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Maschseefest Hannover Was findet ein Berliner an Hannover?
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    02:15 11.08.2016
    Rot-grüne Getränkekoalition: Heidi Gersheimer (li.) und Claudia Frise trinken Berliner Weiße. Quelle: Kutter
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    Hannover

    Was findet ein Berliner an Hannover? „Es ist eine schöne Stadt“, sagt Roland Albrecht gekonnt diplomatisch. Er verkauft während des Maschseefests originale Berliner Currywurst mit hausgemachter Soße und Pommes mit Trüffeln – wie man sie in Berlin eben isst. Nicht, dass Hannover wirklich auf die Happen aus der Hauptstadt gewartet hätte. Aber offenbar wartet die Hauptstadt auf Hannoveraner. 

    „Wir haben uns publikumswirksame Feste ausgesucht, um dort ein Stück Berlin hinzubringen“, sagt visitBerlin-Sprecher Christian Tänzler. Doch warum? Mangel an Touristen seien nicht der Grund, sagt der Wahlberliner. „Ganz im Gegenteil. Das heißt aber nicht, dass man die Hände in den Schoß legen kann.“ Etwa 52 Prozent aller Berlin-Touristen kämen aus Deutschland. Um diese Zahl halten zu können, besuche visitBerlin in diesem Jahr auch Hamburg, Frankfurt und München. Besonders wichtig sei jedoch der Norddeutsche Raum, erklärt Tänzler – und damit auch die Landeshauptstadt Niedersachsens. „Berlin und Hannover haben eine gute Verbindung, egal ob mit dem Zug, Auto oder Fernbus.“

    Frage an den Werber, der es wissen muss: Kann Hannover mit Berlin mithalten? „Es gibt hier sehr schön restaurierte Altbausubstanz“, sagt der 63-jährige Gastronom Roland Albrecht. Besonders die Südstadt sei wunderbar. „Wir holen auch unsere Schrippen von einem Bäcker hier“, berichtet er. Gewundert habe er sich, warum man den Maschsee als einen See bezeichne. „Das ist ja eher ein größerer Teich“, sagt er lachend.

    So klein der Maschsee für einen Berliner auch wirken mag, so groß(artig) findet er den Trubel am Ufer während des Maschseefests. „In Berlin gibt es nichts Vergleichbares“, lautet sein Urteil über die Party am See. Sowieso sei Hannover beim Feiern gut aufgestellt. „Mich hat gewundert, was hier jeden Tag los ist“, betont Albrecht, der täglich die Geschehnisse in der lokalen Zeitung verfolgt. „Ich meine, in Berlin ist auch jeden Tag was los“, fügt er hinzu, „aber das hat mich schon erstaunt.“

    Wirklich viel sehen Albrecht und seine Frau Heidrun von der Stadt aber nicht. Die meiste Zeit müssen sie in ihrem Verkaufsstand verbringen und genießen dabei – wenn auch gezwungenermaßen – die schöne Aussicht auf den Maschsee. Sie hatten sich ein bisschen mehr Laufkundschaft erhofft, als bisher an ihrem Stand vorbeigekommen ist. Grund dafür ist zum einen die Lage, denn zwischen Pier 51 und Löwenbastion ist weniger los als rund um das Nordufer. Zum anderen spielt das Wetter bisher nicht wirklich mit. Dafür habe man sich bereits mit den Bewohnern des Sees angefreundet. „Die Enten kennen wir schon alle“, scherzt Albrecht.

    Neben den kulinarischen Spezialitäten bei den Albrechts bieten die Berliner im Stand gleich nebenan einen virtuellen Kurztripp in die Bundeshauptstadt. Hier können Besucher mit speziellen Brillen 18 Orte in Berlin anschauen. Die zugehörigen Bilder sind mit einer 360-Grad-Kamera aufgenommen. Durch die Brille kann sich der Betrachter in alle Richtungen umgucken – als wäre er selbst vor Ort. Nur Fortbewegen kann man sich nicht. Zu sehen sind unter anderem das Brandenburger Tor, der Alexanderplatz und der Mauerpark. „Es sind auch viele Orte dabei, die kennt nicht einmal ein Ur-Berliner“, sagt Dennis Prietzschk, der diese Station betreut. So zeigt ein Bild die Szene-Bar Klunkerkranich mit einem bemerkenswerten Ausblick über die Dächer der Hauptstadt. „Das ist ja ein echtes Erlebnis“, sagt eine Besucherin, die eine solche Brille trägt. „Da treffe ich noch alte Bekannte wieder.“

    Nils Oehlschläger

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