Eines stellt Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) gleich zu Beginn unmissverständlich klar: Die bisherige Kostenkalkulation für das künftige Schlossmuseum Herrenhausen ist „kein Glanzstück der Stadtverwaltung“. Die Kritik aus der Ratspolitik, die sich vor allem an den explodierenden Personalkosten entzündete, sei daher berechtigt.
Dennoch stärkt Weil seiner Kulturdezernentin und Parteifreundin Marlis Drevermann, in deren Hand die Planungen für das Museum liegen, den Rücken. „Ich habe uneingeschränktes Vertrauen in Frau Drevermann“, sagt er. Dem Vorschlag der CDU, der Kulturdezernentin die Verantwortung für das Schlossmuseum zu entziehen und einen Projektmanager zu beauftragen, erteilt Weil eine Absage. „Das Projekt bleibt im Kulturdezernat“, sagt er. Das hält den Oberbürgermeister aber nicht davon ab, genau zu prüfen, wie es zu den Fehlern in den Planungen gekommen ist. „Da werden wir tiefer einsteigen“, sagt Weil.
Zum ersten Mal hat sich der Oberbürgermeister am Mittwoch öffentlich in den Streit um die Kostenberechnung für das Schlossmuseum eingeschaltet und zugleich ein überarbeitetes Verwaltungspapier vorgelegt. Darin geht er auf die Ungereimtheiten ein, kommt aber zum selben Schluss wie die Kulturdezernentin: Ein kostendeckender Betrieb des Schlossmuseums ist möglich, ein Ansturm von knapp 100.000 Besuchern pro Jahr realistisch.
Weil räumt ein, dass die vormaligen Berechnungen maßgeblich daran krankten, dass die hohen Besucherzahlen nicht hinreichend begründet wurden. „Das Museum ist Teil eines Gartenensembles, das schon heute 450.000 Gäste anzieht“, sagt er. Wenn 2012 das Schloss steht, werde die Zahl vermutlich noch wachsen. Vergleiche mit anderen Schlossmuseen hätten gezeigt, dass die kalkulierte Besucherzahl nicht aus der Luft gegriffen sei.
Mit welchen Exponaten die Ausstellung in den beiden Schlossflügeln sowie im unterirdischen Museumstrakt punkten will, blieb auch am Mittwoch vage. Fest steht bisher, dass erst ab 2015 der ‚normale‘ Ausstellungsbetrieb beginnt, denn zuvor wird es zwei Sonderausstellungen geben, 2014 die Exponate zur Personalunion, 2013 die Eröffnungausstellung. Der Direktor des Historischen Museums, Thomas Schwark, betont aber, dass an Exponaten kein Mangel herrscht. „Wir werden hochrangige Stücke nicht nur aus dem Welfenhaus, sondern auch von anderen Leihgebern haben“, kündigt Schwark an.
Darunter werden aber weder die Kutschen aus dem Historischen Museum sein, weil sie in den Schlossflügeln nicht unterzubringen sind, noch die Leibniz-Handschriften, da diese zu lichtempfindlich sind. Neben der Dauerausstellung ab 2015 zum Thema „Leibniz und seine Zeit“ werde man wechselnde Sonderausstellungen zeigen. Weil sieht hierin die Chance, Wissenschaftsgeschichte erlebbar zu machen und die Nähe zu den wissenschaftlichen Tagungen der Volkswagenstiftung zu nutzen, die im Hauptgebäude des Schlosses abgehalten werden.
Falls jedoch die Besucherströme geringer ausfallen, gibt es nach Ansicht des Oberbürgermeisters mit den Öffnungszeiten noch eine „Stellschraube“, um die Kostendeckung aufrechtzuerhalten. Bisher ist geplant, an sieben Tagen in der Woche jeweils neun Stunden lang zu öffnen.
Die Stadt hat nun drei Szenarien entworfen, wie im Falle sinkender Besucherzahlen die Öffnungszeiten reduziert und damit auch die Personalkosten verringert werden können. Falls nur 60.000 Besucher pro Jahr ins Museum wollen, eine Zahl, mit der Drevermann ursprünglich kalkuliert hatte, dürfte das Museum nur an fünf Tagen für jeweils vier Stunden geöffnet sein. Das aber, so sagt Drevermann nun, sei nur ein „rechnerischer Wert“.
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