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ZiSH So ist ein FSJ-Sport an der alten Schule
Hannover ZiSH So ist ein FSJ-Sport an der alten Schule
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11:33 28.02.2018
Zwischen Lehrer und Kumpel: Pierre spielt mit Schülern, hat aber auch eine eigene AG.
Hannover

Die Schulglocke läutet. Auf dem Weg in die Pause laufen Hunderte Schüler durch die Gänge des Gymnasiums Lehrte. Mittendrin der 19-jährige Pierre Wehlauer. Vor einem Jahr war er hier selbst noch Schüler. Jetzt verbringt er seine Pausen im Lehrerzimmer: Der Abiturient absolviert ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Sport an seiner alten Schule. Und er fühlt sich in seiner neuen Rolle sichtlich wohl.

Für die Schüler ist er jetzt eine Mischung aus Kumpel und Lehrer. „Herrn Wehlauer“ nennt ihn hier niemand. „Ich lege viel Wert darauf, freundschaftlich mit den Jugendlichen umzugehen. Die meisten Schüler kennen mich sowieso noch aus meiner eigenen Schulzeit.“ Bei den Lehrern ist das nicht anders. Dennoch behandelten sie ihn nicht mehr wie einen Schüler, betont Pierre. „Wenn sie zum Beispiel meine Hilfe brauchen, dann fragen sie mich einfach direkt.“

Seminare und Fußball-AG

Mit dem Schuljob verdient Pierre 300 Euro im Monat. Für eine eigene Wohnung reicht das allerdings nicht. Aber es ist für ihn ein guter Test, ob ihm die Arbeit liegt: Nach seinem FSJ möchte Pierre gerne ein Duales Studium für Soziale Arbeit beginnen.

Als FSJler betreut er die Schüler der Unterstufe, hilft ihnen bei den Hausaufgaben und krökelt mit den Fünft- und Sechstklässlern. Außerdem unterstützt er Jugendliche, die wenig Deutsch sprechen. Hauptsächlich ist er aber im Sportunterricht dabei. 

Zum FSJ gehören auch Sportseminare. Vor Beginn wählt man eine Sportart oder Sparte aus. Pierre hat sich für Breitensport entschieden, also für Sportarten wie Fußball oder Volleyball. „Während der Seminarzeiten, die über das Jahr verteilt sind, lernt man viel über Bewegung und Zusammenhalt im Sport  – aber auch über rechtliche Dinge, die man beachten sollte“, berichtet Pierre. 

Am Gymnasium leitet Pierre auch eine eigene Fußball-AG. „Es ist nicht so wichtig, ob die Schüler am Ende alle Profifußballer werden wollen. Es geht viel mehr darum, dass sie sich einfach mal austoben und einen neuen Sport kennenlernen können. Anders als erwartet haben sich sogar echt viele Mädchen angemeldet“, erzählt er grinsend. 

Arbeit mit Geflüchteten

Dass Pierre bei den Schülern gut ankommt, stellt er aber auch im regulären Unterricht unter Beweis. Dort arbeitet er mit Geflüchteten. „Bei uns an der Schule gibt es sogenannte Sprachlernklassen“, erklärt der stellvertretende Schulleiter des Gymnasiums Lehrte, Mannfred Filsinger. „20 Stunden in der Woche haben die Schüler in separaten Klassen Deutsch, Mathe, Englisch und Sport. In den restlichen acht Stunden in der Woche sind sie in ihrer Regelklasse.“ 

Während seiner Arbeitszeit von 7.45 bis 15 Uhr ist Pierre oft in diesen Sprachlernklassen. Er unterstützt Schüler und Lehrer, erklärt mal eine Matheaufgabe oder ist beim Sportunterricht dabei. „Einmal haben wir auch zusammen gekocht. Da gab es dann viele nationale Gerichte aus den Herkunftsländern der Kinder.“ Solche Aufgaben gefallen dem 19-Jährigen sehr.

Kickern in der Freistunde

Wenn bei den Fünft- und Sechstklässlern mal eine Stunde ausfällt, geht der FSJler mit ihnen in die „Alte Mensa“. In dem Pausenraum mit den holzvertäfelten Wänden, der ein wenig an eine Turnhalle erinnert, können sich die Schüler beschäftigen. Kickertische, zwei Fußballtore und ein Billardtisch – Möglichkeiten zum Spielen gibt es hier genug. „Die Schüler können hier quatschen, aber auch ihre Hausaufgaben machen“, erzählt Pierre. Die „Alte Mensa“ liegt ihm besonders am Herzen, denn hier verbringt er viel Zeit. „Es gefällt mir sehr gut, mit den Jugendlichen zu arbeiten. Man hat das Gefühl, dass man wirklich etwas bewegt.“ 

Von Alisa Walenziak

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