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Darum lohnt sich ein Jahr voller Praktika

Praktika im Gap Year Darum lohnt sich ein Jahr voller Praktika

Abi –und was dann? Greta Friedrich entschied sich dafür, ein Jahr lang Praktika zu absolvieren. Eine gute Entscheidung: Denn danach war ihr klar, was sie studieren möchte.

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Neues lernen: Greta (20) hat im Praktikum gemerkt, dass es gar nicht so schlimm ist, vor der Kamera zu stehen.
 

Quelle: Samantha Franson

Hannover/Hildesheim.  Dreh dein Gesicht noch etwas nach links – und jetzt so bleiben!“ Schon klickt die Kamera der Fotografin. Ich stehe in einem Kostümgeschäft in der Altstadt und teste Verkleidungen. Dabei wollte ich eigentlich direkt nach dem Abi anfangen, Journalistik zu studieren. Stattdessen mache ich erst mal ein Jahr lang Praktika. Für meine erste Praktikumsstelle bei der Fahrgastfernsehen-Redaktion musste ich nicht nur schreiben, sondern auch mal selbst vor die Kamera. 

Praktikum statt Studium

Wer in Hannover Journalistik studieren will, braucht ein Vorpraktikum. Da ich mich erst kurz vor dem Abi für den Studiengang entschieden hatte, war es schwer, noch einen Platz zu bekommen. In der kleinen Fahrgastfernsehen-Redaktion hoffte ich, viel Praxiserfahrung zu sammeln. Dort bot mir der Chef statt eines kurzen Schnupperpraktikums ein 9-wöchiges-Praktikum im Herbst an. Er überzeugte mich, erst mal ein Praktikumsjahr zur Orientierung zu machen, statt überstürzt ein Studium anzufangen. 

Als Praktikantin verdiente ich nur wenig oder sogar gar kein Geld – meist reichte es gerade so, um die Fahrkarten zur jeweiligen Redaktion zu bezahlen. Denn freiwillige Praktika, die nicht länger als drei Monate dauern, sind vom Mindestlohn ausgenommen. Dafür gilt ein freiwilliges Praktikum als geringfügige Beschäftigung und unterliegt der Sozialversicherungspflicht – meine Eltern musste ich von meinem neuen Plan also erst mal überzeugen. Schließlich müssten sie mich im folgenden Jahr weiter finanzieren. 

Noch vor dem ersten Praktikum schrieb ich die nächsten Bewerbungen. Das war schwerer als gedacht, weil viele Medienunternehmen, gerade die größeren wie der NDR oder der Verlag Gruner und Jahr, nur Schüler oder Studenten als Praktikanten nehmen. Als Abiturientin und Noch-Nicht-Studentin fiel ich durch dieses Raster. Beim kleinen lokalen Radiosender Tonkuhle klappte es dann mit einem Platz für drei Monate.

Sich selbst überwinden 

In sieben Monaten machte ich Praktika beim Fahrgastfernsehen, Radio Tonkuhle in Hildesheim und in der ZiSH-Redaktion. Ich besuchte unzählige Pressetermine, begleitete Fotografen bei ihrer Arbeit und spielte Fotomodel, schrieb kurze Meldungen, organisierte Foto- und Interviewtermine, führte Interviews, schnitt sie und produzierte daraus eigene Beiträge, moderierte Sendungen live, schrieb eigene Artikel für die Zeitung. Dabei stehe ich eigentlich weder gerne vor der Kamera noch spreche ich gerne fremde Leute an. 

In den Praktika habe ich gelernt, dass beides nicht so schlimm ist – und sogar Spaß machen kann. Als ich für Radio Tonkuhle auf einem Pressetermin im Zoo Hannover war, kannte ich die meisten Gesichter schon vom Fahrgastfernsehen-Praktikum. Wenn ich für ZiSH Texte über Musik schrieb, halfen mir meine Erfahrungen in der Musikredaktion beim Radio. Und bei kurzen Texten stellte ich mir vor, ich müsste eine 180-Zeichen-Meldung für das Fahrgastfernsehen schreiben.

Entscheidungen überdenken

Anfangs fand ich es bei jedem Praktikum schwer, mich in die vielen Aufgaben hineinzudenken und mit immer neuer Software umzugehen. Ich musste viel selbstständiger arbeiten als in der Schule – ich konnte ja nicht mal eben ein Buch über Radio-Tonschnitt aufschlagen. 

Statt wie vor den Praktika „Irgendwas mit Medien“ habe ich jetzt eine genauere Vorstellung davon, welche unterschiedlichen Jobs es in dieser Branche gibt. Nebenbei konnte ich in diesem Jahr meine Studien-Entscheidung noch mal gründlich überdenken. Und habe mich nach einem zweiwöchigen Schnupperstudium für den Studiengang „Technische Redaktion“ in Hannover entschieden – in den Journalismus führen schließlich mehr Wege, als ein Journalistik-Studium. 

Von Greta Friedrich

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