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ZiSH Das erleben junge Feuerwehrleute in ihrer Ausbildung
Hannover ZiSH Das erleben junge Feuerwehrleute in ihrer Ausbildung
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16:23 30.07.2018
Bereit für den Notfall: Während der Brandmeisterausbildung lernt Florian Fitz, Unfallopfer aus Autos zu befreien.  Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Sobald wir zu einem Einsatz müssen, bleibt nicht viel Zeit zum Umziehen.“ Dann benötigt Florian Fitz nur wenige Minuten, um in den ockerfarbenen Anzug mit den neongelb umrandeten Reflektoren zu schlüpfen. „Dann geht es nicht darum, ob die Haare sitzen, sondern, womöglich Menschen zu retten.“ Schnellstmöglich Stiefel, Anzug und Helm überzustreifen, ist nur ein Teil dessen, was der 24-jährige Brandmeister-Anwärter in seiner Ausbildung an der Feuerwehrschule in Stöcken lernt. Mit 46 anderen Azubis aus Hannover arbeitet er zwei Jahre lang auf den Abschluss hin.

Erst Büro, jetzt Retter

Vor einem Jahr hat Florian seinen Bürojob als Verwaltungsfachangestellter gegen die Feuerwehruniform getauscht. „Der Büroalltag hat einfach nicht zu mir gepasst“, sagt er rückblickend. Jetzt lernt er, Brände zu löschen und eingeklemmte Personen mit der Rettungsschere nach Verkehrsunfällen zu befreien. In Notfällen einzugreifen, das reizt Florian:„Die Arbeit bei der Feuerwehr ist abwechslungsreich.“
Der Lehrplan der angehenden Brandmeister ist breit gefächert: Neben Deutsch, Rechtsgrundlagen und Physik stehen Übungen und der Führerschein für die Einsatzfahrzeuge der Retter auf dem Stundenplan.
Eigentlich war Florians Berufswahl naheliegend: Abläufe und die Arbeit als Feuerwehrmann kennt er bereits seit Jahren aus der Freiwilligen Feuerwehr. „Diejenigen, die ohne vorherige Berufsausbildung direkt nach dem Schulabschluss ihre Ausbildung beginnen, werden mit einem ganz neuen Berufsalltag konfrontiert“, sagt Thomas Böhm, der an der Feuerwehrschule in Hannover unterrichtet. „Gerade während der Einsätze lernen die Azubis, Verantwortung zu übernehmen.“ Was Florian in zwölf Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr erlebt hat, kommt ihm nun zugute.

Blaulicht und Brände

Auch Nils Engemann möchte für die Berufsfeuerwehr arbeiten. Der 19-Jährige hat direkt nach dem Abitur mit seiner Ausbildung zum Notfallsanitäter bei der Feuerwehr begonnen. Das ist in Hannover erst seit 2015 möglich. Viele andere Bewerber entscheiden sich zuvor für eine Ausbildung in einem anderen Bereich – meist sind es technische Berufe.

Auch Nils’ Interesse für die Feuerwehr wurde bereits mit elf Jahren bei der Freiwilligen Feuerwehr geweckt. „Als Kind hat man bei der Feuerwehr vor allem die großen, roten Autos, das Blaulicht und das Feuerlöschen vor Augen“, sagt er. Während seiner Ausbildung zum Notfallsanitäter hat er noch einmal eine ganz andere Seite der Feuerwehr für sich entdeckt. „Ich lerne viel über die Anatomie des Menschen und wie ich in Notsituationen medizinische Hilfe leisten kann.“

Arbeiten im Team

Um die nötige Sicherheit zu bekommen, ist für die Azubis vor allem eines wichtig: Erfahrung bei richtigen Einsätzen zu sammeln – auch, wenn es für die jungen Männer dramatische und aufreibende Erlebnisse sein können. Der 19-Jährige musste schon wegen eines angedrohten Suizids ausrücken. „Zum Glück hatte die Person den Selbstmord nur angedroht und es dann nicht umgesetzt“, sagt Nils.
Er und Florian wissen, dass man als Feuerwehrmann viel Verantwortung trägt. Dass Florian in seinem Traumjob auch mit Unfall- und Brandopfern arbeiten muss, bereitet ihm keine Sorgen. „Wenn man diese Ausbildung machen möchte, muss man sich auch diesen Seiten des Berufs bewusst sein“, erklärt Florian. Vor einem Einsatz ist er deshalb nicht angespannt, sondern eher erwartungsvoll, seine neu gewonnenen Fähigkeiten einzusetzen. „Wenn ein Einsatz doch mal problematischer ist, sind die Kollegen die beste Seelsorge“, sagt der 24-Jährige. Wenn Florian sich mal nicht richtig zu verhalten weiß oder bei einem Einsatz während seines Praktikums bei der Feuerwache unsicher ist, wendet er sich an die erfahreneren Kollegen. „Bei der Feuerwehr funktioniert alles nur im Team“, sagt er.

Nina Hoffmann

„Ich bin immer bereit für Einsätze“ - Warum ich bei der Freiwilligen Feuerwehr bleibe

Mit gerade mal acht Jahren zog es Lea Ohlinger zur Freiwilligen Feuerwehr – auch, wenn es zunächst nur die Kinderfeuerwehr war. Natürlich musste sie dort noch keine Brände löschen, aber wichtige Einblicke in die Arbeit der freiwilligen Retter bekam sie allemal. Und Teamgeist und Hilfsbereitschaft wird auf ihrer Wache in Dedensen bei Seelze auch den Kleinsten mitgegeben.

Inzwischen ist sie 17 und weiß, was es heißt, ständig einsatzbereit zu sein: Vor einem Jahr rückte sie in die Einsatzabteilung nach. Als Freiwillige Feuerwehrfrau muss sie nun immer bereit zum Einsatz sein, wenn sie zu Hause oder in der Nähe der Wache ist – selbst wenn es mitten in der Nacht ist. Ein Melder, den sie stets bei sich trägt, piept, wenn es eine Einsatzalarmierung gibt.„Das ist immer noch aufregend“, sagt Lea. Gefährlich ist es für die 17-Jährige bei einem Einsatz noch nie geworden. „Bei den Feueralarmen war ich irgendwie immer verhindert“, sagt sie. Das kann sich allerdings jederzeit ändern.

Zusätzlich zu den möglichen Einsätzen muss sie einmal in der Woche auch zum Übungsdienst antreten. Dann wird der Ernstfall geprobt. „Alles zusammen ist manchmal stressig“, sagt Lea. „Als ich zum Beispiel mitten in der Abitur-Phase war, hatten alle Verständnis, dass ich nicht zu den Einsätzen kam.“ Für ihr Studium zieht Lea nun nach Gießen. Ihr Hobby will sie aber nicht aufgeben. „Ich habe dort schon eine Freiwillige Feuerwehr gefunden, wo ich weitermachen kann“, freut sie sich

Doch noch zur Berufsfeuerwehr zu gehen – das kann sich Lea jedoch nicht vorstellen. Sie will lieber freiwillig und ehrenamtlich den Menschen helfen: „Ich möchte kein Geld dafür bekommen, wenn ich einfach nur helfe.“

Jeffrey Ji-Peng Li

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