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ZiSH „Selbstironie gehört zur Kunst dazu“
Hannover ZiSH „Selbstironie gehört zur Kunst dazu“
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12:47 28.11.2014
Reflektierter als manche Kritiker denken: Revolverheld-Frontmann Johannes Strate. Quelle: dpa

Johannes, deine Band Revolverheld wird so leidenschaftlich gehasst wie kaum eine andere. Wie geht ihr damit um?
Wir machen unsere Musik für die Leute, die uns mögen. Wenn andere uns scheiße finden und das anonym im Internet äußern, ist das völlig legitim. Uns ist es eine große Ehre, zum Satireobjekt zu werden – das zeigt immerhin auch, dass die Leute einen kennen. Wenn dann auch noch Jan Böhmermann höchstpersönlich über einen spottet, ist das natürlich ein Ritterschlag.

Jan Böhmermann hat sich in seiner Late-Night-Show „Neo Magazin“ über euch lustig gemacht. Er hat ein verfälschtes Video gezeigt, bei dem dein Gesang durch eine sehr schiefe Stimme ersetzt wurde. Vergangene Woche seid ihr selbst in der Sendung aufgetreten – und habt dieses Video genauso schlecht nachgespielt. Ist Selbstironie ein gutes Mittel, um mit Kritik umzugehen?
Selbstironie ist auf jeden Fall wichtig und gehört zur Kunst dazu. Viele Musiker nehmen sich selbst viel zu ernst. Wir waren schon immer eine Band, die vieles leichtgenommen hat und über viele Sachen gelacht hat. Viele Scherze sind einfach so aus der Luft gegriffen, dass es fast schon komisch ist.

Auf Facebook und Twitter wurde auch viel über euch hergezogen. Liest du dir die Kommentare durch?
Ich lese mir davon nichts durch. Ich hab ein Kind zu Hause und beschäftige mich lieber mit reellen Dingen.

Im Wikipedia-Artikel von Jan Böhmermann stand bis vor Kurzem, dass ihr auch mal zusammen Musik gemacht habt und zusammen zur Schule gegangen seid. Stimmt das?
Mit Jan Böhmermann verbindet mich eine ganz schöne Geschichte. Wir sind nicht auf dieselbe Schule gegangen, aber auf Parallelgymnasien. Mit 14 sind wir immer in dieselbe Dorfdisko gegangen. Er war immer der kleine Schmächtige und hat Klavier gespielt. Ich hab ihn dann in die Band geholt. Irgendwann haben wir uns aber mal schlimm in die Haare bekommen und ich musste ihn leider rauswerfen.

Deine Bachelorarbeit hast du über das Thema „Eigenwahrnehmung von Popmusikern im Gegensatz zur medialen Wahrnehmung“ geschrieben. Wenn du über Revolverheld schreiben müsstest, was wäre dein Fazit?
Ich würde schreiben: „Revolverheld zeichnet vor allem ihre Spielfreude bei Livekonzerten aus. Wir versuchen, jeden, der ein Konzert besucht, mit einem Grinsen im Gesicht nach Hause zu schicken. Und meist gelingt uns das auch ganz gut.“

Du würdest Revolverheld also als eine fannahe Band beschreiben?


Ich würde schon sagen, dass wir eine fannahe Band sind. In den letzten zehn Jahren haben wir wahnsinnig viele Konzerte gespielt, „Meet and Greets“ gemacht und Fans getroffen. Wir versuchen, uns auch immer ein paar Minuten Zeit zum Quatschen zu nehmen. Dabei erfährt man übrigens auch immer recht schnell, wie wir wahrgenommen werden und ob wir vielleicht gerade irgendwo völlig ins Klo gegriffen haben.

Einen Großteil der Revolverheld-Songs schreibst du selbst. Reagierst du auf Kritik der Bandkollegen genauso lässig wie auf die von Böhmermann?
Klar: Zu Anfangszeiten der Band haben wir uns schon mal gelegentlich in die Haare gekriegt. Wenn man eine Idee aufschreibt und sie für den Song des Jahrhunderts hält, die Reaktionen der Kollegen im Proberaum aber eher verhalten sind, ist man natürlich total beleidigt. Heute schreiben wir ganz viele Songs und längst nicht alle schaffen es auf die Platte. Die legen wir dann erst mal in die Schublade der besonderen Dinge. Vielleicht passen sie doch zu einem anderen Album. Mittlerweile haben wir unsere Eitelkeiten, Egos und Befindlichkeiten ganz gut im Griff. Wir sind ein sehr familiäres Kollektiv, das Themen einfach sachlich ausdiskutiert.

Du bist selbst Popmusiker und warst Juror bei „The Voice Kids“. Wieso eigentlich bei „The Voice“ und nicht „Deutschland sucht den Superstar“?
Mir war wichtig, dass mit den Kindern respektvoll und positiv umgegangen wird. Bei „The Voice“ wird im Vorfeld von Psychologen und Lehrern genau gecheckt, wer die Belastung, vor einem Millionenpublikum zu stehen, tragen kann. Da wurde sehr behutsam ausgewählt. Das ist ein anderes Konzept als bei „Deutschland sucht den Superstar“, wo extra Leute eingeladen werden, die keinerlei Talent haben. Es geht darum, sich lustig zu machen und Dieter Bohlen eine Plattform zu bieten, um seine 100 auswendig gelernten Sprüche abzufeuern. Das hat überhaupt nichts mit Musik oder dem Fördern von Talenten zu tun. Das finde ich das Letzte. Und deswegen kommen andere Castingshows für mich nicht infrage.

Du bist selber Vater eines Jungen. Wie kriegst du Band- und Privatleben unter einen Hut?
Das ist natürlich oft problematisch. Ich bin nicht der Papa, der abends aus dem Büro nach Hause kommt. In Zeiten, in denen ich viel unterwegs bin, nutze ich die Zeit zu Hause intensiver. Da lasse ich das Handy auch mal aus und bin den ganzen Tag für meinen Sohn da.

Gibt es Dinge, die du als öffentliche Person deinem Sohn besser beibringen kannst, als andere?
Nein. Ich bin ja jetzt kein besserer Vater, weil ich in der Öffentlichkeit stehe. Für ihn ist es natürlich normal, dass Papa mal im Fernsehen zu sehen ist oder im Radio läuft. Aber er hat, glaube ich, noch nicht verstanden, was es heißt, in der Öffentlichkeit zu stehen.

Was bist du für ein Erziehungstyp?
Ich würde sagen, ich bin ein total lieber Papa, der aber nicht wahllos alles durchgehen lässt, sondern auch mit einem liebevollen Nein klare Verhältnisse schafft. Es ist für Kinder sehr wichtig, dass sie nicht immer alles dürfen, sondern dass auch manchmal die Grenze ganz deutlich ist.

War dein Sohn schon mal auf einem deiner Konzerte?
Er war jetzt zweimal da und lief Backstage und auf der Bühne rum. Aber er ist noch zu klein, um immer dabei zu sein. Aber ich freue mich natürlich immer, wenn er dann mal vorbeischaut.

Interview: Sarah Schuhmacher

Seit 2002 im Geschäft

„Irgendwann erkennt man, dass man ohne Musik nicht leben kann. Auch wenn man alles versucht hat, sie bestimmt dein Leben“, sagt Johannes Strate. Er ist Frontmann der deutschen Rock-Pop-Band Revolverheld. 2002 taten sich die Musiker Kristoffer Hünecke, Niels Grötsch, Jakob Sinn und Florian Speer zusammen, zunächst unter dem Namen Manga, dann als Tsunami­killer. Nach dem Tsunami-Unglück Ende 2004 benannte sich die Band ein drittes Mal um – in Revolverheld. Mit dem gleichnamigen Album schafften sie 2005 den Durchbruch. Seitdem folgten drei weitere Alben, die allesamt in die Top Ten der deutschen Charts einstiegen. Nun haben sie ihr Live-Album „Immer in Bewegung Tour Edition“ herausgebracht.
Aber nicht nur die Musik allein bestimmt das Leben von Johannes. Der 34-Jährige ist Vater des zweijährigen Emils. Zusammen mit seinem Sohn und seiner Freundin, der Schauspielerin Anna Angelina Wolters, wohnt er in Hamburg – und genießt es dort, wenn er ausnahmsweise mal nicht in Bewegung sein muss.
sas

Revolverheld: „Immer in Bewegung – Tour-Edition“,
Columbia.
www.revolverheld.de

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