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Hannovers Schloss will an den Geist von Herrenhausen anknüpfen
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Wiedereröffnung Hannovers Schloss will an den Geist von Herrenhausen anknüpfen

Was für ein würdevoller Einstand für das neue Wissenschaftszentrum im Schloss Herrenhausen. Zu barocker Kammermusik der hannoverschen Komponisten Steffani und Händel, gekrönt von der Stimmgewalt des Mädchenchors und geadelt von vielen Reden, ist Schloss Herrenhausen wieder eröffnet worden.

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Der Große Garten in Herrenhausen hat sein Schloss zurück: Schneebedeckt präsentiert sich den Festgästen am Eröffnungstag die Gartenkulisse.

Quelle: Jochen Lübke

Hannover. Fast 300 Gäste feierten mit der Volkswagenstiftung den Wiederaufbau der Sommerresidenz der Welfen im Großen Garten.

Der Festakt selbst war zwar staatstragend, doch gab es gleich zu Beginn unfreiwillige Lockerungsübungen. 150 Journalisten aus ganz Europa hatten sich zu dem Ereignis akkreditiert. Als die beiden Prinzessinnen von York, Beatrice und Eugenie, in der ersten Reihe Platz genommen hatten und der Saal in gespannter Stille auf den Veranstaltungsbeginn wartete, brach der Tross der Foto- und Filmreporter los und stürzte sich geradezu auf die britischen Prinzessinnen. Ordner mussten den Pulk zurückdrängen - das Publikum hatte schon etwas zu lachen, noch bevor es richtig losging.

Doch das blieb der einzige Protokollbruch des Nachmittags - wenn man davon absieht, dass Ernst August Erbprinz von Hannover und Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe am Schluss der Veranstaltung nichts mehr sahen, weil der Mädchenchor ihnen den Blick versperrte. Sie nahmen’s gelassen und rückten ein paar Stühle auf. Außer ihnen war auch der Welfe Heinrich Prinz von Hannover mit seiner Frau Thyra gekommen und natürlich alles, was in Hannover Rang und Namen hat.

Im großen Auditorium, neun Meter unter der Erde und trotzdem von Tageslicht beschienen, applaudierten die Eröffnungsgäste dem Initiator des Wiederaufbaus, dem Generalsekretär der Volkswagenstiftung, Wilfried Krull. Er hatte mit seinem Konzept, hinter der klassizistisch nachgebildeten Fassade ein modernes Wissenschaftszentrum für Tagungen und Konferenzen, aber auch für Feiern und Empfänge einzurichten, den Wiederaufbau 2007 konsensfähig gemacht. „Mit der Wiedererrichtung als wissenschaftliches Tagungszentrum und Museum soll das Schloss vor allem zu einem Ort werden, an dem der so oft beschworene Geist von Herrenhausen erlebt und neu belebt werden kann“, sagte Krull.

Oberbürgermeister Stephan Weil, der die Pläne als erster unterstützt hatte, prognostizierte, Herrenhausens touristische Attraktivität werde dank Schloss steigen. Historisch gehöre die Kombination aus Natur, Kultur und Wissenschaft zu Herrenhausen - dank dem Engagement der Volkswagenstiftung sei sie nun wiederhergestellt. Er sei „dankbar, dass die scheußlichen Entwürfe der Vergangenheit nicht Wirklichkeit geworden sind“, sagte Weil.

Ministerpräsident David McAllister, der dank schottischer Abstammung die Prinzessinnen von York in ihrer Muttersprache begrüßte, bezeichnete den Wiederaufbau als „Glanzleistung. Hier treffen Geschichte und Zukunft aufeinander.“ Der britische Botschafter, Simon McDonald, der den Besuch der beiden Prinzessinnen ermöglicht hatte, deutete an, dass es auch zur 300-Jahr-Feier der Personalunion zwischen Hannover und England wieder royalen Besuch geben werde - Details ließ er sich aber nicht entlocken.

Einen ersten Vorgeschmack auf die Exzellenz der wissenschaftlichen Vorträge, die Herrenhausen künftig erleben dürfte, lieferte Prof. Andreas Voßkuhle. Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts referierte beispielreich, dass Juristerei kein Ärgernis moderner Gesellschaften sei, sondern notwendige Voraussetzung für Demokratie und Freiheit. Der Festvortrag war zugleich Auftakt für die Reihe „Herrenhausen Lectures“ im Schloss, mit der wissenschaftliche Fragen erörtert werden.

Das persönlichste Statement aber kam von Hermann Müller von der Immobilientochter der Volkswagenstiftung, über die der 21 Millionen Euro teure Bau abgewickelt wurde. Müller verzichtete auf alle Formalitäten und sprach nur von dem Glück des Bauherren, der seine Baustelle vollendet sieht, nachdem diese durch Frost und Blitzschlag aus der Bahn geworfen worden war. „Da kriegt man schon schlaflose Nächte“, sagte er. „Aber jetzt ist alles gelungen - ich freue mich.“

Für den neuen Betreiber des Schlosses, einer Tochter von Hochtief, hatte Müller als Geschenk ein Goldenes Buch mitgebracht, in dem sich künftige Gäste eintragen dürfen. Die beiden Prinzessinnen von York haben dort schon unterschrieben.

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