Fest wollen die Leute feiern, also bekommen sie die Klassiker.“ Als die Queen-Band auf den Höhepunkt ihrer Show zusteuert, spielen am anderen Ende des Sees auf der HTS-Bühne schon die Rolling Stones, die hier Voodoo Lounge heißen. Sänger Bobby Ballasch ist dünn wie eine Latte, was er sein muss, wenn er wirken will wie Mick Jagger. Dass Ballaschs kantiges Kinn demjenigen des großen Stars ein wenig ähnelt, ist Glück, die Präzision der nachempfundenen Bewegungen ist sicher keins. Als die Gitarre den nächsten Song anspielt, sieht am Rand ein Vater seinen Sohn schwärmerisch an. „Das ist ,Wild Horses‘“, sagt er. „Kennste das?“ Der Teenager zuckt die Schultern und nippt am Bier. Falsche Stones hin oder her – fürs Leben lernen kann man auch von ihnen.
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Kommentare
Musikprogramm Maschseefest Uli – 16.08.10
Sorry, aber der Kunde ist nun 'mal Koenig, das konnte man an dem besagten Samstag ja erleben: Vor den Coverbuehnen 1 Stunde vor Beginn kein Platz frei. Jugendbuehne, mit jungen Bands wirklich der *verschiedensten* Richtungen: Samstag 21 Uhr freier Platz vor der Buehne (nur mit dem Getraenkenachschub sah es bitter aus :-)Im uebigen: wenn man die *Musik* mag und nicht irgendwelchen "Stars" nachrennt (die die Stuecke meist auch nicht selber geschrieben haben, von wegen "Kreativitaet" !) kann man doch (gute !) Coverbands nur waermstens empfehlen.
Sorry fuer die nicht-Umlaute, war hier keine deutsche Tastatur :-)
Musik Dummdidumm – 09.08.10
Ich denke die Coverbands sind nur ein Kompromiss. Für die richtigen Stars wie in Hamburg und Berlin fehlt wahrscheinlich das Geld und die Nachwuchsbands locken leider niemanden hinter dem Ofen hervor.Schade ist nur, dass es immer wieder die gleichen Bands sind. Queen Revival, klasse aber schon gesehen. Sweety Glitter, klasse aber auch schon abgenudelt. Voddoo Lounge, klasse, aber auf Dauer auch langweilig. Auf der Maschseequellenbühne auch immer das selbe.
Noch schöner ist dort die Open Stage! Ins Wirtschaftsdeutsch übersetzt: Kostenlose Musik für den Veranstalter! Wir geben Musikern eine Bühne! Bla Bla Bla!
Vielleicht sollte man einfach mal ein wenig experimentieren und auch über den gewohnten Tellerrand hinausschauen.
Coverband Peterle – 09.08.10
natürlich ist der Sänger der QueensRevivalBand nicht Freddy Mercury, aber an Musikalität und Spieltechnik 1A.In jeder Musikrichtung versucht man die großen Werke alter Künstler nachzuspielen, warum sollte es bei der Rockmusik nicht auch so sein?
Coverbands...würgh... Ell – 09.08.10
Das ist, was das Maschseefest qualitativ von den anderen Städten (Hamburg-Reeperbahnfestival, Bremen-Breminale) weit unterscheidet, dort gibt man der Kreativität und der Kunst die Chance, hier ist es nur noch auf Masse und Kommerz ausgerichtet...Coverband nach Coverband, stumpf und unispiriert, wahrscheinlich sogar teurer als viele Bands, die tausendmal besser sind, weil eigen!Kommerz Peter – 09.08.10
Leider wird das Maschseefest fast nur noch auf Kommerz ausgerichtet. Das kann ich zwar aus Sicht der Veranstalter und Standbetreiber verstehen, nur leider sinkt das Niveau immer weiter ab. Ich gehe deswegen kaum noch hin.Klasse finde ich dagegen die neue Jugendbühne, auf der abends Nachwuchsbands ein gutes Kontrastprogramm bieten.
Cover Bands Toky – 09.08.10
Langweilig! Es ist als wenn man in eine Ausstellung geht wo man sich nach gemalte Bilder ansehen kann. Hier greifen einfallslose Musiker Geld ab mit den Ideen anderer ab. Null Kreativität!