20.30 Uhr: Reimanns Fische, Nordufer. Ekkehard Reimann verkauft seine Fische hier nicht nur während des Maschseefestes – die Palette ist für die dreieinhalb Partywochen aber deutlich umfangreicher, wie ein kundiger Mittester weiß. Wir beschließen, mit einer Fischsuppe (5,90 Euro) sowie Zitronennudeln mit Scampi (8,90 Euro) zu starten. Die Suppe ist allerdings schon ausverkauft, sodass wir auf Lachstatar mit Kartoffel-Rucola-Salat (7,90 Euro) umschwenken. Statt Essen bekommen wir aber erst einmal ein handygroßes Gerät, das uns durch Vibrationen benachrichtigen wird, wenn unsere Speisen fertig zum Abholen sind. Zeit genug, sich einen freien Tisch zu suchen, den wir erstaunlicherweise auch finden. Kurz darauf ist Essensalarm, und dann sitzen wir zufrieden vor einer großzügigen Portion Bandnudeln mit reichlich Scampi und asiatisch inspiriertem Gemüse. Dieses pikant gewürzte Gericht gefällt uns ebenso gut wie das Lachstatar: sehr frisch wirkender Fisch kombiniert mit fein säuerlichem Kartoffelsalat, Rucolablättern und reichlich Dillsenfsoße. Die sinkende Abendsonne taucht den See in rosiges Licht, und wären da nicht die lärmenden Massen vor der ffn-Bühne, man wähnte sich glatt im Urlaub am Meer.
21.30 Uhr, Clichy am Geibeltreff: Geschafft, wir haben uns durch das Nordufer-Gedränge bis zum Geibeltreff durchgekämpft. Hier ist das Publikum im Schnitt ein Jährchen älter, trägt den Pullover um die Schultern und nicht zu wenig Schmuck. Zum Clichy-Bereich gehören zahlreiche Steh- und Sitzplätze, das Areal ist noch einmal deutlich gewachsen. Wir unternehmen den zweiten Versuch in Richtung Fischsuppe und haben Erfolg: Für 5 Euro bekommen wir eine gute Portion sämige Suppe mit reichlich Einlage von Fischfilet und Scampi. Auch eine Brotscheibe mit Rouille, der scharfen Knoblauchpaste, fehlt nicht. Das Mittelmeer lässt grüßen – wer am Maschsee mediterranes Flair sucht, ist hier richtig.
22 Uhr, Gosch am Geibeltreff: Gleich neben dem Reimann-Imperium hat ein weiterer Maschseefest-Platzhirsch seine Zelte aufgeschlagen. Der Sylter Fischgastronom Gosch, der Ende September sein neues Restaurant an der Markthalle eröffnen will, bietet in gewohnter Manier diverse Spezereien mit allem, was Flossen hat. An der langen Theke herrscht Hochbetrieb, im Sitzbereich Richtung See ebenfalls. Die Bierzeltgarnituren früherer Jahre sind runden Holztischen mit Klappstühlen gewichen, was geselligen Runden entgegenkommt. Der Vorteil des Rollrasens am Boden erschließt sich uns dagegen nicht so richtig – an kühleren Abenden wird’s schnell klamm von unten, und im Dunkeln sieht man sowieso kaum, worauf man steht. Eine weitere Neuheit ist die Chipsmaschine: Aus rohen Kartoffeln schneidet sie hauchdünne breite Streifen, die dann frittiert und als Beilage gereicht werden. Sieht nett aus und ist eine knusprige Alternative zu Pommes frites, wie wir beim Verzehr unserer Seemannsbratwurst samt Chips und Salat (6 Euro) feststellen. Die Portion ist üppig, auf einem Berg Salat und Chips liegen zwei dünne Würstchen, die definitiv nicht nach Fisch schmecken. Unsere Nachfrage am Tresen ergibt aber, dass kein Fitzelchen Fleisch drin ist. Mag sein – aber als maritimer Snack taugen sie unserer Meinung nach doch eher bedingt. Nächstes Mal gibt’s dann doch wieder Kartoffel mit Lachstatar oder einen der anderen Gosch-Klassiker.
23.50 Uhr, Löwenbastion: Letzte Station unserer fleischlosen Schnitzeljagd. Hier unten, kurz vorm Südufer, beherrscht das Spago gastronomisch die Szene. Die Reihen der Besucher haben sich schon merklich gelichtet, und es ist empfindlich kühl geworden. Rauchschwaden an der Fischtheke lassen aber hoffen, dass die Küche noch geöffnet ist. Und tatsächlich: Ohne Zögern nimmt der nette junge Mann hinterm Grill unsere Bestellung auf, eine Fischplatte für zwei (24,50 Euro). Erst später sehen wir auf die Uhr und stellen fest, dass es schon fast Mitternacht ist. Das gibt schon mal Pluspunkte für den kundenfreundlichen Service. Wir setzen uns an einen Tisch zu Füßen der Bastion-Mauer und kämpfen dann zu viert die Fischplatte nieder. Bis auf etwas trocken geratene Schwertfischfilets ist alles einwandfrei: der Butterfisch zart-saftig, das Lachsfilet würzig und die Scampi-Spieße knackig. Dazu gibt es einen Riesenklecks Aioli und zwei Folienkartoffeln mit Sour Cream und Schnittlauch. Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis, finden wir – und wie schön muss es erst sein, wenn statt des kalten Nachtwindes ein laues Lüftchen über den See weht …
0.45 Uhr, Rudolf-von-Bennigsen-Ufer: Unser schöner Plan, uns vom Üstra-Boot zurück ans Nordufer schippern zu lassen, ist dahin – wir haben die letzte Abfahrt verpasst. Also geben wir der Dekadenz des Abends den letzten Schliff und steigen in zwei Fahrradrikschas. Vorbei an grölenden Cliquen und der einen oder anderen Schnapsleiche geht es gemächlich gen Norden. Geschickt kurvt unser drahtiger Fahrer durch Absperrungen und an diversen Hindernissen vorbei. Und dann sind wir auch schon am Nordufer angekommen. Hier, auf der Ballermann-Meile des Festes, ist der Ton inzwischen etwas rauer geworden, aber die Musik spielt noch. Wir bezahlen unseren Chauffeur, schlagen dann einen weiten Bogen um die torkelnde Festgemeinde – und freuen uns, dass am See partywütige Teenies ebenso ihren Platz finden wie stille Genießer.
Stefanie Gollasch und Thorsten Fuchs
HAZ.de Anmeldung
29
Kommentare
Fisch? Lanze – 05.08.10
@LeckermaulDann hoffe ich allerdings, dass sie sich dort nicht auch mit Backfisch begnügen. Gosch in List hat mit diesem "Gourmet-fast-food" dieser Goschstände - ob Maschsee oder auf Bahnhöfen - zum Glück wenig Gemeinsamkeiten.
Das soll nicht bedeuten, dass da alles schlecht ist. Es erfüllt durchaus den Zweck, bedeutet nur kaum "echtes Fischessen".
Gosch Leckermaul – 03.08.10
Gestern haben wir auch den Gosch Stand Besucht und uns Backfisch mit Kartoffelsalat bestellt. Der Backfisch war gewohnt überstark paniert, aber das kennt man so. Allerdings war der Garpunkt wohl doch schon seit mindestens 30Minuten überschritten. Zudem hat kurz vor uns eine Dame versehentlich den Besteckkorb umgestoßen, so dass er auf der Kochplatte und dem Backfisch gelandet war. Einer der beschädigten Backfische, es war der letzte Vorrätige auf der Platte, landete auf einem unserer Teller.Beide Ereignisse in Summe tragen dafür Sorge, dass wir nur noch in List (Sylt) zu Gosch gehen, da dort der Chef selbst kontrolliert und nicht die Aushilfen eines Lizenznehmers.
Wer Fisch essen will, sollte einen der anderen Tipps des Artikels aufsuchen. So haben wir nebenan am Stand des Reimanns Imperiums dann noch eine echte Portion Fisch gegessen.
Fische der Commander – 03.08.10
Nur so nebenbei: Scampi (aus Kostengründen meistens nur Riesengarnelen) gehören zu den Krebstieren (Crustacea) und haben, bis auf den Lebensraum Wasser, nichts mit Fischen zu tun. Und an die Vegetarier: Seegurken sind kein Gemüse, sondern Tiere und, weil zu den Deuterostomia gehörend, mit dem Menschen mehr verwandt als unser WM-Krake Paul! Oh, wie ich eben höre, ist gerade der Bus mit den Leuten angekommen, die es interessiert!