Im Streit um die explodierenden Kosten für das künftige Schlossmuseum Herrenhausen hat Kulturdezernentin Marlis Drevermann (SPD) jetzt offiziell einen Rechenfehler eingeräumt. Sie habe bei ihrer ersten Planung die Lohnnebenkosten vergessen. „Das nehme ich auf meine Kappe“, sagte Drevermann am Freitag im Kulturausschuss. Eigentlich hätte sie die Personalaufwendungen mit 295.000 Euro veranschlagen müssen, stattdessen setzte sie weniger als die Hälfte an. „Ich wollte den Fehler nicht vertuschen“, sagte sie. Man habe ihn erst vor wenigen Tagen bemerkt.
Bei den Ratspolitikern löste das Eingeständnis Kopfschütteln aus. „So ein Fehler hätte nicht passieren dürfen“, meinte Lothar Schlieckau, Fraktionschef der Grünen und Vorsitzender des Kulturausschusses. Zwar halte er weiter am Projekt Schlossmuseum fest, doch hätte er sich einen besseren Start vorstellen können. „Eine solch dilettantische Planung ist schon ein starkes Stück“, meinte FDP-Kulturpolitiker Nils Tilsen. Für CDU-Fraktionschef Jens Seidel ist der Grund für die explodierenden Kosten noch nicht hinreichend geklärt. „Ich fürchte, dass das ganze Projekt in eine Schieflage gerät“, sagte er. Kommende Woche wolle seine Fraktion darüber nachdenken, ob Drevermann persönliche Konsequenzen ziehen müsse. Die Linke preschte bereits vor. „Die aktuelle Diskussion zeigt, dass Frau Drevermann als Schul- und Kulturdezernentin eine Fehlbesetzung ist“, sagte Fraktionschef Oliver Förste. Dem Vernehmen nach ist der Unmut auch innerhalb der Stadtverwaltung groß. Man befürchtet, dass die Arbeit der Behörde nun in ein schlechtes Licht gerät, ja Zweifel an der Seriosität aufkommen.
Die Volkswagenstiftung, die das Schloss für 20 Millionen Euro errichten lässt, beobachtet das Hin und Her der Zahlenspiele „sehr aufmerksam“, wie Sprecher Jens Rehländer sagt. „Wir hoffen, dass Stadt und Politik bald Einigkeit erzielen, sodass es nicht zur Bauverzögerung kommt.“ Schließlich müsse die IVA KG, die den Bau ausführt, demnächst wissen, wie die Museumsflügel im sogenannten veredelten Rohbau auszuführen sind, wo also Rampen, Anschlüsse oder Sanitäranlagen unterzubringen sind.
Wie berichtet, sind die Personalkosten für den Museumsbetrieb förmlich explodiert. 407.000 Euro sollen jetzt für insgesamt elf statt bisher acht Museumskräfte eingeplant werden. Bisher hatte Drevermann den höheren Personalbedarf vor allem damit begründet, dass die Ausstellungsfläche gestiegen sei, da nun der unterirdische Gang zwischen den beiden Museumsflügeln realisiert wird.
Am Freitag gab Drevermann an, die Einrichtung von drei weiteren Stellen sei deshalb nötig, weil jetzt eine eigene Museumskasse eingeplant und mit Öffnungszeiten von neun Stunden an sieben Tagen gerechnet werde. „Zuvor dachten wir noch, dass wir den Einlass über die Kasse für die Herrenhäuser Gärten regeln“, erklärte Drevermann. Noch immer halte sie daran fest, dass das Museum kostendeckend betrieben werden könne. Die dafür nötigen Besucherzahlen seien keineswegs aus der Luft gegriffen. „In Schloss Charlottenburg zählt man 400.000 Besucher pro Jahr, wir möchten nur 100.000“, sagte die Kulturdezernentin.
Andreas Schinkel
HAZ.de Anmeldung