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Wiederaufbau Schloss Herrenhausen Was vom Schloss übrig blieb
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12:24 07.04.2010
Von Simon Benne

Nichts würde heute wohl noch an Johann Friedrich Heinrich Schnuphase erinnern. Vermutlich hätten ihn selbst seine eigenen Nachkommen längst vergessen, wenn da nicht der 27. Juni 1866 gewesen wäre. Die Schlacht bei Langensalza, Hannoveraner gegen Preußen. An diesem Tag rettete der kleine Soldat Schnuphase seinem König, dem blinden Georg V., das Leben. Plötzlich war Schnuphase wichtig. Sogar ein Maler kam und porträtierte ihn. Das Bild kam ins Schloss Herrenhausen – und Schnuphases Konterfei überdauerte die Zeiten als Kunstschatz inmitten einer Fülle von Kunstschätzen.

Das Schloss, das 1943 zerstört wurde, barg Hunderte von kostbaren Gemälden und Möbelstücken. Jetzt wollen einige engagierte Bürger das Schloss wieder aufbauen. Die passende Inneneinrichtung gäbe es noch – zumindest in Teilen. Denn viele Stücke waren ausgelagert, als die Bomben fielen, und überlebten so den Krieg. „Wo genau alle geretteten Kunstschätze in den Wirren der letzten Kriegsjahre gelandet sind, ist nur schwer zu ermitteln“, sagt die Kunsthistorikerin Alheidis von Rohr, die lange am Historischen Museum Hannover tätig war. Bei anderen Stücken ist gewiss, dass sie in Herrenhausen blieben. Zum Beispiel bei der Tapete.

Der 7,38 Meter lange Wandschmuck zeigt den reitenden Herzog Christian Ludwig inmitten von Hornbläsern und Hunden. Die kostbare „Herzberger Jagdtapete“ entstand um 1650 und hing zunächst im Welfenschloss im Harz. Im Jahr 1706 jedoch ging das Prachtstück auf Reisen – und zierte fortan, um einige Szenen ergänzt, das Falkenzimmer des Schlosses in Herrenhausen. „Man kann genau erkennen, welche Teile damals hinzukamen“, sagt Alheidis von Rohr. „Die neueren zeigen Menschen mit Dreispitz und Haarbeuteln – sie sind moderner gekleidet.“

Nach dem Krieg kam die berühmte Jagdtapete ins Fürstenhaus Herrenhausen, ein altes Palais im Besitz der Welfen – ebenso wie zahlreiche andere Einrichtungsstücke aus dem zerstörten Schloss. Zwei geschnitzte und vergoldete Tische von 1697, die von Putten getragen werden, fanden dort ebenso ein neues Domizil wie eine kostbare Gipsfigur, die König Ernst August darstellt.

Besonders Bilder aus dem Schloss fanden sich nach dem Krieg im Fürstenhaus wieder: Porträts von Leibniz und Herzog Georg von Calenberg etwa. Andere Gemälde zeigen eine „Ausfahrt Georgs V.“, dessen Kutsche an der Mühle von Limmer vorbeifährt, oder seine Frau Marie – nach ihr ist die Marienburg benannt – bei einem Ausritt. Auch das Porträt des Soldaten Schnuphase kam ins Fürstenhaus, in den Blauen Salon. So blieb in Herrenhausen noch ein Abglanz der vernichteten Pracht erhalten.

In den vergangenen Jahren allerdings haben die Welfen versucht, im großen Stil Kunstschätze zu Geld zu machen: „Sie haben auch viele Stücke aus dem Schloss Herrenhausen verkauft“, sagt Waldemar Röhrbein, früherer Direktor des Historischen Museums. Bei ihrer viel kritisierten Auktion auf der Marienburg im Oktober 2005 beispielsweise boten die Welfen auch Bücherschränke aus dem 19. Jahrhundert an, die wahrscheinlich im zerstörten Laves-Bau gestanden hatten. Auf einigen Möbelstücken klebten noch alte Etiketten mit der Aufschrift „Kgl. Schloss Herrenhausen“. Stühle aus dem Schloss gingen bei den sogenannten „Kellerlosen“ als minderwertige oder beschädigte Artikel für ein paar Tausend Euro weg.

Ein erhaltenes Inventarverzeichnis von 1708 listet Hunderte von Gegenständen auf, die sich damals im Schloss befanden. Darunter sind Kunstschätze wie eine „Lucretia“ von Lukas Cranach aus dem Jahr 1472, die heute im Landesmuseum hängt, und ein Gemälde, das Eva und ihre Kinder zeigt – gemalt um 1660 von der Äbtissin von Maubuisson, einer Schwester der Kurfürstin Sophie. „Auch dieses Bild wurde bei der Auktion auf der Marienburg von den Welfen verkauft“, sagt Alheidis von Rohr.

Welche Relikte aus dem Schloss sich derzeit noch in Herrenhausen befinden, ist unklar: Mauritz von Reden, Beauftragter des Hauses Hannover, gewährte der HAZ auch nach mehrmaliger Anfrage keinen Zutritt ins Fürstenhaus. Das Palais, das früher als Museum zugänglich war, ist derzeit für die Öffentlichkeit komplett geschlossen. Noch im April 2005 hatte Christian Prinz von Hannover, Sohn von Welfenchef Ernst August, Unterstützung für den Fall zugesagt, dass der Laves-Bau rekonstruiert werden sollte: „Für einen Wiederaufbau des Schlosses Herrenhausen“, erklärte er damals in einem Interview, würden wir reichlich Kunstgegenstände als Leihgabe zur Verfügung stellen.“

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