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Schützenfest Hannover So sieht es in einem echten Schützenhaushalt aus
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13:28 04.07.2016
Von Uwe Janssen
Tradition Schützenverein: Karl-Heinz und Maximilian Bode-Meyer vor ihrem Haus in Velber. Quelle: Katrin Kutter/M
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Hannover

Vater Karl-Heinz hat die Teller an die Außenwand neben die weiße Eingangstür gehängt. Nicht nur, weil das größte Schützenfest der Welt vor der Tür steht, zeitlich und räumlich. Nein, es gibt noch einen anderen Grund: Denn Karl-Heinz, seit 48 Jahren Schütze, ist stolz. Der Star der Familie ist in diesem Jahr Sohn Maximilian. Denn der wird Bruchmeister. Vor einigen Wochen hat Oberbürgermeister Stefan Schostok ihn und seine drei Kollegen dem Schützenrat vorgestellt, und nun geht es los. „Die Aufregung hat sich schon ein bisschen gelegt“, sagt der 26-jährige Land- und Baumaschinentechniker Maximilian, aber natürlich steige die nun wieder. Einkleiden, Umzug ins Mercure Hotel an der Willy-Brandt-Allee, wo die Bruchmeister während des zehntägigen Fests wohnen, Ernennung im Rathaus „und dann: Termine, Termine“.

Wer vorm Haus von Familie Bode-Meyer im Seelzer Ortsteil Velber steht, weiß sofort: Hier wohnen Schützen. Vater Karl-Heinz hat die Teller an die Außenwand neben die weiße Eingangstür gehängt. Nicht nur, weil das größte Schützenfest der Welt vor der Tür steht. Ein Besuch in einem Schützenhaushalt.

Trotz seines für das Schützenwesen zarten Alters ist Maximilian Bode-Meyer schon seit 20 Jahren dabei, wie sein Vater und bis vor Kurzem auch die Schwester in der „Uniformierten Schützengesellschaft Ahlem von 1895“. Die Familie ist zwar mittlerweile ins benachbarte Velber gezogen, die Kinder sind aus dem Haus, das Schützenleben spielt sich aber immer noch in Ahlem ab. Kürzlich war dort Schützenfest, „aber nicht mehr so groß“, sagt Vater Karl-Heinz, „man kriegt heute kaum noch ein Zelt voll“. Früher seien alle Könige zum Schützenfest abgeholt worden, heute gehe das ruhiger zu. „Sind ja auch viele Ältere dabei.“

Das Prunkstück ist die Jacke

Der Blick richtet sich seitdem auf das städtische Schützenfest, da wollen die Ahlemer auch im Doublierschritt mitmarschieren, und damit „man da nicht wie die Papageien hinkommt“, gibt es genug zu tun. Hemden bügeln, Schuhe wienern, die Feder am Hut muss sitzen. Da kommt auch Mutter Heike ins Spiel, die Einzige in der Familie, die keine Schützin ist, „sondern nur Fan“, und die kräftig mit anpackt, wenn die heiße Phase ansteht. Prunkstück: die Jacke. Nicht nur der Textilie wegen. Auch die des Sohnes hat schon reichlich Nadeln am Revers. Aber die Jacke von Karl-Heinz ist nach 48 Jahren ein echtes Schwergewicht - und sie ist mehr oder weniger voll. Wie der Schrank mit den Pokalen im Wohnzimmer. Karl-Heinz Bode-Meyer mag schon aus Platzgründen die kleinen Pokale lieber, denn im Laufe eines Schützenlebens kommt schon was zusammen. „Zweimal, nein“, - er muss kurz nachdenken, „dreimal war ich Schützenkönig.“

Bruchmeister wie der Sohn nun war der Betonfacharbeiter nie. „Zu viel Andrang damals, und ich hatte auch nicht den Wunsch. Obwohl - sieht schon fesch aus.“ Drei Bruchmeister haben die Ahlemer bislang gestellt, Maximilian ist der vierte. Warum Bruchmeister? „Es hat mich einfach interessiert.“ Zudem hätten Leute im Verein ihm Mut gemacht, sich zu bewerben. Dafür musste er nicht nur die Grundkriterien „ledig, unbescholten, von gutem Leumund und Charakter“ erfüllen, sondern auch einen Wissenstest bestehen. Zur Stadthistorie, zur Schützenhistorie, zur Schießordnung. Das hat auch nicht jeder Schütze einfach so drauf. „Wikipedia hat mir sehr geholfen.“ Die Eltern wussten nichts von dem Plan: „Ich habe das ein bisschen heimlich gemacht. Falls ich durch die Prüfung gefallen wäre, hätte ich es keinem erzählt.“

Für die Schützenfestzeit hat er natürlich Urlaub genommen. Die Tradition sagt, dass Bruchmeister auf dem Schützenfest nach dem Rechten sehen sollen. Doch „dafür gibt’s ja Türsteher“, sagt Vater Karl-Heinz, und dazu hat ein moderner Bruchmeister auch gar keine Zeit. Damit er wenigstens immer fesch aussieht, gibt es für Maximilian das schwarzweiße Bruchmeister-Outfit dreimal, die Hemden können im Hotel gebügelt werden, und zur Not steht bei Maximilian auch Mutter mit Waschmaschine und Bügeleisen bereit. Wenn es sein muss, erledigt sie auch den familiären Fahrdienst, falls einer der Herren beim Fest dazu nicht mehr in der Lage sein sollte.

Nein, eine Schützin habe sie nie werden wollen, sagt sie. Aber wenn ihr Sohn Bruchmeister wird, ist sie natürlich dabei: „Stolz bin ich ja schon.“

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