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Seesause

Ein Rundgang übers Maschseefest in Hannover

Von Julia Sellner

Der See macht die große Welle: Ein Rundgang übers Maschseefest in Hannover mit feiernden Junggesellen, schwitzenden Gastronomen und venezianischen Karnevalisten.
„Guck mal, wie voll das ist“: Das Nordufer ist auch schon am frühen Sonnabendabend ein Besuchermagnet.

„Guck mal, wie voll das ist“: Das Nordufer ist auch schon am frühen Sonnabendabend ein Besuchermagnet.

© Martin Steiner

Geigenmusik liegt in der Luft ebenso wie der Duft von chinesischen Bratnudeln, Crêpes und Bratwurst. Eine Walzermelodie schallt aus den Boxen an der HTS-Bühne – und für einen Augenblick verwandelt sich die Partymeile am Nordufer in einen Ballsaal unter freiem Himmel. „Guck mal da“, ruft ein kleiner Junge seiner Mutter zu und zeigt auf einen Zug aufwendig gekleideter Herrschaften. Sie tragen üppige Roben, Samtumhänge und weiß gelockte Perücken und verbergen ihre Gesichter hinter venezianischen Masken. Die Maschseefestbesucher zücken ihre Fotoapparate – der „Venezianisch barocke Sommernachtstraum“ ist an diesem frühen Sonnabendabend ein beliebtes Fotomotiv.

Doch ebenso schnell wie die maskierte Organisatorin Marlena Robin-Winn in einer Gondel über den Maschsee entschwindet, kehrt am Nordufer wieder der Partyalltag ein. Immer mehr Menschen strömen am Fackelträger vorbei, um sich an den Getränkeständen und vor der Konzertbühne die besten Plätze zu sichern. Später treten die Jetlags mit Frontmann Cyril Krueger auf. Nun stehen dort die ffn-Moderatoren Jens Hardeland und Timm „Doppel-M“ Busche und versuchen, mit Einheizersprüchen und Körpereinsatz das Ufer zum Brodeln zu bringen. „Wo sind eure Hände?“, schallt es bis zu Herrenhäuser am See hinüber. Dort hat Kellnerin Doris Brückner jede Menge zu tun. Während die Gäste den Blick über den See schweifen lassen, serviert sie Pasta mit Pfifferlingen, nimmt Bestellungen entgegen und spült im Zelt von Meilenstein und Kreipe Geschirr. Zeit den See zu genießen? „Habe ich wirklich nicht“, sagt die Studentin und eilt zum nächsten Tisch.

Ein paar Meter den Maschsee hinab sind die Bässe vom Nordufer kaum noch zu hören. Dafür spielt Drehorgel-Horst auf seinem Leierkasten. Eine Gruppe junger Männer mit bunten Hawaiketten um den Hals fährt mit Treetbooten Richtung Fackelträger. „Junggesellenabschied“, sagt der 27-jährige Daniel aus Hameln. Auf dem Schoß hat er einen Korb mit Schnapsfläschchen, Kondomen und allerlei Kleinkram. „Das muss ich noch verkaufen – und dann kann geheiratet werden.“

Andrea Smolka aus Köln hat an diesem Tag schon eine Trauung hinter sich, zumindestens war sie Zaungast. Nun sitzt sie zusammen mit anderen Hochzeitsgästen bei Gosch am Geibeltreff an einer langen, mit grünen Herzen dekorierten Tafel und wartet auf das Brautpaar. „Die haben sich vor fünf Jahren auf dem Maschseefest kennengelernt und wollten deshalb hier feiern.“ Im Zelt um die Ecke sind Amy Macdonald und Anastacia aus den Lautsprechern zu hören, es wird geplaudert und gelacht, ein Wasserspiel plätschert auf dem eigens ausgelegten Rollrasen. Gleich nebenan, beim Clichy, herrscht Stille; Lautsprecherboxen gibt es hier nicht. Alexandra und Dirk Switala aus Wolfsburg haben sich zwei Holzstühle ans Wasser gestellt und ihre Beine auf die Mauer gelegt. Sie seien nicht zum Partymachen gekommen, sondern zum Entspannen, sagen die beiden: „Schön ist es hier, hier bleiben wir.“ Mario Hoffmann hingegen hat es eilig. „Ich habe nicht mal Zeit, mir eine Zigarette zu drehen“, stöhnt der Fahrradtaxifahrer. Eine Frau möchte wissen, wie teuer eine Runde zum Geibeltreff ist. „Von der Löwenbastion drei Euro“, sagt Hoffmann, während die Sängerin der Pink-Coverband „Dear Mr. President“ anstimmt.

Langsam legt sich die Dämmerung über den See, Lichterketten tauchen die Löwenbastion mit ihren Kastanienbäumen und grünberankten Mauern in ein sanftes Licht. Auf einer Bank sitzt ein Paar und küsst sich. Aus dem Stand vom „Spago“ duftet es nach gebratenem Fisch. „Die Seafoodplatte geht heute Abend besonders gut“, sagt Restaurantchef Andreas Wolter, während er sich den Schweiß von der Stirn wischt. Seinen Gästen empfiehlt er einen Sauvignon Blanc, für ihn selbst gibt es nur Wasser. Auch an der Templebar herrscht Hochbetrieb. Ohne Unterlass zapfen die Bierverkäufer Guinness. Dicht an dicht drängen sich die Besucher in dem irischen Dorf, um einen Blick auf die U2-Coverband „Zoo TV“ zu erhaschen. So richtig nach Bono klinge das aber nicht, sagt eine Zuschauerin. „Schützenfestatmosphäre“, meinen Dietlind Nitsche und Holger Fahrtmann. Sie stehen am Bootsanleger und warten auf ein Schiff, während im Hintergrund zwei Kinder in großen, transparenten Kugeln über den See purzeln. „Wir wollen irgendwo hin, wo es ruhiger ist.“ Doch es kommt kein Boot – und die Party geht weiter.

Am Nordufer ist um 23 Uhr die Stimmung auf dem Siedepunkt. Anna Bresler ist mit Schirmmütze, High Heels und Alkoholmessgerät unterwegs – ganz ohne öffentlichen Auftrag. Für 2,90 Euro darf jeder, der möchte, einmal pusten. „Der Schnitt liegt heute bei 1,7 Promille“, sagt Bresler. Im Scheinwerferlicht der Sansibar schwirren die Motten. Christina Grützmann und ihre Freundinnen haben noch eine Runde Lütje Lage bestellt. „Prost Mädels, auf eine tolle Partynacht.“

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  • Hey Ömer Hasan Tabatabay – 03.08.10
    "Wir brauchen dringend mehr Menschen mit interkultureller Kompetenz, um Minderheiten vor Ausgrenzung und Provokation zu schützen."

    Genau, deshalb gehe ich auch nicht mehr in die alten Moschee. Der Iman dort lebt nicht hier und kennt nicht meine Welt, der erzählt viel und hat keine interkulturelle Kompetenz.
    Durch sein Auftreten verleitet er die religiösen Massen und steigert die eigene Ausgrenzung der Muslime in diesem Land. Seine Koranauslegung ist rechtsradikal und er provoziert ständig Streit unter den Gläubigen, anstatt zu versöhnen.
    Ich gehe trotzdem auf das Maschseefest und trinke dort keinen Alkohol, bisher hat es mich nicht verdorben.
    Deine Weltsicht ist sehr eindimensional.
  • @ Ömer Dilek T. – 03.08.10
    Für viele muslimische Hannoveraner ist das Maschseefest aus religiösen Gründen nicht besuchbar.

    Dann bleibt halt weg, Inshallah.

    Es hat für uns nichts mit einer kulturellen Veranstaltung zu tun.

    Richtig, für mich und andere Hannovernaner auch nicht :-)

    Es geht dort nur um die Befriedigung alkoholischer Süchte.

    Das ist falsch wahrgenommen, viele Menschen dort trinken nur Wasser oder Limonade und hören sich Musik an.

    Auch wenn ich ein Wasser trinken könnte, so würden meine Kinder neben alkoholierten Menschen stehen und in ihrer Entwicklung beeinträchtigt werden.

    Wer wird beeinträchtigt, Sie, Ihre Kinder oder die alkoholisierten Menschen? Sollten Sie Ihre Kinder meinen, hilft die Erziehung zu freiem Denken und Kritikfähigkeit.

    Es ist ein Fest mit schlechten Beispielen für Kinder und für alle Hannoveraner.

    Auch schlechte Vorbilder können sehr lehrreich sein und haben eine Rolle zu spielen.

    Ich hoffe, dass unsere Sozialministerin Aygül Özkan
    sich für mehr Rücksicht und Integration engagiert.

    Das habe ich durch den Zensurversuch schon anders erlebt.

    Auch der Begriff Kulturritter, den die Bürgerinitiative aus Hannover nutzt, empfinden viele als provozierend. Warum der Begriff Ritter?

    Vielleicht weil sie gegen Windmühlenflügel kämpfen?

    Ist er an die Kreuzritter angelehnt?

    Wer weiss es schon...

    Wir brauchen dringend mehr Menschen mit interkultureller Kompetenz, um Minderheiten vor Ausgrenzung und Provokation zu schützen.

    Genau, vor allem auf der Seite der Migranten ;-)
  • Maschseefest 2011 Langenhagener – 03.08.10
    @Ömer Ü:

    Auf Wunsch eines einzelnen, eine Minderheit vertretenden Mannes (gehe jetzt mal davon aus, dass Ömer ein männlicher Vorname ist), wird auf dem Maschseefest 2011 kein Alkohol mehr, sondern lediglich nur noch schwarzer Tee ausgeschenkt. Dazu gibt es an allen Buden Döner Kebap und folkloristische Tanzgruppen aus Istanbul.
    So sind die Deutschen dann endlich alle integriert.

    Prost !
  • Durchschnitt bei 1,7 Promille Anton B. – 03.08.10
    Wenn das nicht Rekordverdächtig ist. Nur wie siehts denn mit den Rekordmessungen der Polizei aus. Hab noch keine Alkoholkontrollen gesehen.
  • saufen, saufen, saufen Lydia – 02.08.10
    Maschseefest = Müllfest = Saufest = Bauernfest (IQ??????)

    Ob das was mit Kultur zu tun hat? hahahaaaaaaaa
  • Weniger empfindlich, weniger angreifbar! Oke Bandixen – 02.08.10
    Lieber Ömer,
    auch ich betrachte das sogenannte Maschseefest keineswegs als kulturellen Glanzpunkt unserer Stadt - ganz im Gegenteil! Aber, man weiß doch eigentlich, was einen dort erwartet (und wer!): "Des kleinen Mannes Sonnenschein sind [...] und besoffen sein!" Andererseits besteht aber auch kein Besuchszwang. Das ist der Vorzug einer offenen Gesellschaft, die vielleicht zu vieles toleriert (und das mit 'Freiheit' verwechselt). Sie können tun, was Sie wollen, und sie können es ebenso gut sein lassen! Im Übrigen möchte ich Ihnen dringend empfehlen, weniger empfindlich zu sein. Nicht alle 'Ritter' (der Begriff meint den die Kriegführung des frühen Mittelalters bestimmenden berittenen [von 'Reiter'; frz. Chevalier] Soldaten; diese Waffengattung haben sich die Franken übrigens von den Arabern angeeignet!)waren 'Kreuzritter'. Und wann war eigentlich der letzte Kreuzzug? Haben die Türken danach nicht zweimal Wien belagert? Trinken Sie etwa trotzdem noch Kaffee? Das haben die türkischen Belagerer doch auch getan! Wollen Sie etwa unsere österreichischen Nachbarn provozieren?! Mit dieser Art von Historismus kommen wir vermutlich nicht weiter. Finden Sie sich damit ab: Sie gehören zu einer Minderheit von 2 bis 3 Millionen Menschen hier im Land. Es kann und wird sich folglich nicht alles um Sie und Ihre Landsleute drehen!
  • Migranten und Migrantinnen ausgeschlossen? Ömer Ü. – 02.08.10
    Für viele muslimische Hannoveraner ist das Maschseefest aus religiösen Gründen nicht besuchbar. Es hat für uns nichts mit einer kulturellen Veranstaltung zu tun. Es geht dort nur um die Befriedigung alkoholischer Süchte. Auch wenn ich ein Wasser trinken könnte, so würden meine Kinder neben alkoholierten Menschen stehen und in ihrer Entwicklung beeinträchtigt werden. Es ist ein Fest mit schlechten Beispielen für Kinder und für alle Hannoveraner. Ich hoffe, dass unsere Sozialministerin Aygül Özkan
    sich für mehr Rücksicht und Integration engagiert. Auch der Begriff Kulturritter, den die Bürgerinitiative aus Hannover nutzt, empfinden viele als provozierend. Warum der Begriff Ritter? Ist er an die Kreuzritter angelehnt? Wir brauchen dringend mehr Menschen mit interkultureller Kompetenz, um Minderheiten vor Ausgrenzung und Provokation zu schützen.
  • Mein ´Rundgang´ Maschseefest am Sa., 31.07.10 Mystix – 02.08.10
    Letzten Samstag am Nordufer:
    Ca. 1000 Menschen wollen am Nordufer von Westen nach Osten, ca. 1000 von Osten anch Westen und in der Mitte stehen 2000 und wollen der Band auf der Bühne zusehen. Rollstuhlfahrer in der Menge werden
    übersehen und fast umgeschmissen, Leute bekommen Atemnot und können sich nur mühsam an die Brüstung zum Maschsee retten, einigen geht es zu langsam und sie fahren die Ellenbogen raus, drücken, schubsen, schlagen und drängeln. Panik in den Augen der anderen, die ersten fangen an zu schreien, Kinder weinen. Keine Security zu sehen, den nächsten Polizisten sieht man dann 30 Min. später kurz vor der Löwenbastion. Eine Woche vorher, anderer Ort, andere Veranstaltung, 20 Tote - In Hannover haben die Veranstalter die Probleme der Loveparade mit gegeneinander laufenden Besucherströmen nicht mitbekommen. Man gut das diesmal nichts passiert ist. Ich für meinen Teil werde mit Sicherheit zumindest das Nordufer des Maschseefestes NIE WIEDER betreten, ich weiss jetzt was die Menschen im Duisburger Tunnel gefühlt haben müssen. Glatte 6 an die Veranstalter des Maschseefestes und die örtliche Polizei !!! Wenn ihr auch nur ein wenig verantwortungsbewusst seid, solltet ihr den Zustrom zum Nordufer einschränken und vor allem aufpassen, dass keine Zuschauer an den Laufwegen vor der an dieser Stelle unzumutbar platzierten Bühne
    stehen bleiben !
  • Saufen und andere Drogen Bürger B – 02.08.10
    Das Party-Individuum will das Erlebnis, das sich selbst belohnt, es führt ein Leben als Endverbraucher. Menschen in Städten zu einem gemeinsamen guten Leben zusammenzuhalten, ist eine Exklusivität, die es nicht mehr gibt. Dafür springen findige Event-Manager ein, die immer neue Ablenkungs-Drogen erfinden. Die Stadt-Politik und das Stadtmarketing und die Veranstaltungshasardeure einschließlich die Lokalredaktionen unterstützen diese Sucht-Konzepte. Da heißt es in unserer Party-Welt, bestellen und nicht verzweifeln. Und wenn sie nach dem Massenspektakel mit Budenzauber durch die Straßen vagabundieren, zugedröhnt, pissen sie grölend an Häuserwände und auf Spielplätze. Alles eine Geschmacksfrage, ganz richtig, solange man einen hat.

  • Eine stille Oase Andreas – 02.08.10
    Früher zog es mich beim Maschseefest schon einmal an die Maschseequelle. Gerade die jazzige Livemusik und die kultivierteren Gäste dort waren eine Oase in dem sonstigen von Pissbuden geschütztem Inferno, der im Artikel beschriebenen Völlerei. Komme Ende August wieder, wünsche, daß der Regen das Mahnmal der Russischen Kriegsgefangenen wieder reingewaschen hat und vielleicht kommt in der spätsommerlichen Idylle eine Fee und küsst mich aus diesem hetischen Alptraum wach.
  • Rundgang Hermes – 02.08.10
    Rundgang über das Maschseefest. Die angekündigte Band an der Maschseequelle fängt eine Stunde später an, so dass ich die andere Band am Nordufer sauber verpasse. Fahrräder abstellen am Westufer ist Glückssache, alles voll und kein Platz für 4 Räder, die Familie ist leicht ungehalten. Der junge Mann am Bierstand hat eine Kopfrechenschwäche und kommt ständig auf krude Beträge... Am Nordufer drägen sich die Menschen, Mädels mit waffenscheinpflichtigen Stilettos treten ständig allen auf die Füße, rücksichtsloses Pack. An der Leine stehen die Reihen fest geschlossen und pinkeln in die Leine und in die Gebüsche, es müffelt entsprechend, Betrunkene begrabbeln meine Tochter, auf die 12 und Schluß für heute, Fußgänger auf dem Radweg am Westufer erschweren den Heimweg - aber schön war es ;-)
    Wir feiern also woanders und nicht auf so einer Massensauffete.
  • eigentlichen Stars Bürger – 01.08.10
    Die eigentlichen Stars des Maschseefests sind für mich jedes Jahr wieder diese unglaublichen riesigen Karpfen, die sich am Nordufer tummeln und nach allem schnappen was auf der Wasseroberfläche treibt. Diese Tiere zu beobachten in ihrer puren Eleganz, die so manch ein Partygänger vermissen läßt ist der absolute Wahnsinn und schafft diesen Moment Ruhe, Freude und Erholung nach dem fast alle Gäste suchen! Wenn man sie entsprechend illuminieren und am Nordufer in Szene setzen würde, hätte das ein ähnliches Flair wie Sealife! Diese stummen Zeugen des Maschsees, die sich auch nicht zu Schade sind am Ende die Kotze der ach so überlegen Spezies bei Seite zu schaffen!
    ;))

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