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Gefahr im Rausch

Alkoholmissbrauch Gefahr im Rausch

Übermäßiger Alkohol- oder Drogenkonsum gefährdet nicht nur die Gesundheit – er erhöht auch die Wahrscheinlichkeit, Opfer einer Straftat zu werden.

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mmer mehr Jugendliche treffen sich zum sogenannten Komasaufen – mit verheerenden Folgen.

Quelle: dpa

Das Internet vergisst nichts. Keine Scherze auf anderer Leute Kosten, keine Dummheiten – und keine Videos von schweren Straftaten. Wenn Rita Salgmann, Fachfrau für Prävention und Jugendsachen beim Landeskriminalamt (LKA), über die Verhütung von Alkohol- und Drogensucht spricht, dann tut sie das vor allem als Polizistin. „Uns geht es um die Straftaten, die damit verbunden sind, wir sind keine Gesundheitspolizei“, sagt sie.

Denn wer sich bis zur Besinnungslosigkeit betrinkt, läuft Gefahr, Opfer einer Straftat zu werden. „Bei jungen Männern geht es dabei meist um Raubüberfälle, bei jungen Frauen leider häufig um Vergewaltigungen“, sagt Salgmann. Alleine im Mai hatte es die Polizei in Hannover mit zwei Vergewaltigungen nach Diskobesuchen zu tun, als sich Täter in den frühen Morgenstunden in einem Fall an einem 16-jährigen Mädchen und in einem anderen an einem 21-jährigen Mann vergingen. Häufig würden diese Taten auch gefilmt, sagt Salgmann. Die filmischen Dokumente dieser Taten landen dann im Internet.

Und da bleiben sie. Das Landeskriminalamt meldet im Zusammenhang mit dem Alkoholkonsum von Jugendlichen interessante Zahlen. Zwar ist das durchschnittliche Einstiegsalter in regelmäßigen Konsum von 1970 bis 2006 von 15 auf 13 Jahre gesunken, allerdings wird die Zahl trinkender Jugendlicher seit 1993 wieder kleiner. Erheblich zugenommen hat dennoch die Menge, die Jugendliche insgesamt trinken: Laut Statistischem Bundesamt hat sich die Zahl der wegen akuter Alkoholvergiftung ins Krankenhaus eingelieferten 10- bis 20-Jährigen seit 2000 mehr als verdoppelt. Etwa ein Drittel der 16- und 17-Jährigen trinkt heute mindestens einmal in der Woche.

Regelmäßig für Schlagzeilen sorgt dabei das sogenannte Komasaufen, bei dem es schlicht darum geht, so schnell wie möglich so viel wie möglich zu trinken. Damit verbunden, sagt LKA-Fachfrau Salgmann, sei häufig der Einstieg in die Partyszene, in der auch Partydrogen wie Cannabis, Ecstasy oder Speed eine Rolle spielen – alles Präparate, die dafür sorgen sollen, beim Feiern länger durchhalten zu können. Immer häufiger treffen Suchtberater daher auf junge Patienten, die schon sehr früh eine Vielzahl von verschiedenen Drogen ausprobiert haben.

So beugen Sie vor
  • Dass der Umgang mit Jugendlichen, die ins Partyalter kommen, für Eltern schwierig ist, weiß Rita Salgmann. Dennoch gibt die LKA-Beamtin Tipps, wie dem beginnenden Alkoholkonsum der eigenen Kinder begegnet werden kann.
  • So rät Salgmann – auch, wenn es simpel klingt – dazu, ständig miteinander im Gespräch zu bleiben. „Dieser Faden darf nicht abreißen, sonst macht man sich irgendwann nur noch gegenseitig Vorwürfe“, sagt sie.
  • Helfen könne es auch, Familientraditionen zu etablieren – etwa ein gemeinsames Frühstück am Sonnabend oder gelegentliche Ausflüge.
  • Nicht nur zu wenig, sondern auch zu stark behütete Kinder neigen dazu, ihren Frust zu ertränken. Also rät Salgmann: „Nehmen Sie Ihren Kindern nicht alle Aufgaben ab.“
  • Und was, wenn der Nachwuchs zum ersten Mal betrunken nach Hause kommt? Erst einmal gelassen bleiben, rät Salgmann. „Sprechen Sie am nächsten Tag in Ruhe mit dem Jugendlichen darüber“, sagt die Beamtin.
  • Wenn aber Gelassenheit nicht hilft, sagt Salgmann, dürften Eltern auch zu drastischeren Mitteln greifen. „Man kann das eigene Kind zum Beispiel mit der Handykamera filmen, wenn es im volltrunkenen Zustand ist – und ihm den Film am nächsten Tag zeigen.“
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