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ZiSH Was Fahrschüler vom Führerschein mit 16 halten
Hannover ZiSH Was Fahrschüler vom Führerschein mit 16 halten
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11:28 13.07.2018
Mit 17 hinterm Steuer: Lucas Ritter macht bei Joachim Meyer von der Fahrschule Niepel in der Südstadt den Führerschein. Quelle: Clemens Heidrich
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Hannover

Lucas Ritter nimmt hinter dem Steuer Platz und überprüft routiniert, ob Spiegel und Sitz richtig eingestellt sind. Unsicher ist der 17-jährige Fahrschüler nicht mehr. „Ich bin beim Autofahren recht entspannt“, sagt Lucas. Seit einem knappen Jahr ist er dabei, seinen Führerschein zu machen. „Ich hatte nicht immer genug Zeit, deshalb will ich den Führerschein jetzt in den Sommerferien fertig machen“, erklärt der Schüler.

Dass Fahrschüler länger als ein halbes Jahr für ihre Fahrerlaubnis benötigen, ist nichts Ungewöhnliches. Und das liegt nicht nur daran, dass sich die Fahrschüler viel Zeit lassen. „Das Problem ist, dass der Andrang der Fahrschüler gleichbleibend ist, aber die Fahrlehrer immer weniger werden“, sagt Roman Behrens, der Kreisvorsitzende des Fahrlehrerverbandes Niedersachsen. Diesen Engpass erlebt Behrens auch als Inhaber von „Ralfs Fahrschule“ in Hannover und Seelze. „Den Führerschein in unter drei Monaten fertig zu bekommen ist da schwierig“, sagt Behrens.

Weniger Fahrschüler unter 18

Seit 2004 haben bereits 17-Jährige wie Lucas die Möglichkeit, einen Führerschein zu machen – für das begleitete Fahren (BF17). Bis zum 18. Geburtstag muss immer eine Begleitperson mitfahren, die mindestens 30 Jahre alt ist und schon seit fünf Jahren eine Fahrerlaubnis besitzt. In Hannover machen davon laut Stadtverwaltung etwa 1300 Jugendliche pro Jahr Gebrauch. Doch während es viele früher gar nicht abwarten konnten, endlich den Führerschein machen zu können, spielt er heute scheinbar keine so große Rolle mehr: Legten 2015 genau 71 571 Niedersachsen die Prüfung zum begleiteten Fahren ab, waren es 2016 laut TÜV Nord noch 67 256, 2017 sank die Zahl auf 64 657. Die Mehrheit der Fahrschüler, die im vergangenen Jahr in Niedersachsen die Führerscheinprüfung bestand, war 18 oder älter (insgesamt 82 507).

In Niedersachsen sinkt die Zahl der 17-Jährigen mit Führerschein. Jugendliche erzählen, wie sie zum Führerschein stehen.

Die 18- bis 25-Jährigen von heute legten nicht mehr so viel Wert auf ein eigenes Auto, meint Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach: „Ein großer Teil der Generation Z hat praktisch keine emotionale Bindung zum Auto mehr.“ Wie eine von ihm geleitete Studie aus dem April zeigte, gibt es aber große Unterschiede zwischen Stadt und Land. Nur 36 Prozent der jungen Städter gaben dabei an, dass ihnen ein eigenes Auto wichtig ist. Auf dem Land hingegen, wo seltener Busse fahren, wo es weniger Teilautos gibt, dafür aber größere Distanzen, spielt das Auto für die meisten immer noch eine große Rolle: 55 Prozent der 18- bis 25-Jährigen gaben an, dass es für sie wichtig ist.

Trotz der sinkenden Zahlen befürwortet der niedersächsische Landtag quer durch alle Fraktionen, schnellstmöglich sogar das begleitete Fahren mit 16 einzuführen. Die Begründung: Wer mehr Fahrpraxis hat, fährt sicherer. Seit Einführung des begleiteten Fahrens mit 17 sei das Unfallrisiko von Fahranfängern um 20 Prozent gesunken. „Laut Studien halbiert sich das Unfallrisiko ab 5000 Fahrkilometern“, sagte der SPD-Abgeordnete Stefan Klein in der Landtagsdebatte. Ehe aber der Führerschein mit 16 kommt, muss zuerst die europäische Führerscheinrichtlinie geändert werden.

Frühe Fahrpraxis ist sinnvoll

Auch Fahrlehrerverbandschef Behrens findet den Führerschein mit 16 sinnvoll: „Begleitpersonen können bei schwierigen Verkehrssituationen rechtzeitig eingreifen und auf riskante Stellen hinweisen. Das erzielt einen guten Lerneffekt.“ Vielen unter 18-Jährigen ist der Führerschein allerdings schlicht zu teuer – sie sparen das Geld lieber für Smartphone, Laptop oder Urlaub. „Den Führerschein kann ich mir gerade nicht leisten“, sagt etwa der 17-jährige Schüler Phillip, „deshalb mache ich den später.“

Manche, so berichtet Lucas’ Fahrlehrer Jens Niepel, machten ihn sehr viel später: „Wir hatten auch eine 64-Jährige, die ihren Motorradführerschein gemacht hat“, sagt der Leiter von Fahrschule Niepel in der Südstadt . „Als sie ihren Führerschein hatte, haben wir von ihr ein Foto auf ihrer Harley auf der Route 66 bekommen.“

So weit entfernte Fahrziele hat Lucas noch nicht. Vorher steht schließlich die Prüfung an. Aber er ist optimistisch: „Ich fühle mich auf jeden Fall gut vorbereitet.“

Checkliste: So viel kostet der Führerschein

Bis du deinen Führerschein in den Händen hältst, ist es ein langer Weg. Diese Kosten kommen auf dich zu:

Sehtest, Erste-Hilfe-Kurs und Lichtbild: durchschnittlich rund 35 Euro.

Grundgebühr Fahrschule (inklusive Theorieunterricht): durchschnittlich 200 Euro.

Lehrmaterial: durchschnittlich 50 Euro.

Zulassungsbescheid vom Bürgeramt Hannover: Bearbeitungsgebühren je nach Alter. 17 Jahre: 52,10 Euro und 7,30 Euro für die Begleitperson. Ab 18 Jahren: 43,40 Euro.

Fahrstunden: durchschnittlich 30 Regelfahrstunden: rund 35 Euro pro Fahrstunde. fünf Überlandfahrten, vier Autobahnfahrten und drei Nachtfahrten: rund 40 Euro pro Fahrstunde.

Prüfungsgebühr beim TÜV Nord: Theorie: 22,49 Euro. Praxis: 91,75 Euro.

Je nach Fahrschule kann eine Gebühr für die Vorstellung zur Prüfung fällig werden: 100 bis 150 Euro.

Von Nina Hoffmann und Nele Kolf

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