„Hier fehlen mehrere Hunderttausend Euro“, meint Lothar Schlieckau, Grünen-Fraktionschef und Vorsitzender des Kulturausschusses. Denn 2,62 Millionen Euro habe die Stadt vor zwei Jahren veranschlagt, um die beiden Gebäudeflügel für ein Museum herzurichten. Je eine Million Euro fließen aus Stadt- und Landeskasse, der Rest soll durch Sponsoren zusammenkommen. Doch wie die Stadtverwaltung bestätigt, hat bisher nur die Sparkassengruppe eine Spende von 162.000 Euro fest zugesagt.
Kulturdezernentin Marlis Drevermann (SPD) hat inzwischen die Investitionskosten nach unten korrigiert und setzt für den Innenausbau des Museums rund eine halbe Million Euro weniger an als bisher. Begründet wird die Korrektur damit, dass man nur noch mit Summen planen wolle, die die Stadt schon im Sack hat. „Dennoch werden wir weiterhin versuchen, Drittmittel einzutreiben“, sagt eine Stadtsprecherin.
Schlieckau fordert jetzt klare Verhältnisse. Er erwartet vom Kulturdezernat, dass die Investitionskosten noch einmal genau unter die Lupe genommen und alle Ungereimtheiten beseitigt werden. „Nun gilt es, richtig zu rechnen und die gesamte Kalkulation transparent zu machen“, fordert er. Dem stimmt auch FDP-Baupolitiker Wilfried Engelke zu. „Unklar bleibt zudem, wie das Schlossmuseum richtig beworben werden kann“, sagt er. Die für die Öffentlichkeitsarbeit veranschlagten Kosten von jährlich 11.000 Euro hält er für zu gering.
Schon bei den Betriebskosten für das Schlossmuseum ist der Kulturdezernentin ein Rechenfehler unterlaufen. Als sie ihre erste Kalkulation vor zwei Jahren vorstellte, vergaß sie, die Lohnnebenkosten der Museumsmitarbeiter zu berücksichtigen. Dadurch schnellten die Personalkosten bei der zweiten Rechnung enorm in die Höhe.
Die Investitionskosten wiederum sind ein anderes Kapitel: Die IVA KG, die das Schloss im Auftrag der Volkswagenstiftung errichtet, übergibt die beiden Museumsflügel im Rohbauzustand, Stadt und Land müssen den Innenausbau selbst schultern. Dazu gehört etwa, eine Sicherheitsanlage zu installieren und ein Beleuchtungskonzept zu erstellen. Der unterirdische Museumstrakt allerdings, der die beiden Flügel verbindet, wird dank einer Spende des Arbeitgeberverbands NiedersachsenMetall schlüsselfertig übergeben.
Freunde lassen Goldenes Tor strahlen
Unzählige Besucher haben es schon durchschritten und bestaunt: Das Goldene Tor im Großen Garten, das aus dem 17. Jahrhundert stammt, ist das Wahrzeichen von Herrenhausen. Seine typische Farbe und seinen heutigen Standort erhielt es allerdings erst 1938. Und im Laufe der Jahrzehnte musste der Glanz schon häufiger erneuert werden. Nun ist es wieder soweit: Damit das Tor auch künftig strahlen kann, steht eine Sanierung an. 20.000 Euro wird sie kosten, und die Freunde der Herrenhäuser Gärten übernehmen mit dem Haus- & Grundeigentümerverein die Kosten.
Sepp Heckmann, Vorsitzender der Herrenhausen-Freunde, strahlte am Montag selbst, als er die gute Nachricht kurz vor dem Saisonauftakt (am 27. März) verkündete. Das Tor ist nicht das einzige Projekt, das auf der Agenda des Vereins steht, der auf 2500 Mitglieder angewachsen ist. Eine zweite Sanierungs- oder Baumaßnahme wollen die Freunde in diesem Jahr noch finanziell unterstützten, auch mit Hilfe von Sponsoren. „Was wir auswählen und in welcher Größenordnung wir fördern können, ist zurzeit noch offen“, sagte Heckmann. Auf einer Prioritätenliste der Stadt stehen fünf Sehenswürdigkeiten. Dazu zählen das Gartentheater und der Palaisgarten hinterm Wilhelm-Busch-Museum, deren Verschönerung je 750.000 Euro kostet, sowie die Restaurierung der Wasserkunst, die mit 2,5 Millionen Euro veranschlagt ist. Eine Kostenschätzung für die Renovierung der Tempel Remy de la Fosse im Südwesten des Großen Gartens und für ein neues Ausstellungshaus im Berggarten gibt es noch nicht.
Der Freundeskreis, der über ein Jahresbudget von 100.000 Euro verfügt, unterstützt auch den Druck von Herrenhausen-Broschüren. Außerdem will der Verein mehr junge Leute in die Gärten locken. Eine kostenlose Jahresmitgliedschaft für Studenten der Landschaftsarchitektur ist schon im Angebot.
Die Kooperation mit der Leibniz-Uni habe sich etabliert, betonte Landschaftsarchitekt Prof. Joachim Wolschke-Bulmahn, der zum Vereinsvorstand gehört. So wird es vom 2. Juni an wieder die „Sommerakademie“ mit Vorträgen rund um die Gartenkunst geben. Am 3. und 4. Mai plant die Uni mit der Volkswagenstiftung ein Symposium zur internationalen Bedeutung Herrenhausens.
Andreas Schinkel und Juliane Kaune
HAZ.de Anmeldung
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