Der neunjährige Leon steht am Ufer des Maschsees. Immer wieder greift er nach der Hand seiner Großmutter Welda Schlimmer und zieht die zierliche blonde Frau ganz dicht ans Wasser heran. Er zeigt auf kleine Fische, Pflanzen und Steine. Gleich soll es an der Kinder- und Jugendwiese losgehen mit der Kanufahrt auf Hannovers Haussee. Leon jedenfalls ist bereits startklar. Er hält in der einen Hand ein Paddel, in der anderen eine Schwimmweste. Dann endlich gibt Betreuer Sven das Kommando. „Alle Mann an Bord“, sagt er. Und flugs sitzt Leon mit seiner Oma im Kanu.
Die kostenlosen Angebote an der Kinder- und Jugendwiese am nördlichen Westufer, die vom städtischen Fachbereich Jugend und Familie organisiert werden, umfassen neben Kanu- und Floßfahrten jede Menge mehr. Einige Kinder liefern sich auf einem umzäunten Fußballfeld ein spannendes Spiel. Am meisten Andrang herrscht jedoch beim Kletterberg. Dort sichert Erlebnispädagoge Marco Leitschuh die Kinder mit Seilen ab. „Du bist ein wahres Naturtalent“, sagt er zu einem kleinen Jungen. Und auch andernorts sind immer wieder aufmunternde Worte zu hören. Am „Seil-Carré“ etwa, auf dem Kinder Balancieren können, hört man eine junge Betreuerin sagen: „Du bist sicher die Sportlichste in der Klasse. Du machst Tarzan ja Konkurrenz.“ Und auf dem Gesicht des dunkelhaarigen Mädchens zeichnet sich ein breites Lächeln ab.
Man merkt schnell, dass hier erfahrene Pädagogen am Werk sind. Regulär arbeiten die rund 50 städtischen Mitarbeiter, die beim Maschseefest abwechselnd im Einsatz sind, in Jugendzentren und Spielparks. Viele von ihnen sind in sozialen Brennpunkten tätig. „Wir wollen hier nicht einfach eine Hüpfburg aufstellen und die Kinder dann sich selbst überlassen“, sagt Organisator Stephan Wienhold. „Wir beschäftigen uns aktiv mit jedem einzelnen Kind.“ Doch das heißt nicht, dass Eltern ihre Kinder an der Wiese einfach abgeben können, um dann ihrerseits die Angebote rund um den See zu nutzen. „Die Eltern sollen sehen, was ihre Kinder alles können, wenn man sie nur lässt“, sagt Wienhold.
Großmutter Welda Schlimmer jedenfalls ist nach der Kanufahrt stolz auf ihren Enkelsohn. „Das hat er wirklich klasse gemacht“, sagt sie.
Kleine Piraten auf großer Fahrt
Noch zögert Max ein wenig. Schüchtern lugt er mit seinen blauen Augen unter dem Piratentuch hervor, klammert sich an sein großes Fernrohr. Max ist vier Jahre alt, und seit gestern echter Maschseepirat. Gemeinsam mit rund 50 großen und kleinen Seemännern ist er beim Maschseefest mit der „Üstralala“ in See gestochen. Mit an Bord: Käpt’n Zoff, Schiffsjunge Mathjes, der blinde Passagier Clown Fidolo sowie jede Menge Liedgut und Seemannsgarn. „Leinen los, Anker hoch, Segel setzen, wir fahr’n los“ – stilecht mit lautem Gesang und guter Laune legte die „Üstralala“ pünktlich um 14 Uhr vom Anleger Stadion am Nordufer ab. Dienstags und donnerstags sticht das Piratenboot dort jeweils um 14, 15 und 16 Uhr in See.
„Interaktives Seetheater“ nennt es der Hannover Tourismus Service, der die illustren Fahrten organisiert – „riesiger Piratenspaß“ ist es hingegen für die Kinder. An Bord wird gesungen und geklatscht, getanzt und gelacht. Von Piratenschule bis Seemannstaufe – die 50-minütige Rundfahrt über den Maschsee vergeht wie im Flug. „
Hej ho, hej hej ho – wir sind Maschseepiraten“, schallte es von dem mit bunten Fähnchen und großen Holzfischen geschmückten Boot bis ans Ufer. Und „Pipapo sowieso“ sangen die kleinen Piraten textsicher mit. „Wir hören die Lieder der Maschseepiraten immer auf CD“, erklärte Hannah Scharf. Die Fünfjährige wich Käpt’n Zoff während der ganzen Fahrt nicht von der Seite. „Es war so lustig“, freute sie sich im Anschluss, und ihre Mutter sagte: „Das war sicher nicht das letzte Mal.“
Eine „Üstralala“-Fahrt kostet 3 Euro für Kinder, Erwachsene zahlen 6 Euro.
Das Kinderprogramm
Das erste Maschseefestwochenende beginnt heute mit einem besonders opulenten Programm an der Kinder- und Jugendwiese: Bildhauer André Woormann formt zwischen 16 und 18 Uhr aus großen Sandsteinen Karpfen. In einem Experimentierlabor können kleine Forscher dem Geheimnis von Magneten und Murmeln nachspüren. Außerdem gibt es einen Luftballonweitflugwettbewerb, Kinderschminken und Bastelgruppen.Um 16 Uhr geht es an der „Jugend rockt“-Bühne mit der Figurentheatergruppe „Die roten Finger“ los. Und natürlich gibt es am Westufer auch das reguläre Programm mit Kletterberg, Melkkuh, Kanu- und Floßfahren sowie dem Seil-Carré.
Auch an der Maschseequelle wird ab 14 Uhr einiges angeboten. Dort können Kinder auf einer Hüpfburg oder in einem Spieltunnel toben, an Maltischen kreativ werden, Stelzen laufen, mit Mini-Autos um die Wette fahren, sich schminken lassen oder beim Puppentheater zuschauen. Außerdem laden Maschseepiraten die kleinen Festbesucher zu einer Schatzsuche ein.
Stefanie Nickel und Janine Kluge
HAZ.de Anmeldung
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