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Neue Hoffnung für das Ihme-Zentrum in Hannover

Bauruine in Linden Neue Hoffnung für das Ihme-Zentrum in Hannover

Seit Anfang 2009 warten die rund 2400 Bewohner des Ihme-Zentrums darauf, dass die Geschäftsflächen wieder belebet werden. Die Landesbank Berlin hat jetzt ein neues Zukunftskonzept für den Lindener Großkomplex vorgelegt.

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Wieder etwas Bewegung im Ihme-Zentrum

Im Ihmezentrum wohnen rund 2400 Menschen auf einer Bauruine.

Quelle: Rainer Surrey

Linden. Ulrich Wollgast ist kein Mann, der zu Übertreibungen neigt. Wenn der Manager der Landesbank Berlin (LBB) einen Satz wie den folgenden sagt, will das schon etwas heißen: „Wir sind im Ihme-Zentrum zwei Schritte weiter, als es jeder Investor bisher war.“ Wollgast vertritt den Hauptgläubiger des Lindener Großkomplexes, dessen Gewerbeflächen seit Anfang 2009 brachliegen. Seinerzeit meldeten die Fondsgesellschaften des US-Investors Carlyle mitten in der Umbauphase Insolvenz an. Seitdem wohnen rund 2400 Menschen auf einer Bauruine. Und seitdem bemüht sich die LBB nach Kräften, das Ihme-Zentrum vorm endgültigen Stillstand zu bewahren – mit dem Ziel, einen neuen Investor für die Handelsflächen zu finden.

Der große Geldgeber, der wohl einen dreistelligen Millionenbetrag in die Hand nehmen muss, ist noch immer nicht in Sicht. Gleichwohl laufen hinter den Kulissen systematische Vorbereitungen, um die Immobilie, die unter Zwangsverwaltung steht, wieder für Investoren attraktiv zu machen. In den zweieinhalb Jahren, in denen die LBB in Absprache mit den fünf Insolvenzverwaltern und dem Institutszwangsverwalter Torsten Jaskulksi am Ruder ist, habe es mehr als 500 Sitzungen und Gespräche gegeben, bilanziert Wollgast. Zentral für die Zukunft des Ihme-Zentrums sind demnach drei Eckpunkte.

Das Einzelhandelskonzept

Der von der LBB mit der Vermarktung beauftragte Projektentwickler Hines macht einen ungewöhnlichen Vorschlag: Die großen, brachliegenden Einzelhandelsflächen in der oberen Ebene sollen verkleinert werden – indem dort neben Läden auch Parkplätze entstehen, die über eine Auffahrt zu erreichen sind. Bisherige Investoren waren von einer Mindestladenfläche von 35.000 vermietbaren Quadratmetern ausgegangen. Aus Sicht von Hines reichen zwischen 20.000 und 30.000 Quadratmeter aus. Im Erdgeschoss könnten demnach für Fußgänger erreichbare Geschäfte wie Supermärkte und Discounter für die „tägliche Grundversorgung“ zu finden sein. „Dafür ist das Ihme-Zentrums genau der richtige Standort“, sagt Jaskulski. Auf weitere Branchen will er sich nicht festlegen. Gespräche mit potenziellen Mietern liefen bereits, Namen nannte er nicht. Sicher ist: „Eine zweite Ernst-August-Galerie wird hier nicht gebraucht.“ Die Tiefgarage mit rund 1400 Stellplätzen ist nach dem neuen Konzept vor allem für Anwohner gedacht und für Menschen, die im Ihme-Zentrum arbeiten. Nicht genutzte Plätze könnten für Bewohner des Stadtteils zur Verfügung gestellt werden.

Das Ihme-Zentrum hat eine Geschichte hinter sich, die von Fehlplanungen und Rückschlägen geprägt ist. Eine Chronik.

1972: Das Ihmezentrum befindet sich in der Bauphase.

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Die Lebensmittelkette Edeka, die bereits früher Interesse bekundet hatte, sieht den Standort nach wie vor als Option an. Was bisher über das neue Konzept bekannt geworden ist, sei aber „noch nicht überzeugend“, sagt Sprecher Andreas Laubig. Auch die Schuhhandelskette Deichmann und der Buchhandelsfilialist Decius, beide schon früher als Interessenten im Gespräch, befürworten den Standort weiterhin, wollen aber den künftigen Branchenmix abwarten.

Die Teilungserklärung

Die wichtigste Voraussetzung, um die Großimmobilie wieder für Investoren interessant zu machen, ist laut LBB die Neuaufteilung von Wohn- und Gewerbeeigentum. Gemäß der Verträge aus den siebziger Jahren muss bei jeder baulichen Veränderung der Gewerbeflächen ein Zustimmungsverfahren in Gang gesetzt werden, an dem die 565 Wohnungsbesitzer beteiligt werden – obwohl 83 Prozent der Gesamtflächen in den Gewerbebereich fallen. Ziel ist es darum, die sogenannte Teilungserklärung zu ändern. Ein aufwendiges Prozedere, dem alle Wohnungseigner zustimmen müssen. Seit Januar sammelt die LBB die Unterschriften ein. Gut drei Viertel haben ihr Einverständnis erklärt – noch fehlen aber 127 Signaturen. Es gebe nachvollziehbare Gründe, sagt Wollgast. Manche Besitzer seien ins Ausland gezogen, bei anderen gehe es um Erbschaften. Einige aber lehnten die Unterschrift kategorisch ab. Dazu sagt der LBB-Mann: „Wir erpressen niemanden, aber wir lassen uns auch nicht erpressen.“ Wohnungseigner wie Monika Großmann, Dieter Schaadt oder Doris Schwärzel, die längst unterschrieben haben, ärgern sich über die „Verweigerer“. Letztlich bliebe der Klageweg, um alle Unterschriften einzuholen.

Die Großmieter

Weitere Säule in dem LBB-Konzept ist eine Vertragsverlängerung mit den Großmietern Stadt Hannover und Stadtwerken, die zusammen rund 1400 Angestellte im Ihme-Zentrum beschäftigen. Noch laufen die Kontrakte bis 2017 beziehungsweise 2020. Um einem Investor Planungssicherheit zu bieten, sieht die LBB aber eine weitergehende langfristige Mietbindung als notwendig an. Branchenüblich ist ein Zeitraum von mindestens 20 Jahren. Seitens der Stadtwerke heißt es, „Verhandlungen über eine mögliche Verlängerung über das Jahr 2020 hinaus“ hätten begonnen. Die Stadt gibt sich zurückhaltender: „Wir freuen uns, wenn es Fortschritte gibt und begleiten die Entwicklung weiterhin aufmerksam und konstruktiv“, sagt Oberbürgermeister Stephan Weil.

Einen Zeitpunkt, wann mit der Investorensuche begonnen werden kann, nannte die LBB nicht. Wollgast weist daraufhin, dass die Bank bereits umfangreich ins Ihme-Zentrum investiert habe. 9,5 Millionen Euro seien in die Sanierung der Tiefgarage, den Umbau von Eingängen und die Projektentwicklung geflossen. Zudem trage die Bank nach der Insolvenz das Hausgeld für den Gewerbebereich von 1,2 Millionen Euro pro Jahr. „Als Bank“, sagt der Manager, „können wir aber nur so lange am Ball bleiben, wie Aussicht besteht, dass wir hier keine Verluste anhäufen, sondern Werte wiederhergestellt werden.“

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