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Wiederaufbau Schloss Herrenhausen Ein erster Blick ins Schloss Herrenhausen
Hannover Themen Wiederaufbau Schloss Herrenhausen Ein erster Blick ins Schloss Herrenhausen
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22:42 16.01.2013
Von Conrad von Meding
Erste Einblicke: Am Freitag wird das Schloss Herrenhausen eröffnet. Quelle: Körner
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Hannover

„Es darf aber niemand die Erwartung haben, innen eine historische Anmutung zu finden“, betonte Hannovers Hochtief-Chef Bernd Jaeger am Mittwoch beim ersten Rundgang durchs Haus: „Es handelt sich vor allem um ein modernes Konferenz- und Tagungszentrum.“ Zur Eröffnung im Großen Garten wird außer zwei Prinzessinnen der britischen Thronfolge auch der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, erwartet. Er soll der Feier mit einem Festvortrag Würde verleihen.

Außen deutet am Schloss noch viel auf ausstehende Bauarbeiten hin, auch die beiden Flügel befinden sich noch im Rohbau. Dort richtet die Stadt das Herrenhausen-Museum ein, nach HAZ-Informationen wird es wohl erst Mitte Mai eröffnet. Doch der Konferenzbereich des Schlosses ist beinahe fertiggestellt. Am Mittwoch gab es für mehr als 60 Journalisten aus ganz Deutschland erste Einblicke in das Gebäude und seine Raffinessen.

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Seit Donnerstag steht das Datum fest, zu dem das wiederaufgebaute Schloss Herrenhausen für die breite Öffentlichkeit geöffnet wird: Am Sonntag, 31. März, will Schlossbetreiber Hochtief in das Gebäude einladen, das von außen dem kriegszerstörten Laves-Schloss nachempfunden ist.
  • Ausstattung: Fast alle Räume sind flexibel nutzbar und mit Medientechnik ausgerüstet. Böden, Türen, Verkleidungen bestehen aus Eiche, zum Teil hell gebeizt. Im Kellergeschoss befindet sich eine voll ausgestattete Restaurantküche mit drei Kühlräumen und Spülstraße. Betrieben wird sie von der Messe-Gastronomie. Deren Chef Thomas Donani und der fürs Schloss zuständige Klaus Ost sind sich sicher: „Die Küche ist zwar klein, aber bei guter Planung lassen sich von hier aus problemlos mehrere Hundert Gäste bewirten.
  • Schloss-Gesellschaft: Betreiber Hochtief hat eine eigene Tochtergesellschaft für den Betrieb des Schlosses gegründet, die Schloss Herrenhausen GmbH. Chefin ist die 44-jährige Christiane Peter, die für Fragen rund um Buchungen und Veranstaltungsmanagement zuständig ist.
  • Erste Veranstaltung ausgebucht: Die Eröffnungsfeier am Freitag richtet sich an geladene Gäste. Auch die erste öffentliche Veranstaltung im Schloss ist ausgebucht – der Diskussionsabend zum Alltagsstress, der Donnerstag in der Reihe Herrenhausen Gespräche im Schloss stattfindet.
  • Planung fast eingehalten: Um ziemlich genau zwei Monate hängt die Baustelle der ursprünglichen Zeitplanung hinterher. „Wenn man bedenkt, dass die ersten Gremienbeschlüsse erst 2007 gefallen sind und danach die gesamte Planung europaweit ausgeschrieben werden musste, dann schaffen wir eigentlich eine gute Punktlandung“, sagt Wilhelm Krull, Generalsekretär der Volkswagenstiftung. Auch finanziell sehe alles danach aus, als ob die Planung eingehalten werde. Die Baukosten lägen jetzt bei etwa 21 Millionen Euro. Bei den Gesamtkosten könne es sein, dass der ursprüngliche Finanzkorridor von 25 Millionen Euro wegen höherer Baunebenkosten leicht überschritten werde. „Noch aber gibt es keine Schlussrechnung.“

Der alte Eingang

Am Ort des ursprünglichen Schlosseingangs unter dem säulengestützten Balkon der Nordwand ist jetzt eine rekonstruierte Eichentür (Bild rechts) eingesetzt. Dieser zentrale Eingang wird aber nur bei Staatsempfängen im Schloss genutzt – maximal 50-mal im Jahr, heißt es in den Verträgen. Früher lag hinter dem zentralen Eingang das von Säulen getragene und mit Ramberggemälden verzierte Vestibül (oben), der Hofarchitekt Laves hat es grundlegend umgebaut und ihm unter anderem die aufwendige Kassettendecke spendiert sowie die Säulen verdoppelt. Im Wettbewerb zur Schlossrekonstruktion war es den Architekten freigestellt, ob sie das Vestibül als einzigen Raum nach historischem Vorbild wieder herstellen. Die Wettbewerbssieger, das Büro Jastrzembski Kotulla, verzichtete auf diese Reminiszenz. Heute befindet sich daher hinter der Eichentür ein Seminarraum mit Durchgang zum Garten.

Das extrabreite Treppenhaus

Vom Konferenzeingang an der Westseite führt ein breites, modernes Treppenhaus ins Obergeschoss. Es liegt – wie auch früher schon das für die Könige umgebaute Treppenhaus – im Westteil des Schlosses außerhalb jeder Symmetrie, ist aber viel breiter und damit komfortabler als früher. Auf dem Weg hinunter geht es zum Auditorium.

Das Auditorium im Keller

Herzstück für den Wissenschaftsbetrieb ist der unterirdische Konferenzsaal. Im Halbrund der Bänke finden etwa 270 Zuhörer Raum. Das Auditorium ist mit modernster Technik für Vorträge ausgestattet, die Akustik gestattet aber durchaus auch kleinere auch Konzerte. Tageslicht fällt durch zwei Lichthöfe ein, diese können auch betreten werden.

Der Festsaal im Obergeschoss

Zu Zeiten der Kurfürstin Sophie gab es im Obergeschoss einen Festsaal mit verzierten Decken und großen Ölgemälden, der von Hofarchitekt Laves für den Besuch von Georg IV. noch einmal erweitert wurde. Heute ist der Saal dank Raumzusammenlegungen viermal so groß wie das Vorbild. Hier wurde zu Monatsbeginn schon Hannovers Neujahrsempfang gefeiert.

Die Seminarräume

Bis zu sechs separate Tagungs- und Seminarräume lassen sich im Schloss herstellen. Sie sind sehr nüchtern und zweckmäßig gehalten, mit warmen Holztönen, die Zimmerdecken leicht abgesetzt, das Mobiliar unprätentiös, aber ausgestattet mit moderner Medientechnik. Dank mobiler Wände lassen sich die Zuschnitte dieser Räume mit wenigen Handgriffen ändern.

Die Küche

Um die Gastronomie im Schloss hatte es lange Ärger gegeben – das benachbarte Restaurant Schlossküche reklamierte für sich das Alleinrecht, in Herrenhausen Gäste zu bewirten. Hochtief hat jetzt eine vollständige Küche eingerichtet. Die Messegastronomie unter Leitung von Thomas Domani kocht im Schloss.

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