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Darum war Michelle gerne in der Bibelschule 

Gap Year in der Bibelschule Darum war Michelle gerne in der Bibelschule 

Abi – und was dann? Michelle hat ein Semester lang eine Bibelschule besucht. Neben einem vollen Programm hatte sie auch Zeit, sich für einen Studiengang zu entscheiden.

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Lampenfieber: Michelle hat schon einige Male vor einer Gemeinde gestanden – aufgeregt ist sie trotzdem noch immer.

Quelle: privat

Hannover. Kichernd sitzt Michelle mit ihren Freundinnen am Frühstückstisch des Wohnheimes, während die Jungs missmutig auf Socken in den Frühstückssaal schlurfen. Fein säuberlich hatten die Mädels die Schuhe ihrer Mitschüler am Abend vorher im Klassenraum aufgehängt, nun können sie sich das Lachen über die genervten Jungs kaum verkneifen. Streiche gehören nun einmal einfach dazu, wenn man so viel Zeit miteinander verbringt, wie in einem Internat. Denn Michelle geht zusammen mit etwa 40 anderen zur konfessionslosen Bibelschule Klostermühle in Obernhof bei Koblenz. Statt Mathe oder Englisch stehen Andachten und Bibelgrundkurse auf ihrem Stundenplan. Nach dem Abi wollte die 19-Jährige nicht direkt weitermachen, weil sie sich nicht sicher war, was sie studieren wollte. In der Evangelisch-Freikirchlichen Gemeinde in Arpke hatte sich Michelle schon lange engagiert und unter anderem Jugendgottesdienste vorbereitet. Den Tipp, zur Bibelschule zu gehen, statt drauflos zu studieren, gab ihr eine Freundin. 

Durchfallen kann man nicht

Seitdem ist ihr Tag fest durchgetaktet: Jeden Morgen um 8 Uhr gibt es eine Andacht und anschließend ein gemeinsames Frühstück. Danach folgen Unterricht und Selbststudium. Lehrer von anderen Bibelschulen diskutieren in den Schulstunden mit den Bibelschülern über Bücher aus dem Alten und Neuen Testament, Kirchengeschichten oder andere Weltreligionen. Aber auch praktische Themen wie die Arbeit mit Kindern oder „Beziehungen leben“ stehen auf dem Stundenplan – und werden zum Teil sogar in kleinen Tests abgefragt. Beispielsweise über gelesene Lektüren oder auswendig gelernte Bibelverse. Durchfallen kann man dabei allerdings nicht, denn in der Bibelschule soll es darum gehen, das Wissen und seinen Glauben zu festigen – nicht darum, beurteilt zu werden. Genau deswegen ist die Bibelschule nicht staatlich anerkannt. Zwar bekommen die Teilnehmer am Ende eine Urkunde überreicht, doch der halbjährige Aufenthalt in Koblenz gilt nicht als Ausbildung. 

Andachten und Hockey

Bei regelmäßigen Andachten, gemeinsamem Singen und Projekten in anderen Gemeinden wird das theoretische Wissen praktisch angewendet. Dann organisiert Michelle selbst Teile eines Gottesdienstes, kümmert sich um die Kinderbetreuung und die Musik. „Natürlich ist man vorher immer etwas aufgeregt, das positive Feedback danach ist aber umso schöner“, sagt Michelle. Geglaubt hat sie eigentlich schon immer . „Ich hab gemerkt, dass ich mein Leben nicht so gut unter Kontrolle habe, wie ich dachte“, sagt Michelle. Seitdem sie sich intensiv mit ihrem Glauben beschäftigt, kann sie besser mit Schicksalsschlägen umgehen. In der Bibelschule leben, essen und lernen alle zusammen nach einem festen Stundenplan. Zweimal die Woche kann man Hockey oder Fußball spielen, abends machen die Bibelschüler zusammen Musik, am Wochenende gehen sie ins Kino. Die meisten der 40 Bibelschüler sind zwischen 23 und 25 Jahren alt. Pro Semester gibt es nur ein offizielles Heimreisewochenende. Trotz der ganzen Aktivitäten hat Michelle aber auch mal Zeit, um am Kiosk bei einem Milchshake zu quatschen.

Mit dem Glauben wachsen

1995 Euro bezahlen Studenten und Schüler pro Semester für die Schule. Für Michelle war es das wert: Besonders in den praktischen Einsätzen musste sie mal ihre Komfortzone verlassen. So fiel es ihr nach dem Abi schwer, sich für einen Studienort zu entscheiden, weil sie die Nähe zu ihrer Familie nicht verlieren wollte. Nach der Bibelschule kann sie sich auch vorstellen, woanders zu studieren. „In der Bibelschule konnte ich in Ruhe darüber nachdenken, was ich mit meinem Leben machen möchte“, sagt Michelle. Entschieden hat sie sich nun aber doch für Zahnmedizin.

Von Emma Schell

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