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ZiSH Deshalb können Jugendliche nichts mit den Vorschlägen zum Jugendwort 2018 anfangen
Hannover ZiSH Deshalb können Jugendliche nichts mit den Vorschlägen zum Jugendwort 2018 anfangen
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13:03 09.11.2018
„Exting? Das ist doch wack!“ Wer es doof findet, per Whatsapp Schluss zu machen, ist eine Ehrenfrau: So, wie sich die Jugendwort-Initiatoren sich das vorstellen, sprechen wir natürlich nicht. Quelle: Foto: Katrin Kutter
Hannover

Die Aktion war wack AF!“: So oder so ähnlich müssten wir Jugendlichen uns also unterhalten, wenn es nach den Vorschlägen für das Jugendwort des Jahres geht. Tun wir natürlich nicht. Stattdessen wundern wir uns, wie Begriffe wie „Axelfasching“, angeblich eine hippe Umschreibung für Achselhaare, auf der Top-30-Liste landen konnten.

Erneut kürt der Langenscheidt-Verlag das Jugendwort 2018. Die Vorschläge dafür sind ausgelutscht bis aberwitzig.

Zugegeben: Manche der Vorschläge, aus denen die Jury im Auftrag eines Verlags am kommenden Freitag das Jugendwort des Jahres ermittelt, sind nicht ganz so lebensfern: „Wack“ etwa, das für uncool steht. Oder „Lauch“, eine mittelschwere Beleidung für dünne, blasse Jungs – oder für Volltrottel. Leider sind diese Begrifft aber schon sehr alt. So wie „Boyfriend-Material“: Das kennen wir noch von „How I Met Your Mother“ – die letzte Staffel der Serie erschien 2014. Neben Abkürzungen wie „lmgtfy“ („let me google that for you“), die man vielleicht schreibt, aber nicht sagt, stehen diesmal auch ein paar Neuschöpfungen zur Wahl. „Breiern“ umschreibt laut Langenscheidt-Verlag angeblich „brechen und trotzdem weiter feiern, „Screenitus“ hingegen soll für Augenschmerzen vom Starren auf einen Bildschirm stehen. „Exting“ schließlich ist angeblich eine Umschreibung für das Schlussmachen via Textnachricht. Diese Wörter sind nicht nur hässlich – sie benutzt auch keiner.

Genau wie „Smombie“ – zumindest ehe es 2015 zum Jugendwort des Jahres gekürt wurde. Es beschreibt Menschen, die starr auf ihr Handy schauen und die Umgebung kaum wahrnehmen – so wie Smartphone-Zombies eben. Erst seit es gewonnen hat, taucht das Wort in Zeitungsartikeln und Internet auf. Von Jugendlichen aber wird der Begriff bis heute nicht verwendet. Dieses Schicksal dürfte auch der „Snackosaurus“ teilen, ein aktueller Vorschlag, der einen verfressenen Menschen beschreiben soll. Klingt immerhin süß.

Nicht mit allen Jugendwörtern lag die Jury daneben. 2014 gewann „läuft bei dir“, 2017 „i bims“. Auch die diesjährigen Vorschläge „auf dein Nacken!“, „Ehrenmann“ und „ich küss dein Auge“ sind nicht abwegig. Das sagen Jugendliche wirklich zueinander.

Das Jugendwort des Jahres ist vor allem eins: Werbung für das Wörterbuch „100 Prozent Jugendsprache“, das Langenscheidt als „Verständnishilfe für Erwachsene“ vermarktet. Wir sollten uns also nicht wundern, wenn Eltern und Lehrer uns bald vor „Screenitus“ warnen. Dann fühlen wir uns bestimmt verstanden, legen die Handys weg und gehen eine Runde wandern – oder was auch immer Jugendliche nicht mehr machen, das früher so toll war.

Jugendsprache, und wie sie sich entwickelt, ist spannend. Manches Mal klingt sie hart und vulgär – viel mehr, als Jugendliche das wirklich sind. Ein bisschen Selbstironie ist auch dabei, wenn wir unsere Freunde mit „auf dein Nacken!“ zum zahlen auffordern. Wenn Erwachsene das nachmachen, ist es im besten Fall lustig, im schlimmsten peinlich. Um uns zu verstehen braucht man kein Wörterbuch – es reicht, sich mit uns zu unterhalten. In ganz normaler Sprache.

Das hält Linguistikexperte Prof. Schlobinski vom Jugendwort

Herr Prof. Schlobinski, was bedeutet es, wenn ein Kollege in der Kantine „auf dein Nacken“ zu Ihnen sagt?

Prof. Peter Schlobinski ist Linguistikexperte und lehrt an der Leibniz-Uni Hannover. Quelle: Stefan Simonsen

Keine Ahnung. Verraten Sie es mir.

Das heißt so viel wie „Du zahlst“.

Ach so.

Wie lässt sich denn überhaupt herausfinden, welche Wörter von Jugendlichen verwendet werden?

Das geht einerseits per Fragebogen: Da gibt man ein hochdeutsches Wort vor und fragt dann: „Was sagst du zu diesem Wort?“ Der Nachtteil dabei ist, dass man so nur das Sprachwissen abfragt. Ob das dann wirklich verwendet wird, erfährt man so nicht. Die zweite Methode: Man nimmt die Gespräche von Jugendlichen auf. So wird das tatsächliche Sprachverhalten analysiert.

Gibt es Unterschiede, wie Jugendsprache verwendet wird?

Es kann sein, dass bestimmte Wörter in der einen Gruppe positiv bewertet und verwendet werden und in der anderen nicht. Aus wissenschaftlicher Sicht spricht man eher davon, dass es mehrere Jugendsprachen mit unterschiedlichen Gruppenstilen gibt. Vereinfacht: In einem bayerischen Dorf sprechen die Jugendlichen anders als in Berlin-Kreuzberg.

Gibt es Dauerbrenner unter der Jugendsprache?

„Ey!“ gibt es seit Jahrzehnten. Das hat eine richtige Karriere hinter sich. Früher haben Eltern das noch verbessert und verboten.

Dafür sagt ja kein junger Mensch mehr „zum Bleistift“ ...

Entweder die Wörter verschwinden oder sie stabilisieren sich. Die besten Beispiele sind „geil“ oder „cool“ – die kommen aus den Achtzigerjahren und sind voll in die Umgangssprache integriert.

Was macht denn ein gutes Jugendwort aus?

Die Bedeutung und die Situation spielen eine große Rolle. Es muss eine Möglichkeit geben, dass es sich verbreitet, etwa über soziale Medien. Ein Wort wie „cool“ gibt es auch im Chinesischen oder Japanischen. Das ist ein Extrem.

Gibt es durch Internet und Smartphones eine digitale Jugendsprache?

Jugendliche sind besonders experimentierfreudig und technikaffin. Also prägen sie auch diese Kommunikationsformen. Zum Beispiel beim Gebrauch von Emojis. Die Älteren ziehen dann nach und übernehmen das.

 

Von Carlotta Hartmann

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