„Uns würde das helfen“, sagte 96-Präsident Martin Kind. Denn sicher gebe es Fußballfreunde, die durch die Plakettenpflicht vom Besuch eines Heimspiels im Stadion abgehalten werden. Erfreut reagierte man auch im Zoo. „Wir haben durch die Umweltzone einen klaren Wettbewerbsnachteil, etwa gegenüber Hagenbecks Tierpark in Hamburg“, sagte Sprecherin Magitta Feike. Mehr als 40 Prozent der Zoobesucher in Hannover kämen aus dem Umland und viele von ihnen reisten mit dem Auto an, insbesondere Familien mit viel Gepäck. „Im Gegensatz zum Tierpark in Hamburg müssen die sich in Hannover zuvor eine grüne Plakette besorgen“, sagte Feike.
Wie berichtet, hatte Umweltminister Sander gefordert, verschiedene Bereiche der Stadt vom Plakettenzwang zu befreien. Als „unabdingbar“ sah er Ausnahmen für die AWD-Arena, die Herrenhäuser Gärten und den Zoo an. Zudem wünschte er sich, dass die Umweltzone auch um Stadtteile wie Vahrenwald einen Bogen macht. Nach Informationen dieser Zeitung sollte sogar der gesamte Maschsee einschließlich Ricklingen zur plakettenfreien Zone erklärt werden, um etwa Besuchern des Sprengel Museums am Nordufer eine ungehinderte Zufahrt aus Richtung Süden zu ermöglichen. Die Stadt jedoch lehnt solche Schneisen in die Umweltzone vehement ab.
Inzwischen haben Sander und Oberbürgermeister Stephan Weil miteinander telefoniert und „die Irritationen beseitigt“, wie Stadtsprecher Andreas Möser gestern mitteilte. Jetzt werde weiter am gemeinsamen Abschlussbericht zur Umweltzone gefeilt. Wie dieser letztlich ausfallen wird, sei offen, heißt es aus dem Ministerium. Mit einem Ergebnis wird im Januar gerechnet.
In der Ratspolitik wurde der Vorstoß des Umweltministers zwiespältig aufgenommen. Die rot-grüne Ratsmehrheit mag an den Grenzen der Umweltzone nicht rütteln. „Das Gebiet ist aus gutem Grund so zugeschnitten, dass es an die großen Tangenten Hannovers stößt“, sagte der SPD-Fraktionsvize Thomas Hermann. Der Vorstoß Sanders sei völlig indiskutabel. Ähnlich äußerten sich die Grünen. „Wir müssen aber zu gegebener Zeit prüfen, ob sich die Luftwerte verändert haben“, sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Michael Dette. Dann könne man darüber nachdenken, ob die Umweltzone noch Bestand haben soll. Von CDU und FDP wurde Sanders Vorschlag wohlwollend aufgenommen. „Mit solchen Korridoren könnten mehr Besucher von außerhalb in die Stadt gelockt werden“, sagte CDU-Fraktionschef Jens Seidel. Für seinen Kollegen von der FDP ist es nun höchste Zeit, die Umweltzone insgesamt ad acta zu legen. „Die bereitet nur Ärger und hat keinen Nutzen“, sagte Fraktionschef Wilfried Engelke. Die Linke verbittet sich ein Eingreifen des Ministers in die Belange der Stadt, kann sich aber damit anfreunden, Ausnahmegenehmigungen für Großveranstaltungen, etwa Heimspiele von Hannover 96, zuzulassen.
Andreas Schinkel
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