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Hannover & anderswo „Wir müssen zusammenbleiben“
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15:16 28.09.2018
„Ich habe mich gefreut, dass auf der ganzen Straße Menschen wie bei den großen Bands standen.“: Sänger Joris über seine erste Tour. Quelle: Klaus Sahm
Hannover

 

Joris, du hast schon als Kind angefangen, Musik zu machen. Wie kamst du dazu?

Ich habe einen großen Cousin, der Schlagzeug gespielt und mir die neuesten CDs von Green Day und Linkin Park vorgespielt hat. Ihm habe ich irgendwie nachgeeifert. Mit fünf Jahren habe ich angefangen, Schlagzeug zu spielen, später kamen Klavier und Gitarre dazu.

Wusstest du schon immer, dass du Sänger werden möchtest?

Ich wusste nicht gleich, dass ich Musiker werden wollte. Ich habe zwar immer Musik gemacht und während des Abis auch nicht allzu viel für die Schule gelernt. Dann bin ich aber erst mal nach Berlin gegangen und habe etwas im Bereich Studiotechnik gemacht. Nach einer Weile habe ich aber gemerkt, dass ich selbst Musik machen möchte. Erst spät habe ich mich getraut, diesen Weg auch zu gehen.

Schließlich ist es auch nicht einfach, ein erfolgreicher Musiker zu werden.

Ich glaube, in Deutschland geht das noch. Ich habe eine Zeit lang neben der Musik gejobbt und habe beides gut zusammen hinbekommen. Aber es hat sich dann alles sehr geändert, als mein erstes Album erschien, die Tourneen ausverkauft waren. Es war ein völlig neues, überwältigendes Gefühl für mich. Und natürlich ist es verrückt, Musiker zu sein, im Vergleich zu normaleren Berufen.

Durch deine Single „Herz über Kopf“ hat deine Karriere einen ordentlichen Schub bekommen. Wie hat sich dein Leben dadurch verändert?

Neu und ungewohnt war, dass die Konzerte auf einmal ausverkauft waren. Bei der allerersten Tour habe ich am Fenster gestanden und diese lange Schlange vor dem Club gesehen. Ich dachte: „Das gibt´s doch nicht.“ Ich habe mich gefreut, dass auf der ganzen Straße Menschen wie bei den großen Bands standen. Aber es gibt noch viele andere Dinge, die sich verändert haben. Zum Beispiel, dass ich viel reise, dass ich oft Leute und auch andere Musiker kennenlerne – und auch meine großen Idole auf Festivals.

Welche Idole haben dich nervös gemacht, als du sie das erste Mal getroffen hast?

Ich war sehr nervös bei Biffy Clyro oder Radiohead. Es ist halt Musik, die ich früher als Jugendlicher gehört habe – und auf einmal stehen diese Leute vor dir. Toll ist auch, dass ich Musiker wie die Jungs von Wanda kennenlernen durfte. Ich freue mich immer, sie zu treffen. Wenn ich in Berlin bin, gehe ich auch gern mit Philipp Dittberner los. Es ist wie ein großes Klassentreffen auf den Festivals.

Am 5. Oktober erscheint dein neues Album „Schrei es raus“. Worum geht es in deinen neuen Songs?

Es geht ein bisschen darum, dass man in der heutigen Zeit aufpassen muss, dass wir nicht zu sehr auseinanderdriften und jeder nur noch für sich allein kämpft. Stattdessen sollten wir alle für gemeinsame Werte einstehen. Spätestens jetzt, nach Chemnitz, ist es auch so, dass viele sich wieder für die demokratischen Werte positionieren, und es ist superwichtig für mich, dass dieses Thema auf der Platte ist. Auf der anderen Seite gibt es natürlich wieder introvertierte Momente, in denen es darum geht, dass es für viele Menschen manchmal ganz dunkel ist und dass man sich einsam fühlt.

In dem Song „Signal“ singst du von einer Revolution, die in dir schreit. Was würdest du gern revolutionieren?

Ich würde sehr gern unsere Gesellschaft revolutionieren. Dass man sich manchmal allein fühlt, obwohl man eigentlich gerade unter Hunderten von Leuten ist. Ich glaube, es ist wichtig, dass wir zusammenbleiben und uns trotzdem alle individuell entfalten können.

Deine Songs sind bekannt für ihre Emotionalität. Wie sehr nehmen sie dich beim Schreiben mit, musstest du dabei schon einmal selbst weinen?

Es kommt beim Schreiben oft vor, dass ich ganz tief in den Geschichten drin bin und ich dann, wenn Musik und Text zusammenkommen, manchmal eine Träne im Auge habe. Und oft muss ich mich bei traurigen Nummern wieder sehr tief in die Situation hineinbegeben und manchmal tut eine kleine Pause mir dann gut. Aber es gibt natürlich auch die fröhlichen Nummern auf dem Album, bei denen wir schon im Studio gemeinsam dazu ein bisschen abgefeiert haben.

Braucht es Mut, um über die eigenen Gefühle zu singen?

Es ist ja das, was man gerade fühlt – und da ist es für mich am Naheliegendsten, über diese Gefühle zu singen. Ich bin dadurch natürlich in gewisser Weise ungeschützt, aber ich finde, das ist nichts Schlimmes, sondern etwas Bereicherndes.

Mit gefühligem Radiopop bist du bekannt geworden, dein neues Album ist etwas rockiger geworden. Woher kam diese Richtungsänderung?

Ich glaube, dass es immer schon in mir gesteckt hat. Die ersten musikalischen Erfahrungen waren ja eher so im Hardrock-Bereich, aber auch die letzten drei Festivalsommer haben mich ein bisschen inspiriert.

Auf der Deluxe-Version deines neuen Albums sind auch Livesongs, die du auf Festivals gespielt hast. Ist das für dich ein anderes Gefühl als auf deinen Club-Konzerten?

Für mich ist beides superbesonders. Festivals sind halt meistens viel, viel größer als zum Beispiel das Capitol in Hannover. Aber dafür ist es ein Club, in dem jeder unmittelbar an der Bühne ist. Man ist sehr nah beieinander und da kommt dann jede Menge Energie auf. Und das ist was sehr Besonderes.

Bist du auf der Bühne immer du selbst oder ist das eher mehr so dein Künstler-Ich?

Ich heiße auch im echten Leben Joris und würde behaupten, dass ich das natürlich immer selbst bin. Trotzdem gibt es ein paar Seiten, die ich nicht mit auf die Bühne nehme. Manche Sachen behalte ich für mich, aber ich verändere mich in keiner Weise oder baue mir so was wie eine Fassade auf.

Bei deiner Tour nimmst du nun Lotte, Kelvin Jones, Max Prosa und Mister Me als Support-Künstler mit auf die Bühne. Wie ist die Zusammenarbeit mit ihnen entstanden?

In erster Linie sind das alles Freunde von mir. Ich habe mir gedacht, dass ich supergern meine Freunde dabei hätte, und insofern habe ich mich sehr gefreut, dass Max Prosa zum Beispiel in Hamburg und Hannover dabei ist. Seit meinem Abi habe ich schon seine Musik gehört, sie hat mich immer sehr fasziniert und als ich ihn dann getroffen habe und wir uns unterhielten, habe ich mich dann doch getraut, ihn zu fragen, ob er nicht Lust hätte, Konzerte für mich zu eröffnen.

Du hast bei Sessions mit allen vier Künstlern jeweils einen ihrer Songs und einen deiner Songs zusammen gesungen. Wie fühlt es sich an, fremde Texte als lyrisches Ich zu singen?

Auf jeden Fall anders. Es ist nicht meine eigene Geschichte, aber ich konnte mich bei diesen vier Leuten sehr gut in sie hineinversetzen. Ich habe sie alle sehr gern und kann mich daher auch auf ihre Art, Musik zu machen, einlassen und ihnen gerecht werden. Aber es ist klar, dass ich mich vorher damit auseinandersetzen muss, wie der Song genau gemeint ist.

Am 24. Oktober spielt Joris um 20 Uhr im Capitol, Schwarzer Bär 2. Tickets gibt es in allen HAZ-Ticket­shops und auf haz.de/tickets.

Die Plattenkritik zu Joris’ neuem Album „Schrei es raus“ von ZiSH-Autorin Nina Hoffmann findet ihr hier

Von Louisa Vietmeyer

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