Hannover. Die größte Zustimmung erhielt ein Farbton, der sich am Sandsteinsockel des Schlosses orientiert und dem klassizistischen Vorbild am nächsten kommt. „Wenn das Schloss realisiert ist, werden wir nicht nur eine baulich adäquate Fassung sehen, sondern einen ästhetischen Genuss im Gesamtkontext erleben“, sagte Kulturdezernentin Marlis Drevermann.
Zur Debatte standen noch weitere Gelbtöne. Ein Mausgrau indes, wie es zwischendurch gerüchtehalber hieß, war nie angedacht. Ausgeschlossen wurde auch das kräftige Orange, in dem die Wände der Galerie und der Orangerie gehalten sind. „Diese Farbe hat mit den historischen Vorbildern nichts zu tun und bringt auch die Struktur der Fassade nicht zur Geltung“, sagt Bernd Adam, Historiker und Mitglied des Expertengremiums.
Die Entscheidung steht auf breitem Fundament. Denn in der Kommission waren nicht nur die Volkswagenstiftung, die Financier des Schlossbaus ist, die Denkmalschützer der Stadt und die Bauherrin IVA KG vertreten. Auch ein Mitglied des Welfenhauses gab sich die Ehre und plädierte dem Vernehmen nach ebenfalls für den gelben Anstrich.
Tatsächlich hat das Schloss über die Jahrzehnte zweimal seine Farbe gewechselt. Als Laves dem Bau zwischen 1818 und 1820 eine klassizistische Prägung gab, sollte die Fassade wie Naturstein wirken, obwohl sie eigentlich nur verputzt war. Man gab dem Putz eine Struktur, sodass die Außenwände wie geschichtete Steinquader aussahen. Den Anstrich stimmte Laves auf den Sandsteinsockel ab. Dieselbe Anmutung soll nun auch der rekonstruierte Bau bekommen.
1857 wurde die Residenz umgestrichen, wie aus einer historischen Malerrechnung hervorgeht. Die Außenwände erhielten eine beige Grundfarbe, Fenster und Türen wurden weiß eingefasst. „Den Haupteingang strich man grün, um eine Art Patina vorzutäuschen“, sagt Historiker Adam, auf dessen Forschungen die Rekonstruktionspläne für den Schlossbau basieren.
Den historischen Farbton zu treffen ist nicht ganz einfach, denn aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts liegen naturgemäß keine Farbfotos vor. So bleibt Historiker Adam nur der Weg, die SchwarzWeiß-Bilder zu analysieren und von den Helligkeitswerten auf die Farbe zu schließen. Türen und Fenster sollen farblich nicht hervorgehoben werden. „Der Farbton wird die Struktur der Fassade auch so zur Geltung bringen, wie es Laves einst vorgesehen hat“, ist sich Adam sicher.