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Schützenfest Hannover 2013: Gute Nacht, Freunde!
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    22:08 01.07.2014
    Bei den Feiernden und den Thekenkräften herrscht bis zum Schluss fröhliche Stimmung - die Party am Promi-Dienstag im Alt-H. Quelle: Uwe Dillenberg
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    Hannover

    Deutlicher geht es kaum: Während sich der Himmel über dem Schützenplatz langsam blau färbt, legt Diskjockey Arne Donak im Festzelt Alt-Hanovera den Schlager „Guten Morgen Sonnenschein“ von Nana Mouskouri auf. Will heißen: Die Party ist eigentlich beendet. Doch das Häuflein hartnäckiger Gäste mag noch nicht nach Hause gehen. Fröhlich tanzen zwei Paare auf dem klebrigen Holzboden Diskofox, während um sie herum schon der Müll zusammengefegt wird.

    Die Promi-Nacht im „Alt-H“ (so nennen es Stammgäste) hat auf dem Schützenfest den Kultstatus erreicht. Nennenswerte Promis feiern zwar schon seit Jahren nicht mehr mit, trotzdem ist es zur Tradition geworden, sich in der Nacht zu Mittwoch zum Sehen und Gesehenwerden im Festzelt der Herrenhäuser Brauerei zu treffen.

    Keine Stunde ist es her, da schoben sich die Gäste noch durch das proppenvolle Zelt und tanzten ausgelassen zu Radiohits wie Cro’s „Easy“ und „Applaus, Applaus“ von den Sportfreunden Stiller, die aus den Boxen dröhnten. 1500 Gäste passen ins Zelt. Doch es herrscht reges Kommen und Gehen. Deshalb schätzt „Alt-H“-Wirt Jörg Politze, dass insgesamt 6000 Besucher in dieser Nacht im Zelt gewesen sind.

    Ein Grund für den Erfolg der Fete ist sicher die entspannte Stimmung, die bis in die Morgenstunden anhält. Obwohl Alkohol der Treibstoff ist. „Wir haben hier eigentlich nie Probleme mit aggressiven Gästen“, sagt Sicherheitschef Holger Kossack. 16 Ordner hat er zur Kernzeit im ganzen Zelt verteilt – ihr Eingreifen ist so gut wie nie nötig. „Diese Nacht ist besonders ruhig“.

    Klaglos akzeptieren die Gäste gegen fünf Uhr, dass es kein Bier mehr gibt. Und als der Diskjockey nach dem traditionellen Abschiedslied „Gute Nacht, Freunde“ von Reinhard Mey endgültig die Musik abdreht, wird kein Protest laut. Stattdessen haken sich die letzten Feiernden unter und schwanken fröhlich aus dem Zelt auf die wartenden Taxen zu.

    Zuvor haben sie ausgelassen auf Tischen und Bänken getanzt. Das Holz hat sich unter ihren Füßen gebogen. Aber das Festzeltmobiliar ist stabil. Nur zwei Tische sind zusammengebrochen. Verletzt hat sich niemand. Die Tanzenden haben sich mit einem Sprung rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Zeltchef Politze sieht den Schaden gelassen: „Sieben bis acht Gäste müssen da schon drauf hopsen können. Das gehört zur guten Stimmung dazu.“

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    Auch am Dienstag besuchten wieder zahlreiche Menschen den Schützenplatz. Im Festzelt Marris wurde derweil kräftig mit der Prominenz gefeiert.

    Ebenso wie die Gläser, die dabei zu Bruch gehen. 60 Hektoliter Bier, das sind mehr als 12 000 Halblitergläser, schenkten die Zapfer die Nacht über aus, dazu gingen rund 10 000 Lüttje Lagen über den Tresen. Die Promi-Nacht ist zweifelsohne die umsatzstärkste Schützenfestparty im „Alt-H“. Plastikbecher kommen Politze aber nicht ins Zelt. Eine ordentliche Brauerei müsse das Bier in richtigen Gläsern ausschenken, findet er. Das hat Folgen. Bei jedem Schritt durch die Tischreihen knirschen Scherben unter den Schuhen. Doch im Vergleich zu früheren Promi-Nächten sieht der Boden dieses Mal noch passabel aus.

    Es gibt nur kleine Bierlachen, in denen Pappdeckel und anderer Müll schwimmen. „Die Abräumer haben dieses Jahr einen sehr guten Job gemacht“, sagt Politze. Und der eine Euro Pfand auf das Lüttje-Lage-Set leistet ein Übriges. „Das Zelt sah schon viel schlimmer aus“, kommentiert auch Markus Hupka, während er die letzten Gläser spült. „Letztes Mal sind allein 1200 Lüttje-Lage-Gläser zerbrochen. Zeitweise hatten wir keine mehr zum Nachfüllen.“ Er ist im fünften Jahr bei der Partynacht am Tresen dabei. „Beim ersten Mal war ich heillos überfordert“, sagt der Student. Grinsend sieht er zu, wie sich zwei Kollegen mit ihren Altglaskisten ein Wettrennen quer über die Terrasse liefern. Mittlerweile bringt Hupka diese Fete sogar den meisten Spaß. „Sie ist zwar stressig, aber dafür wird sie auch nicht langweilig.“

    Fast scheint es, als hätten es nach den Gästen auch die Kellner nicht eilig, nach Hause zu kommen. In Gruppen stehen sie zusammen, rauchen die von Reinhard Mey erwähnte letzte Zigarette oder fotografieren mit der Handykamera den Regenbogen, der sich über den Morgenhimmel spannt. Drinnen fegt derweil Denise Homeyer den Müll zusammen, damit ihr Kollege den Boden mit dem Wasserschlauch abspritzen kann. „Gute drei Stunden brauchen wir schon, bis das Zelt wieder sauber ist“, sagt sie. Hupka hat indessen seine Schürze abgebunden und sich die Tasche umgehängt. Er hebt die Hand zum Gruß: „Bis in acht Stunden dann.“ Aus dem Zelt folgt ihm die Stimme des Diskjockeys, der ein letztes Mal ins Mikro grölt: „Alles ganz egal, ist ja nur einmal im Jahr!“

    Isabel Christian

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