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ZiSH Fernsehen von allen
Hannover ZiSH Fernsehen von allen
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20:56 20.09.2012
Fragwürdige Erziehungsmethoden: Fresh Torge in seiner Rolle als aufbrausender Familienvater Andreas. Quelle: Screenshot
Hannover

Y-Titty, das sind Phillip „Phil“ Laude (22), Matthias „TC“ Roll (21) und Oguz „OG“ Yilmaz (21) aus Köln. Bekannt geworden ist das Komiker-Trio mit Parodien von Charthits, die es auf seinem YouTube-Kanal veröffentlicht. Ihre Version von Gotyes „Somebody That I Used To Know“ hat über zwölf Millionen Klicks. 

Könnt ihr euch an euer erstes Video erinnern, das ihr bei YouTube hochgeladen habt?
Aus Spaß haben wir 2006 ein „Jackass“-ähnliches Stunt-Video für unsere Freunde hochgeladen. Ziemlich bald hatten wir ein paar Tausend Klicks.

Wann kam der Durchbruch?
Lange war das Videodrehen nur ein Hobby. Der Durchbruch kam in mehreren Phasen: Mit unserer „Twilight“-Parodie hatten wir 30 000 Zuschauer. Als wir einen Eminem-Song aufgenommen haben, haben den schon zwölf Millionen Menschen angesehen. Seit dem Gotye-Cover schauen ungefähr 20 Millionen Menschen im Monat unsere Videos.

Könnt ihr überhaupt noch unerkannt zum Supermarkt gehen?
Auf Events wie der Gamescom, einer großen Messe für Videospiele, haben wir 2000 Autogramme gegeben. Aber auch auf der Straße werden wir häufig erkannt, vor allem, wenn wir zusammen unterwegs sind.

Inwiefern hat sich euer Leben durch eure YouTube-Karriere verändert?
Unsere Studiengänge haben wir erst mal abgebrochen, weil die Videos eine Menge Zeit in Anspruch nehmen. So ein Dreh kann schon mal 30 Stunden dauern. Aber es macht uns total viel Spaß.

Ihr seid offizielle YouTube-Partner, bekommt also Seminare und Lehrgänge angeboten. Wie sei ihr YouTube-Partner geworden?
Nachdem wir 2009 unser Abi in der Tasche hatten, haben wir uns einfach beworben. Es ist eine überraschende Gegebenheit. Zwar war das Videodrehen immer unser Berufswunsch, aber wir hätten nicht gedacht, dass es so schnell geht!

Als YouTube-Partner werdet ihr außerdem an Werbeeinnahmen beteiligt. Habt ihr noch lästige Nebenjobs?
Wir verdienen ungefähr eine Milliarde Euro in der Woche (lacht). Nein, aber wir können von den Einnahmen gut leben und unsere nächsten Videos finanzieren.

Wie sehen die Zukunftspläne von Y-Titty aus?
Wir hatten schon immer große Pläne: Und zwar frischen Wind in die deutsche Comedyszene zu bringen. Auf welcher Plattform wir das machen, ist uns egal, aber das Internet und YouTube werden immer wichtig für uns sein.

Interview: Manuel Behrens und Isabell Rollenhagen

Gronkh: Herr der Zocker

"Überall diese blöden Tölen!“, schimpft Erik Range. Dann zückt er eine Spitzhacke und überlegt. Vielleicht ist das Schwert doch besser. Er scheucht die Hunde in einen Käfig und baut in Sekundenschnelle einen Zaun drumherum. Erik Range spielt Minecraft. Seine Zuschauer bei YouTube kennen ihn unter dem Namen Gronkh. Minecraft ist eine pixelige Welt, in der man tun und lassen kann, was man will: Bauen, kämpfen oder eben Hunde ärgern – Level gibt es nicht.

Gronkh spielt einfach und dabei schauen ihm Tausende auf seinem Kanal zu. Bei „Let’s Play“ oder „Let’s Show“ kommentiert ein Spieler sein Vorgehen. Gronkh weiß dabei seine Zuschauer mit lustigen Kommentaren zu unterhalten. Genau das hat Gronkh gemacht und im Internet veröffentlicht. Anderen beim PC-Spielen zuschauen soll langweilig sein? Anscheinend nicht: Gamer und Zuschauer, die sich gern vom sympathischen Zocker unterhalten lassen, danken es ihm mit Klicks – und YouTube mit Geld aus den Werbeeinnahmen. Pro Video erzielen Gronkhs „Let’s Plays“ über eine Million Klicks. Vor etwa zwei Jahren stellte der jetzt 35-Jährige sein erstes „Let’s Show“-Video auf YouTube. Inzwischen gibt es dort schon über 770 Minecraft-Let’s-Play-Folgen von Gronkh. Die Zuschauer können in den Kommentaren mitbestimmen, welche Spiele er als Nächstes kommentieren soll: ob Rollenspiel, Horror oder Simulator. Mit Computerspielen hat Erik auch beruflich zu tun: Er arbeitet bei „Play-Massive“, einem Netzwerk aus mehreren Spiele-Seiten, bei denen er als Programmierer und Designer tätig ist.

Gronkhs Hobby begeistert die Fans: Unter den Videos finden sich Kommentare wie „Er hat sowas wie eine neue Religion erfunden“. Oder: „Das Beste, was YouTube zu bieten hat, ist entstanden “. Ob Gronkh vorher schon wusste, dass er später zur Internetberühmheit wird, ist unklar. Aber, wenn man seine Zuschauer fragt – er hat es geschafft.

Isabell Korth

Daaruum: Schminke, Schminke!

Noch einen Videoblog über Schmink- und Stylingtipps? Von einer Abiturientin, die sich vom Taschengeld Kosmetikartikel kauft? Warum? „Daaruum!“, sagte sich wohl die Bloggerin mit den langen dunklen Haaren, großen Kulleraugen und Schmollmund – und nannte sich fortan auch so. Ihren echten Namen will sie nicht verraten.

Die heute 22-Jährige Daaruum wirkt in ihren Videos keinesfalls überheblich oder allwissend. Fast schüchtern und sehr sympathisch redet die Berlinerin in ihre Kamera. Und damit ihre Videos nicht so langweilig werden wie die einiger Kolleginnen, waren die Zuschauer von Anfang an nach ihren Meinungen und Anregungen gefragt.

Schon nach zwei Monaten hatte Daaruum 60 Videos auf ihrem Kanal hochgeladen. Bei 30 000 Klicks ließ YouTube nicht lange auf sich warten und machte sie zum Partner. „Viele folgen meinen Videos, weil sie die Ratschläge ausprobieren möchten. Einige gucken sie aber auch nur, weil sie mich sympathisch finden und ich versuche, sie zu unterhalten“, erklärt Daaruum ihren Erfolg.

Die Idee für ihren Kanal kam der Berlinerin aus einer Mischung aus Langeweile und der Suche nach einer Beschäftigung nach dem Abi. Und so nimmt Daaruum ihre Kamera seitdem überallhin mit: egal, ob sie zu Ikea fährt oder ein Rezept in ihrer Küche ausprobiert. Fast jeden Tag veröffentlicht die 22-Jährige ein neues Video für ihre Fans. Deshalb hat sie auch keinen anderen Job. „Später möchte ich auch noch in Richtung Medienwissenschaften studieren. Aber im Moment bin ich mit meinem Beruf vollkommen zufrieden und ausgefüllt“, sagt die Self-Made-Lebensberaterin.

Und bei mehr als 29 Millionen Klicks kann man bei der hübschen Video-Loggerin schon von einer echten Internetberühmtheit sprechen. Mittlerweile wird Daaruum sogar schon von ihren Fans auch auf der Straße erkannt. Sicherlich auch ungeschminkt.

Julia Wolter

Fresh Torge: Prominent durch Protest

Es war ein Sonntag im Jahr 2009 und Torge Oelrich war sauer. Tags zuvor lief „Deutschland sucht den Superstar“ und der Schulsozialarbeiter aus Dithmarschen wollte sich die Videos auf YouTube anschauen. Doch RTL hatte die Clips der Castingshow aufgrund von Urheberrechtsverletzungen sperren lassen. Torge fasste seine Wut in Bilder: Aus Nachrichtenmeldungen und Interviews schnitt er ein Protest-Video gegen RTL zusammen. „Warum macht RTL so einen Mist?“, sagt Smith scheinbar entsetzt.

Mit jenem lustigen Video begann an einem Sonntag Torges Internetkarriere: YouTube-Nutzer, die an diesem Tag auch auf der Suche nach den Worten „DSDS“ oder „RTL“ waren, bekamen sein Video als Suchvorschlag – und viele schauten es sich an.

Seitdem ist aus TorgeFresh Torge“ geworden, und mit seinem Youtube-Channel „freshaltefolie“ verdient er Geld. Seine Videos sind Parodien auf den alltäglichen Wahnsinn im Reality-TV. Zum Beispiel die Dokusoap „Frauentausch“: Als cholerisch veranlagter Familienvater Andreas nimmt er sowohl das Publikum wie auch die Darsteller aufs Korn. Seine Leihgattin lässt Andreas im Garten schlafen. Als diese Einspruch erhebt, fährt er ihr mit „Halt Stopp!“ ins Wort. Neben markanten Figuren aus dem Fernsehen spielt Torge auch Charaktere, die er selbst erfunden hat. Zum Beispiel Sandra: Eine naive und pubertierende Göre mit ganz eigenem Blick auf ihre Welt. Die Follower des Channels können Sandra auf dem schweren Weg durch ihr Leben begleiten. Dabei gibt Torge sich keine großartige Mühe, sich als Frau zu verkleiden: Ohne Kostüm füllt er die Rolle der Sandra aus. Aus dieser Offensichtlichkeit rührt auch der Witz der Rolle.
Etwa 160 Videos hat Torge inzwischen auf seinem Kanal – mit über 64 Millionen Klicks. Zahlen, die man bei RTL sicherlich auch gerne sehen würde.

ZiSH

Coldmirror: Nicht in dem Ton!

Kathrin Fricke hatte es nicht einfach: Ein Todesfall in der Familie, ständig Ärger mit dem Vater und Selbstmordgedanken in der Jugend. Nur die Leidenschaft zur „Harry-Potter“-Reihe habe sie am Leben gehalten. Aber außer einem Hang zu schwarzen Klamotten ist nichts von dieser dunklen Seite zu sehen, wenn Coldmirror, wie sie sich bei YouTube nennt, vor ihrer Webcam sitzt, Grimassen schneidet und Stimmen imitiert.

Mit Erfolg: 2006 begann die studierte Kunstwissenschaftlerin „Harry Potter“-Filme neu zu vertonen. Nur wenige Deutsche hatten vorher ähnlichen Erfolg bei YouTube wie Coldmirror. In einer ihrer ersten Neuvertonungen, „Harry Potter und der Pornokeller“, sind die Zauberer Harry und Ron nun dümmliche Chaoten, Hermine trumpft mit auswendig gelernten Wikipedia-Artikeln auf und Schulleiter Dumbledor wird zum unbegabten Rapper Fresh D. Doch die Eigentümer der Filmrechte, Warner Brothers, ließen Kathrins Kanal zwischenzeitlich sperren. Die Filme verbreiteten sich trotzdem weiter.

Von „Harry Potter“-Synchronisation hat sie sich losgesagt und vor allem Vielseitigkeit bewiesen: Neben ihrem Video-Blog produziert sie Zeichentrickfilme und Hörspiele. „Alles, was es auf YouTube bisher gab, war nicht mein Humor. Deshalb habe ich mein eigenes Ding gemacht“, erzählt die 28-Jährige in einem Interview.

Ihre Kreativität wurde belohnt: Vor zwei Jahren wurde der Fernsehsender Einsfestival auf Kathrin aufmerksam. Seitdem produziert sie einmal pro Monat eine Sendung namens „Coldmirror“. Dort moderiert Kathrin zwischen lose zusammenhängenden Clips, satirischen Werbespots oder selbst komponierten Hip-Hop-Songs, die sie Politikern in den Mund legt. Zurzeit könne sie gut von ihren Videos leben. Konkrete Pläne für die Zukunft hat sie nicht. Für alle ambitionierten Hobbyfilmer hat sie jedoch eins bewiesen: YouTube ist bereits fürs Fernsehen.

Theresa Kruse

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