Trotz Umweltzone ist die Feinstaubbelastung in Hannover dieses Jahr nicht geringer geworden – im Gegenteil. Bis Donnerstag wurden die Grenzwerte an 33 Tagen überschritten, damit liegt die Stadt knapp unterhalb der von der EU vorgegebenen Höchstmarke von 35 Tagen. Wie das niedersächsische Umweltministerium bekannt gab, ist Hannover nun landesweiter Spitzenreiter bei der Feinstaubbelastung, gefolgt von Göttingen, wo an 28 Tagen die Messinstrumente zu stark ausschlugen, und Osnabrück, wo an 21 Tagen die Luft verunreinigt war. In Hannover hat sich im Vergleich zu den Vorjahren die Luftverschmutzung drastisch erhöht. 2009 wurden die zulässigen Werte nur an sieben Tagen überschritten, 2008 an 13 Tagen.
Die Messergebnisse bieten eigentlich eine Steilvorlage für Kritiker der Umweltzone. Denn Anfang des Jahres wurde die Plakettenregelung gegen den Widerstand von Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) verschärft, auf die Feinstaubbelastung scheint das aber keine Wirkung zu haben. Das Ministerium hielt sich gestern mit einer kritischen Kommentierung zurück, verwies sogar darauf, dass von den 33 Tagen eigentlich sechs Tage abgezogen werden müssten. „An diesen Tagen wurden die Messungen an der Göttinger Chaussee durch eine Baustelle verzerrt“, sagte Ministeriumssprecher Daniel Gelmke. Dennoch merkte er an, dass sich die Umweltzone nicht damit begründen lasse, Feinstaubwerte zu verringern.
Weniger diplomatisch reagierte die Opposition im Stadtrat. „Die Umweltzone bringt nichts“, sagte FDP-Experte Jens Meyburg. Feinstaub werde auch weniger vom Verkehr als von Industrieanlagen verursacht. Deshalb plädierte er dafür, die Emissionsrichtlinien für Fabriken zu verschärfen und die Umweltzone abzuschaffen. Ähnlich äußerte sich CDU-Fraktionschef Jens Seidel: „Das Wetter und die Lage Hannovers in der Norddeutschen Tiefebene sind größere Einflussfaktoren auf die Feinstaubkonzentration.“ Daher sei es an der Zeit, die Umweltzone „unverzüglich abzuschaffen“.
Umweltdezernent Hans Mönninghoff (Grüne) verteidigte die Umweltzone. Zunächst sei zu betonen, dass die Zahl von 35 Tagen nicht überschritten wurde. „Die Umweltzone hat dazu einen positiven Beitrag geleistet“, meinte Mönninghoff. Deshalb ergebe die Diskussion um die Abschaffung der Plakettenpflicht keinen Sinn. Rückendeckung bekommt der Umweltdezernent von der rot-grünen Ratsmehrheit. „Die hohen Feinstaubwerte zeigen nur, dass noch nicht genügend saubere Autos in der City fahren“, sagte Grünen-Umweltexperte Michael Dette. SPD-Umweltfachmann Manfred Müller meinte: „Die Umweltzone drückt die Werte, aber die Wetterlage, etwa geringer Luftaustausch, kann die Feinstaubbelastung wieder hochtreiben.“
Andreas Schinkel
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