Dieter Schaadt ist pünktlich: Der langjährige Wohnungsbesitzer aus dem Ihme-Zentrum, der dort seit 1974 wohnt, gehörte am Dienstag zu den ersten Eigentümern, die mit ihrer Unterschrift der Änderung der Besitzverhältnisse in dem brachliegenden Lindener Großkomplex zustimmten. Die Hauptgläubigerin, die Landesbank Berlin (LBB), hatte ins Veranstaltungszentrum Capitol gebeten, um über den Stand der Dinge zu informieren und das aufwendige Prozedere in Gang zu bringen. Um die bestehenden Verträge aufzulösen, müssen alle rund 540 Wohnungsbesitzer zustimmen.
„Ich bin optimistisch, dass es endlich vorangeht“, sagte Schaadt. Es habe viele positive Signale von Miteigentümern gegeben. Die Bereitschaft, der Neuaufteilung von Wohn- und Gewerbeeigentum zuzustimmen, sei sehr groß, erklärten auch andere Wohnungsbesitzer. Für diese habe die Neufassung der Rechtsordnung mehrere Vorteile und keine gravierenden Nachteile, sagte Monika Großmann von der Bürgerinitiative Linden-Ihmezentrum: „Möglich sind Mehrkosten für den laufenden Betrieb zwischen zwei und fünf Prozent.“ Dafür würden die Anwohner aus der Haftung für die künftige Einkaufspassage entlassen. Bisher galt im Ihme-Zentrum allerorten die Gemeinschaftshaftung. Die LBB will das ändern, um die Immobilie wieder für Investoren attraktiv zu machen.
Rund 300 Anwohner waren ins Capitol gekommen. Aber nur ein Teil konnte bereits seine Unterschrift leisten. Wegen rechtlicher Vorgaben dürfen lediglich kleinere Gruppen nach vorheriger Anmeldung und unter Aufsicht eines Notars die Verträge ratifizieren. Nach HAZ-Informationen war es Ziel der LBB, am Dienstag 50 Signaturen zu erhalten. Schriftlich waren die Kontrakte allen Eigentümern zugegangen. In den folgenden Tagen und Wochen wird es weitere Unterschriftstermine geben. Die Frist läuft bis zum 31. März, im Februar will die LBB einen Zwischenstand bekanntgeben. Sollte nur eine Minderheit nicht unterzeichnen, wäre es möglich, diese auf dem Rechtsweg dazu zu verpflichten.
Auch die Stadt muss die Verträge billigen: Sie ist Miteigentümerin im Gewerbebereich, ihr gehört die Kita Ihmeplatz 8. „Wir werden über unseren Justiziar zustimmen“, sagte Sprecher Klaus Helmer. Die fünf Insolvenzverwalter, die 83 Prozent des Gewerbes vertreten, müssen ebenfalls einverstanden sein. Vier von ihnen haben nach HAZ-Informationen bereits zugestimmt, bei einem Verwalter sind Nachverhandlungen erforderlich.
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