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Schlossmuseum Herrenhausen

Kulturdezernentin Drevermann wegen Kostenexplosion in der Kritik

Von Andreas Schinkel

Die Kostenexplosion für das künftige Museum im Schloss Herrenhausen hat unter Politikern, aber auch beim Bund der Steuerzahler einen Sturm der Entrüstung ausgelöst und Kulturdezernentin Marlis Drevermann (SPD) ins Zentrum der Kritik gerückt.
Kulturdezernentin Marlis Drevermann (SPD) muss sich gegen heftige Kritik wehren.

Kulturdezernentin Marlis Drevermann (SPD) muss sich gegen heftige Kritik wehren.

© HAZ

Wegen der Kostenexplosion für das künftige Museum im Schloss Herrenhausen ist Kulturdezernentin Marlis Drevermann (SPD) ins Zentrum der Kritik gerückt. „Ich habe den Eindruck, dass Frau Drevermann ihr Dezernat nicht im Griff hat, sie scheint überfordert zu sein“, urteilt Hannovers CDU-Chef Dirk Toepffer. Auch SPD und Grüne gehen mehr und mehr auf Distanz zu der Dezernentin. Hinter vorgehaltener Hand heißt es bei den Sozialdemokraten, Drevermann habe sich längst als Fehlgriff erwiesen. „Sie agiert sehr unglücklich“, sagt ein Genosse.

Die erhebliche Steigerung der jährlichen Personalkosten von bislang veranschlagten 140 000 Euro auf jetzt 407 000 Euro sei nicht nachvollziehbar, meint Toepffer. „Das kann doch nicht damit begründet werden, dass ein paar 400-Euro-Kräfte mehr eingestellt werden.“ Die Kulturdezernentin hatte die Kostensteigerung damit begründet, dass sich die Ausstellungsfläche um rund 500 Quadratmeter vergrößert habe, weil jetzt auch der Verbindungstrakt zwischen den beiden Museumsflügeln gebaut wird. Die höheren Aufwendungen will sie mit einem enormen Zuwachs an Besuchern decken, von nahezu 100 000 zahlenden Gästen pro Jahr ist die Rede.

Diese Kalkulation verursacht auch bei den Grünen Kopfschütteln. „Der zusätzliche Gang verändert doch den Personalbedarf nicht derart gravierend“, sagt Lothar Schlieckau, Grünen-Fraktionschef und Vorsitzender des Kulturausschusses. Schlieckau kritisiert, dass in der Kostenrechnung weder Kombitickets für Museums- und Garteneintritt noch Ermäßigungen auftauchten. Von 100 000 Besuchern auszugehen, die den vollen Museumseintritt von 6,50 Euro zahlen, sei „unglaubwürdig“. „Hier hat das Dezernat nicht sauber gearbeitet, das Beispiel sollte nicht Schule machen“, sagt Schlieckau und fordert Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) auf, sich einzuschalten. Oberstes Ziel sei noch immer, den Betrieb des Schlossmuseums kostendeckend zu organisieren.

In die gleiche Kerbe schlägt der Bund der Steuerzahler. Es müsse angesichts der defizitären Haushaltslage daran festgehalten werden, „den Museumsbetrieb in Herrenhausen bei realistischen Besucherzahlen kostendeckend zu führen“, teilt der Verband mit. Gemäß der neuen Kalkulation aber drohten jährliche Zuschüsse in mittlerer sechsstelliger Größenordnung. Die CDU-Ratsfraktion hingegen sieht zusätzliche Aufwendungen nicht so tragisch. „Die Stadt sollte sich das Museum etwas kosten lassen“, sagt CDU-Kulturpolitiker Friedrich Busse. „Dennoch fordere ich Aufklärung über die Zahlen, die offenbar schlampig zusammengestellt wurden.“

Der Wirbel um die Kosten lässt die Kulturdezernentin erneut nicht gut aussehen. Bereits 2009 geriet sie ins Stolpern, als sie auf politischen und öffentlichen Druck einräumen musste, dass 35 Prozent der Besucher der Festwochen Herrenhausen Freikarten bekommen hatten.

Ärger bahnt sich jetzt noch von anderer Seite an. So werden Vorwürfe laut, dass eine von Drevermann einberufene Pressekonferenz zum Auftakt der Berliner Tourismusmesse ITB mehr als 8000 Euro gekostet haben soll. Die Konferenz, die Journalisten das Schloss, die Herrenhäuser Gärten und die Kunstfestspiele näher bringen sollte, war organisiert worden von der PR-Agentur Goldmann. Weder die Agentur noch die Stadt wollten die Summe bestätigen. Die Volkswagenstiftung, die das Schloss baut, teilte mit, dass sie nichts bezahlt habe.

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