Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
ZiSH Willkommen bei MADS!
Hannover ZiSH Willkommen bei MADS!
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:37 07.12.2018
Auch die Schülerinnen und Schüler der 9aR der Otto-Hahn-Schule in Wunstorf machen bei MADS mit. Quelle: Moritz Frankenberg
Hannover

Ob Instagram-Story oder YouTube-Clip – die Trendthemen im Netz kennen Jugendliche gut und genau, schließlich gehört das Smartphone zu ihrem Alltag. Klar, auch Nachrichten landen auf dem Display. Aber welche Informationen sind wirklich verlässlich? Wo kommen sie her, welche Quellen stecken dahinter, werden sie eingeordnet? Und was unterscheidet Social-Media-Kanäle von einer gedruckten Tageszeitung? Darüber machen sich jetzt rund 2500 Schülerinnen und Schüler verschiedener Klassenstufen an mehr als 120 Schulen in Hannover und dem Umland Gedanken – im Rahmen von „Medien an der Schule“ (MADS), dem neuen Schulprojekt der HAZ.

Aus ZiSH wird MADS. Quelle: Heidrich

Gemeinsam mit engagierten Sponsoren stellt die HAZ den beteiligten Klassen und Kursen kostenlos die Zeitung zur Verfügung, inklusive aller digitalen Kanäle. Auch Videos und Social Media kommen bei MADS zum Einsatz. Die Lehrer erhalten neben Grundlagenwissen zur Medienwelt aktuelle Arbeitsbögen und Newsletter mit Infos über Themen, die die Jugendlichen umtreiben.

„Das Themenspektrum ist viel breiter.“

Seit dieser Woche bekommen die Schülerinnen und Schüler die gedruckte Tageszeitung in die Klasse geliefert und lesen sie gemeinsam mit ihrer Lehrkraft – für viele eine Premiere, erzählt Verena Vogt, die an der Otto-Hahn-Schule in Wunstorf unterrichtet. „Sie lernen ein neues Medium kennen. Die Hemmschwelle, eine Zeitung in die Hand zu nehmen, ist einfach größer, als zum Smartphone zu greifen“, sagt die 34-Jährige. Die 25 Neuntklässler ihrer Inklusionsklasse sprechen nun über den Aufbau einer Zeitung, verschiedene Textformen – von der Meldung bis zur Reportage – und sie analysieren die Inhalte. „Das Themenspektrum ist viel breiter als das, was sie in ihren gefilterten Nachrichten-Streams auf dem Smartphone angezeigt bekommen – das finden viele toll und entdecken Neues“, sagt Vogt.

Auf MADS.de gibt es aktuelle Themen für junge Leser. Quelle: Heidrich

Dass die gedruckte Tageszeitung nicht das geläufigste Medium bei Jugendlichen ist, bestätigt auch Katharina Emde-Lachmund. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung in Hannover untersucht die Mediennutzung junger Menschen. „Online-Medien und soziale Netzwerke werden natürlich immer wichtiger – das heißt aber nicht, dass klassische Medien keine Rolle mehr spielen. Wesentlich ist, was die Eltern vorleben. Ein Zeitungsabo ist die halbe Miete“, sagt Emde-Lachmund. „Studien zufolge vertrauen Jugendliche der Tageszeitung und Tagesschau noch immer am meisten“ – das decke sich allerdings nicht mit den Medien, die sie tatsächlich nutzen.

„Wer informiert ist, engagiert sich auch eher.“

„Die meisten meiner Schülerinnen und Schüler sind nur online unterwegs, am liebsten bei YouTube“, bestätigt Arne Borstelmann. Der Lehrer am Gymnasium Burgdorf nimmt mit seiner 9. Klasse an MADS teil – „weil ich es gut und wichtig finde, über einen längeren Zeitraum digital und vor allem analog mit Medien zu arbeiten.“ Er hofft, dass die Jugendlichen sicherer und kritischer werden im Umgang mit Medien – also eine Info auch mal mit anderen Medien auf ihre Richtigkeit abzugleichen. „Letztlich sollen sie aber auch einfach Spaß am Lesen haben, einzelne Artikel genauer untersuchen oder lernen, Kommentare in einen politischen Kontext zu setzen.“

MADS gibt es gedruckt und online. Quelle: Heidrich

Eine ähnliche Motivation zum Mitmachen hat Katharina Franz, die mit ihren 19 Berufsschülern von der Werner-von-Siemens-Schule in Hildesheim die HAZ liest. Sie will den 16- bis 20-Jährigen angehenden Industriemechanikern durch das MADS-Projekt einen Kontakt zur gedruckten Zeitung ermöglichen. „Ich möchte, dass die Schüler lernen, mit dem ständigen Informationsfluss besser umzugehen. Viele igeln sich in ihrer eigenen Welt ein.“ Dabei sei es wichtig, verschiedene Blickwinkel kennenzulernen, eine eigene Meinung zu entwickeln und diese in Diskussionen vertreten zu können. Denn: „Wer informiert ist, engagiert sich auch eher.“ Martin Huisman vom Montessori Bildungshaus in Hannover ergänzt: „Oft höre ich von meinen Achtklässlern: ‚Das hat doch mit meinem Leben nichts zu tun!‘ – hat es aber! Die Jugendlichen gucken nicht immer um die Ecke. Sie sollen lernen, warum Presse- und Meinungsfreiheit wichtig sind – und auch das Recht am eigenen Bild.“

Kritischer auf Medien schauen

Als Deutsch- und Politiklehrer hat Christian Grün gleich doppeltes Interesse an MADS: „Meinem Eindruck nach fällt es Schülerinnen und Schülern immer schwerer, Informationen richtig einzuordnen. Im Rahmen des Schulprojekts wollen wir vergleichen, wie ein Ereignis in Sozialen Medien und wie in einer seriösen Zeitung dargestellt wird.“ Die Jugendlichen sollen lernen, Qualitätsjournalismus als solchen zu erkennen und verstehen, dass er die Basis einer demokratischen Gesellschaft ist. „Sie sollen einfach kritischer auf Medien schauen und nicht alles glauben, was sie sehen und lesen.“ Das tun einige laut Katharina Emde-Lachmund übrigens auch schon: „Jugendlichen fällt es zwar oft schwerer, eine Nachricht einzuschätzen – aber sie fragen durchaus auch bei ihren Eltern oder Freunden nach.“ Mit MADS können sie das nun auch in der Schule.

Das aktuelle Projekt läuft noch bis Anfang Mai, im Frühjahr 2019 startet die Bewerbungsphase für das nächste MADS-Projekt in Hannover. Alle Infos für Lehrkräfte gibt es unter www.mads-projekt.de.

Von Nicole Wehr

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!