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Heißer Umzug mit guter Laune – und viel Wasser

Schützenausmarsch Heißer Umzug mit guter Laune – und viel Wasser

Seit 486 Jahren zieht der große Schützenumzug durch die Stadt – und am Sonntag dürfte er einer der heißesten in der Geschichte des Fests gewesen sein. Viele Abteilungen hatten die grünen Jacketts zu Hause gelassen und marschierten in weißen Hemden – so wie es Schützenpräsident Paul-Eric Stolle empfohlen hatte. Denn der Umzug fiel auf einen der heißesten Tage des Jahres.

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Fröhliche Runde: Am Ballhofplatz prostet – wie jedes Jahr – ein homosexueller Freundeskreis dem Festumzug zu.

Hannover. Als sich der rund zwölf Kilometer lange Zug um zehn Uhr vor dem Neuen Rathaus in Bewegung setzt, scheint die Sonne aus einem blauen Himmel – doch gegen Mittag schiebt Petrus gnädig ein paar Wolken davor. Gegen 13 Uhr – die Nachhut des rund drei Kilometer langen Trosses marschiert gerade los – kommt sogar kurz Wind auf, und die Teilnehmer blickten zum Himmel: Zieht gar ein Gewitter auf? Das Wetter hält bis zum Abend. Von ein paar vereinzelten Tropfen lassen sich die rund 12.000 Teilnehmer den Spaß nicht verderben.

Der Sonntag, 5. Juli 2015, stand in Hannover ganz im Zeichen des Schützenausmarsches. Hier sehen Sie die besten Bilder.

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Marscherleichterung haben sich auch Ministerpräsident Stephan Weil und Regionspräsident Hauke Jagau verordnet: In weißen Hemden jubeln sie auf der Ehrentribüne dem Zug zu, während Oberbürgermeister Stefan Schostok die Anzugjacke nicht ablegt. Vielleicht hat er auch einfach nicht mehr die Kraft, die schwere goldene Amtskette anzuheben, die auf dem Jackett liegt. „Wir haben hier Karneval in Rio“, ruft Schostok. „Von der Stimmung und von der Hitze her.“

Die Veranstalter sind auf die Temperaturen vorbereitet: 10.000 Becher Wasser geben sie an die Teilnehmer des Umzugs aus. An den Versorgungspunkten bilden sich Becherteppiche auf den Straßen – der hintere Teil des Zuges marschiert knirschend darüber hinweg. 89  Menschen müssen auf der Strecke versorgt werden, acht kommen ins Krankenhaus, zwei werden vom Notarzt weggebracht. „Angesichts des Wetters und der hohen Besucherzahl ist das ein ganz normaler Einsatz für uns“, sagt DRK-Einsatzleiter Benjamin Schiller.

Nach einem anstrengenden Marsch treffen die Schützen auf dem Schützenplatz ein und werden dort begeistert von anderen Schützen empfangen.

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Auch Teilnehmer und Besucher haben vorgesorgt: Viele Abteilungen ziehen Bollerwagen mit Wasser, am Streckenrand gehören neben Campingstühlen auch Kühltaschen zur Grundausstattung vieler Zuschauergruppen. Andreas Rhein und seine Freunde haben sich etwas raffiniertes gegen die Hitze ausgedacht. Mit Wasser aus einer Sprühflasche versuchen sie, die Haut kühl zu halten. „Gerade wenn es verdunstet, ist es angenehm“, sagt der Hotelangestellte aus Hannover.

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Für prominente Politikerinnen ist der Schützenausmarsch eine willkommene Bühne: Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen marschierte mit dem Schützenverein Döhren, Doris Schröder-Köpf mit dem SSC Mittelfeld. Wann bekommt man sonst die Gelegenheit, 200.000 Menschen so volksnah zu begegnen? Am Streckenrand verteilen Stände der Parteien Rosen an die Teilnehmer. „Schützenfest kennt keine Parteigrenzen“, sagt Ulrich Janke von der CDU. Deshalb bekommen „alle!“ von ihm und seinen Mitarbeitern eine Rose. Auch Sozialdemokraten und Grüne. ­„Sogar Herr Weil bekommt eine“, sagt Janke.

Einen seiner Höhepunkte erreicht der Zug am Ballhof. Der NDR nutzt die idyllische Kulisse für seine Live-Übertragung. Gegenüber dem Historischen Museum steht wie jedes Jahr ein großer homosexueller Freundeskreis. „Wir sind die schwule Ecke“, ruft die Gruppe und präsentiert stolz eine Phalanx aus zwei Dutzend leer getrunkenen Schaumweinflaschen.

Beim großen Schützenausmarsch trotzen die Zuschauer der Hitze und feiern kräftig mit

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Tabu ist Alkohol dagegen für Manuela Tuschinsky. Die 24-Jährige ist vor Jahren zum Islam konvertiert und marschiert mit Kopftuch bei der SG Groß-Buchholz mit. „Ein tolles Gemeinschaftserlebnis“, schwärmt sie nach dem Schützenumzug. In ihrem Verein ist man mächtig stolz auf sie, wie Vorsitzender Wolf-Dieter Kaune sagt. „Das zeigt doch: Unser Schützenfest ist für alle da.“

Rüdiger Meise, Sabine Gurol und Sabrina Mazzola

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