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Die Tricks der Diebe

Der Taschendiebstahl Die Tricks der Diebe

Anrempeln, drängeln, bekleckern: Die Täter sind erfinderisch, um an das Geld ihrer Opfer zu gelangen.

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Leichte Beute: Die Handtasche ist offen, der Dieb muss nur hineingreifen, um an den Geldbeutel zu gelangen. Das LKA rät zu Vorsichtsmaßnahmen.

Quelle: dpa

Jedes Jahr im Sommer hat der Taschendiebstahl wieder Konjunktur. Wenn die Portemonnaies nicht mehr in tiefen Jackeninnentaschen verschwinden, sondern für Diebe vergleichsweise einfach aus Gesäßtaschen zu entwenden sind. Und wenn die Menschen wieder verstärkt das schöne Wetter für einen Innenstadtbummel nutzen.

6407 Fälle von Taschendiebstahl registrierte die Polizei im Jahr 2010 in Niedersachsen, rund 700 mehr als im Vorjahr. Allerdings haben sich die Zahlen in den vergangenen drei Jahren auf einem Niveau eingependelt, das um rund 1000 Fälle unter dem der Jahre 2003 bis 2005 liegt. Dabei ist in nahezu allen Fällen nicht nur ein einziger Täter für den Diebstahl verantwortlich. „Zumeist gehen Taschendiebe in Teams von mehreren Tätern arbeitsteilig vor“, sagt Rainer Baum vom Landeskriminalamt Niedersachsen (LKA). „Dabei nutzen sie Tricks oder schlagen nach einem selbst verursachten Gedränge zu.“ Opfer der Taten seien in den meisten Fällen Frauen.

Den bisher bekannten Tricks der Taschendiebe haben die Fahnder des LKA Namen gegeben und sie klassifiziert – allerdings entstünden aufseiten der Diebe ständig neue Strategien, sagt Baum. Einige davon haben sogar Namen:

Der Rempeltrick: Ein Täter rempelt im Gedränge das ausgeguckte Opfer an oder lässt das Opfer gezielt auflaufen, indem er etwa zu stolpern vorgibt. Während das Opfer abgelenkt ist, greift ein Komplize in die Tasche.

Der Drängeltrick: In einem vollen Bus oder einer Bahn rückt der Dieb unangenehm dicht an das Opfer heran. Das handelt folgerichtig und wendet dem Nebenmann den Rücken zu – und bietet ihm damit unwillkürlich die Tasche griffbereit dar.

Der Stadtplantrick: Fremde fragen etwa eine Passantin nach dem Weg. Entweder halten sie ihr einen großformatigen Stadtplan vor die Nase, oder sie bitten das Opfer, zum Beispiel an Bahnhöfen, an einen ausgehängten Plan. Während die Gefragte sich in die Wirren der Karte vertieft, machen sich Komplizen des Fragenden über ihre Hand- oder Umhängetasche her.

Der Geldwechseltrick: Fremde bitten das mögliche Opfer, eine Münze zu wechseln. Der gutwillige Adressat der Bitte zieht sein Portemonnaie – und wird im nächsten Moment abgelenkt. Zeit genug für fingerfertige Taschendiebe, das Scheinfach der Geldbörse zu plündern.

Der Beschmutzertrick: Der Täter bekleckert das ausgesuchte Opfer scheinbar versehentlich mit Ketchup, Eis oder Coca-Cola – gerne vor allem dann, wenn ihr Gegenüber gerade aus einer Bank kommt und mutmaßlich Geld geholt hat. Beim wortreichen Reinigungsversuch verschwindet das Portemonnaie des Opfers aus der Jackentasche der Täter.

Der Supermarkttrick funktioniert dann, wenn das Opfer seine Geldbörse oder die Handtasche mit dem vermuteten Portemonnaie im Einkaufswagen liegen gelassen hat. Ein Täter fragt den zu Bestehlenden nach einer bestimmten Ware, und während dieser in der Auslage sucht, stiehlt der Komplize das Portemonnaie aus dem Wagen.

Der Hochhebetrick klingt abenteuerlich, kommt aber immer wieder zur Anwendung: In einer Gaststätte behauptet jemand, das Gewicht des Opfers durch Hochheben schätzen zu können. Kommt es tatsächlich zur Versuchsdurchführung, zieht ein Komplize dem Opfer die Geldbörse aus der Tasche.

Der Betteltrick: Kinder halten dem Opfer in einem Lokal ein Blatt Papier mit der Bitte um eine Spende vor die Nase oder umkreisen das Opfer auf der Straße und betteln es an. Eines der Kinder aber bettelt nicht, sondern zieht dem Abgelenkten das Portemonnaie aus der Tasche.

Der Blumentrick: Ein Fremder begrüßt sein Opfer freundschaftlich, umarmt es oder steckt ihm gar eine Blume an – obwohl sich beide mitnichten kennen. Während der so Begrüßte erst einmal verdutzt ist, verschwindet seine Brieftasche.

Der Taschenträgertrick: Sogenannte Taschenträger spähen ältere Frauen beim Einkaufen aus und bieten ihnen scheinbar hilfsbereit an, ihren Einkauf nach Hause zu tragen. Dort angekommen eilen sie mit der Tasche die Treppe hinauf, während der ältere Mensch nicht so schnell hinterherkommt. Unterwegs nehmen sie die Geldbörse heraus, stellen die Tasche vor die Tür und kommen dem Opfer grüßend entgegen. Der Bestohlene bemerkt den Verlust seiner Brieftasche erst später.

Weit weniger fintenreich gehen Straßen- und Handtaschenräuber vor. Opfer von Straßenraub werden, entgegen der landläufigen Meinung, meist junge Menschen, die von Gleichaltrigen überfallen werden, sagt LKA-Mann Baum. Rund drei Viertel der Täter und mehr als die Hälfte der Opfer sind jünger als 21 Jahre, die Täter sind häufig in der Gruppe unterwegs – und bewaffnet. Sie suchen sich Opfer, die in der Unterzahl, schwächer oder betrunken sind. Sie bedrohen ihr Opfer und zwingen es zur Herausgabe von Wertgegenständen wie Geld oder Handys.

Handtaschenräuber wiederum scheuen die direkte Auseinandersetzung mit ihrem Opfer. Sie passen es häufig vor einer Bank oder Sparkasse ab, verfolgen die Person auf dem Heimweg und entreißen ihr dann im Laufen oder Fahren auf dem Fahrrad, Moped oder mit Inlinern die Handtasche. Gerade älteren und gebrechlichen Opfern drohen durch Stürze erhebliche Verletzungen.

1655 Fälle von Straßen- und Handtaschenraub zählte die niedersächsische Polizei im Jahr 2010, immerhin knapp 100 weniger als im Jahr zuvor. 228 davon waren Fälle von Handtaschenraub.

So beugen Sie vor
  • Etwas Selbstdisziplin kann helfen: LKA-Mann Rainer Baum rät, nur das Nötigste an Bargeld und ec- oder Kreditkarten bei sich zu tragen.
  • Beim Bezahlen an der Supermarktkasse oder dem Bahnhofsschalter sollten Fremde möglichst keinen Einblick in die Brieftasche erhalten.
  • Sollte ein Taschendieb doch einmal zum Erfolg kommen, kann man die Freude über dessen Erfolg trüben, indem man nicht alle Wertsachen in einer Tasche verstaut. Baum rät also dazu, Ausweispapiere, Bargeld und ec-Karte in verschiedenen Innen- und Gürteltaschen oder Brustbeuteln zu verteilen.
  • Hand- und Umhängetaschen sind schwieriger zu plündern, wenn sie mit der Verschlussseite zum Körper, an der Körpervorderseite oder unter den Arm geklemmt getragen werden.
  • Generell schwer auszuräumen oder zu entwenden sind Brustbeutel, Gürteltaschen, Geldgürtel oder am Gürtel angekettete Geldbörsen.
  • Leicht haben Taschendiebe es dann, wenn die Handtasche im Laden oder Restaurant über die Stuhllehne gehängt oder unbeaufsichtigt abgestellt wird.
  • Ein weitverbreiteter Fehler: Die Geldbörse liegt beim Einkaufen oben in der Einkaufstasche, im Einkaufskorb oder -wagen.
  • Bahnreisenden rät Baum, darauf zu achten, Handtaschen oder Kameras nicht an Abteiltüren oder Wagendurchgängen aufzuhängen. Während der Nachtruhe sollte das Abteil nach Möglichkeit von innen verschlossen sein.
  • Ganz allgemein gilt: Wer sich in einem Menschengedränge oder einer unübersichtlichen Situation befindet, sollte noch genauer als sonst auf seine Wertsachen achten.
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