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ZiSH Zeit für andere Seiten: Diese Bücher lohnen sich
Hannover ZiSH Zeit für andere Seiten: Diese Bücher lohnen sich
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13:50 14.08.2018
In anderen Sphären: Wer Ablenkung braucht, sollte mal wieder zum Buch greifen. Quelle: Kornél Máhl/Unsplash
Hannover

Die Ferien waren viel zu kurz? ZiSH gibt Buchtipps für eine Auszeit vom Alltag – bei literarischen Reisen in fremde Welten und fremde Leben.

„Die Zweisamkeit der Einzelgänger“: Tollpatsch mit Charme

Joachim Meyerhoff - „Die Zweisamkeit der Einzelgänger“. Quelle: Kiepenheuer & Witsch

In seinen Büchern wirkt Joachim Meyerhoff oft wie ein Verlierer – obwohl er 2017 zum zweiten Mal von der Zeitschrift „Theater heute“ zum „Schauspieler des Jahres“ gekürt wurde. Dass sein Berufseinstieg erst erfolglos war, zeigt sein autobiografisch geprägter Roman „Die Zweisamkeit der Einzelgänger“(KiWi-Verlag, Hardcover, 24 Euro).

Selbstironisch ehrlich erzählt Meyerhoff, Jahrgang 1967, darin von seiner turbulenten Zeit nach der Schauspielschule vor knapp 25 Jahren, etwa von seiner ersten großen Liebe. Besser gesagt, von seinen ersten drei großen Lieben: Meyerhoff verliebt sich in eine ehrgeizige Studentin, eine leidenschaftliche Tänzerin und eine gutmütige Bäckerin. Diese leben in verschiedenen Städten und ahnen nichts voneinander. Meyerhoff stolpert von einem Missgeschick ins nächste und schockiert sein Publikum mit unterirdischen Gesangsperformances. Außerdem beschäftigt er sich viel mit „seinen Toten“. So nennt er Vater und Bruder, die früh verstarben und stellt sich vor, sie würden ihn begleiten.

„Die Zweisamkeit der Einzelgänger“ ist unterhaltsam und nachdenklich. Auf einer Seite ist man zu Tränen gerührt, auf der nächsten lacht man Tränen. Das Buch ist der vierte Band in Meyerhoffs Reihe „Alle Toten fliegen hoch“. In den Vorgängern erzählt er aus der Kindheit und seiner Zeit an der Schauspielschule.

Von Ronja Wirts

„A Land of Permanent Goodbyes“: Das Schicksal in Person

Atia Abawi - „A Land Of Permanent Goodbyes“. Quelle: Penguin Random House

Tareqs Hals brennt, seine Ohren fiepen. Der Teenager, der bis vor Kurzem noch in einem friedvollen Umfeld lebt, kauert in den Trümmern der Wohnung seiner Familie. Um ihn herum sind Bomben explodiert. Wir sind im Sommer 2015 – das syrische Volk ist dem Terror des Assad-Regimes und des IS ausgesetzt. Das Land befindet sich im Bürgerkrieg.

In dem englischsprachigen Roman „A Land Of Permanent Goodbyes“ (Philomel Books, Taschenbuch, 12,99 Euro) erzählt die US-Journalistin Atia Abawi von Flüchtlingen und Abschieden – und lässt dabei auch eigene Erfahrungen einfließen.

Abawi kam in Deutschland als Kind afghanischer Flüchtlinge zur Welt, sie arbeitete als CNN-Korrespondentin in Kabul. Ihr Roman erzählt von dem syrischen Teenager Tareq, der seine Heimat und einen Großteil seiner Familie verliert. Als die Terrormiliz „Islamischer Staat“ immer mächtiger wird, beschließt seine Familie, das Land zu verlassen.

Neben der tragischen Geschichte packt vor allem die Erzählweise: Das Schicksal tritt als Person auf und schaltet sich ab und an in die Geschichte ein. Es erzählt von den Schwierigkeiten der Flucht, von Verlusten, Gefühlen und Hoffnungen eines normalen Teenagers. Seine Kommentare geben Einblick in das Wesen des Menschen und zeigen, dass in jedem von uns Gutes und Böses steckt.

Von Emma Schell

„Wolkenschloss“: Trügerisches Idyll

Kerstin Gier - „Wolkenschloss“. Quelle: Fischer Verlag

So hat sich Fanny ihr Praktikum im Grandhotel definitiv nicht vorgestellt. Statt mit den süßen Kindern von Prominenten zu spielen, findet sie sich angeschossen, mit einem bewusstlosen Kind im Arm und einer Diamantkette im Schnee vor dem Hotel wieder. Nach ihrer erfolgreichen Edelstein-Fantasytrilogie, in der es um die Liebe zweier Zeitreisender geht, hat Kerstin Gier im Oktober 2017 den Jugendroman „Wolkenschloss“ (Fischer, Hardcover, 20 Euro) veröffentlicht. Darin macht die 17-jährige Fanny ein Praktikum als Kindermädchen im altehrwürdigen Hotel Wolkenschloss in den verschneiten Schweizer Bergen. Ihr Job ist schwieriger als gedacht: Kaum schaut sie einmal weg, rutschen zwei Kinder einen Berghang hinunter und fast vor ein Auto. Auch der strenge Hotelchef macht Fanny das Leben schwer – anders als sein Sohn, in den sie sich verliebt. Als im Hotel schließlich Diamanten verschwinden und eines der Kinder in Fannys Obhut fast entführt wird, ist die Bergidylle endgültig dahin.

Wie Fans es von ihren früheren Büchern kennen, erzählt Kerstin Gier diese spannende Geschichte in humorvollem Stil. Liebevoll charakterisiert sie die Figuren und das verschneite Berghotel. Mit diesem Buch und einer Tasse Tee kann man sich an einem verregneten Tag wunderbar im Bett verkriechen.

Abby Amoakuh

„Ich beobachte dich“: Gefahr hinter jeder Ecke

Chevy Stevens - „Ich beobachte dich“. Quelle: Fischer Verlag

Manchmal kann man nicht anders, als in dunklen Gassen einen nervösen Blick über die Schulter zu werfen – „Ich beobachte dich“ (Fischer, Taschenbuch, 14,99 Euro) wird diesen Drang nicht lindern. Denn in einem solchen Moment entdeckt Protagonistin Lindsey unerwartet ihren gewalttätigen Ex-Mann Andrew hinter sich. Und das, obwohl Lindsey mit ihrer Tochter extra in eine andere Stadt gezogen ist, um Andrew nie wieder sehen zu müssen und sich ein neues Leben aufbauen zu können.

Die Mutter und die 17-jährige Sophie haben in dem Thriller des Kanadiers Chevy Stevens immer wieder das Gefühl, von Andrew verfolgt zu werden. Zehn Jahre ist es her, dass er im Gefängnis gelandet ist. Jetzt ist er frei und verfolgt nur ein Ziel: Er möchte seine Familie zurück – egal wie.

Doch das taffe Mutter-Tochter-Gespann kämpft um sein Leben und beeindruckt durch seinen engen Zusammenhalt. Wer auf Spannung steht und kein Problem mit häufigen Perspektivwechseln, Wendungen und Rückblicken hat, sollte sich den Thriller unbedingt holen. Wer gerne abends vor dem Schlafengehen zum Buch greift, sollte sich allerdings versichern, dass niemand unter dem Bett liegt. Nina Hoffmann

„Wege, die sich kreuzen“: Finnische Tragödie

Tommi Kinnunen –“Wege, die sich kreuzen“ Quelle: Verlagsgruppe Random House GmbH

Alles andere als zimperlich geht der finnische Autor Tommi Kinnunen mit seinen Lesern um. Schon auf den ersten Seiten seines Debütromans „Wege, die sich kreuzen“ (DVA, 20 Euro) beschreibt er ausführlich, wie Hebamme Maria Anfang des 20. Jahrhunderts eine Totgeburt aus dem Mutterleib zerrt.

„Wege, die sich kreuzen“ ist eine Familientragödie in vier Akten. Nicht nur Maria ist ein Teil des Buchs gewidmet, sondern auch ihrer Tochter Lahja, deren Schwiegertochter Kaarina und Lahjas Ehemann Onni. Nach und nach offenbart der Bestseller-Roman die Schicksale dieser vier Familienmitglieder, die ihr Dasein in dem kleinen, nordfinnischen Städtchen Kuusamo fristen.

Autor Kinnunen stammt selbst aus der Kleinstadt nahe der russischen Grenze, heute arbeitet er als Lehrer in der Küstenstadt Turku im Südwesten Finnlands.

Mit seinem Erstlingswerk ist ihm ein bedrückendes Familiendrama gelungen, in dessen Mittelpunkt starke Frauen stehen. Wer leicht Verdauliches sucht, ist bei Kinnunen falsch, denn sein Roman ist so gar nicht kurzweilig. Dafür stellt er dem Leser vier spannende Figuren vor, die ihre Träume zwar nie erreichen, aber doch immer weitermachen. Johanna Stein

„I hate Everyone but you“: Alte Freunde, neues Leben

Gaby Dunn and Allison Raskin - „I Hate Everyone But You“ Quelle: Macmillan

„I Hate Everyone But You“ (Macmillan, Taschenbuch, 12,99 Euro) ist ein besonderes Buch. Denn die Geschichte der besten Freundinnen Ava und Gen wird anhand von Kurznachrichten und Mails erzählt. Es ist die einzige Möglichkeit für die beiden, einander aus ihren Leben zu berichten, denn sie leben Tausende Kilometer voneinander getrennt in verschiedenen Ecken der USA.

Witz und Wortgewandtheit der Mädchen in den kurzen Nachrichten sind beeindruckend. Die Protagonistinnen erzählen sich so vom holprigen Beginn ihrer Studienzeit: So tritt Ava aus Angst, keine Freunde zu finden, einer Studentenverbindung bei. Gen hat währenddessen mit der Alkoholsucht ihres Vaters zu kämpfen. Aber auch schräge Mitbewohner, Selbsterfahrungen und Coming-outs sind ein Thema bei den beiden.

Anders als der Titel es vermuten lässt, handelt es sich um einen Roman, der gute Laune macht: Die Autorinnen Gaby Dunn und Allison Raskin zeigen, wie eng eine Freundschaft trotz Tausender Kilometer Entfernung sein kann. Dass die Sticheleien, Missverständnisse und Insiderwitze im Buch glaubwürdig und lebendig erscheinen, hat wohl auch damit zu tun, dass die Autorinnen ebenfalls beste Freundinnen sind. „I Hate Everyone But You“ ist bisher nur auf Englisch erhältlich, aber ein Tipp für alle, die bald ins Studium starten. Isa Begemann

Von Emma Schell, Abby Amoakuh, Ronja Wirts, Johanna Stein, Nina Hoffmann und Isa Begemann

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