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ZiSH Pause oder direkt an die Uni - was tun nach dem Abi?
Hannover ZiSH Pause oder direkt an die Uni - was tun nach dem Abi?
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12:36 30.05.2018
Wohin geht die Reise? Autorin Isa (links) gönnt sich ein Gap Year, Abby will sofort studieren.  Quelle: Kutter
Hannover

Pro: Eine Auszeit lohnt sich

Als Drückeberger wurde ich noch nicht bezeichnet, wenn ich anderen davon erzähle, dass ich dieses Jahr keinen Hörsaal von innen sehen werde. Nicht zuletzt die Uni-Prospekte in allen Ecken meines Zimmers beweisen schließlich, dass ich mich mit dem Thema Studium auseinandersetze. Mehr noch: Es fasziniert mich. Mein Problem ist allerdings, dass ich einfach noch nicht weiß, was ich studieren soll. Um die richtige Entscheidung zu treffen, werde ich mir ein Jahr Zeit nehmen.
Die wohl einfachste Studienwahl wäre Lehramt. Dass es mir in der Schule gut gefällt, haben auch meine Mitschüler erkannt, die mir im Abi-Buch den Berufsvorschlag Lehrerin gemacht haben. Doch so einfach kann und will ich es mir nicht machen, da mich so viele Studiengänge interessieren, vor allem im Ausland.

Vor einigen Monaten hatte es mir eine Uni in London besonders angetan. Von Südostasienstudien über Hebräisch bis zur Sprachwissenschaft hätte ich mich nur zu gern für einen ihrer Studiengänge eingeschrieben – oder noch lieber für alle gleichzeitig. Diese Hochstimmung hielt leider nur so lange an, wie ich ausblenden konnte, dass mich schon ein Bachelorabschluss dort Zehntausende Euro an Studiengebühren kosten würde. Ein Dach über dem Kopf hätte ich im teuren London dann immer noch nicht.

"Ich will mir die Entscheidung nicht zu einfach machen"

Nach dieser Enttäuschung spielte ich wochenlang mit dem Gedanken, mich für Universitäten in Schottland zu bewerben, wo es keine Studiengebühren gibt. Drei Tage vor dem Bewerbungsschluss legte ich ein Profil auf der Bewerbungsplattform an, vollständig ausgefüllt habe ich es nie. Denn inzwischen zweifelte ich an mir selbst: Mit der Wahl des Studiengangs würde ich das Fundament für meinen Berufsweg legen. Doch war das die richtige Entscheidung? Das Problem: Die Auswahlmöglichkeiten von Studiengängen im In- und Ausland sind riesig. Sich während der Schulzeit einen Blick über den Tellerrand der geläufigen Studiengänge wie Jura oder BWL hinaus zu verschaffen, ist nahezu unmöglich.
Trotzdem ist Orientierungslosigkeit wohl nicht der einzige Grund, warum viele meiner Freunde in den nächsten Monaten nach Bolivien und Italien aufbrechen oder ein Jahr in einem hannoverschen Krankenhaus als Bufdi mithelfen. Sie wollen sich, wie auch über 60 000 andere Jugendliche, die jährlich einen Freiwilligendienst beginnen, für die Gesellschaft engagieren und an den vielen neuen Erfahrungen wachsen.

Auch ich freundete mich immer mehr mit der Idee eines Freiwilligenjahres im Ausland an, gern wollte ich mit Kindern und Jugendlichen arbeiten. Wohin es gehen sollte, war mir schnell klar: Ich liebe die französische Sprache und kann von Frankreich aus ganz Westeuropa schnell erreichen, um mir Unis anzuschauen, die mich interessieren. Dank des Deutsch-Französischen Jugendwerks muss ich mir um die Finanzierung meines Freiwilligendienstes auch keine Sorgen machen: Die Organisation stellt ihren Freiwilligen eine Unterkunft, zahlt Taschengeld und übernimmt die Fahrtkosten. Ab September werde ich also irgendwo in Frankreich versuchen, französischen Schülern die Verbkonjugationen im Deutschen zu erklären.
Erst einmal werde ich den Schulalltag, der für die meisten Abiturienten mit der Zeugnisverleihung endet, nicht hinter mir lassen. Nach meinem Freiwilligenjahr werde ich aber hoffentlich wissen, ob das Klassenzimmer das Richtige für mich ist.

Isa Begemann

Kontra: Lieber gleich an die Uni

Nimm dir ein Jahr Auszeit nach der Schule“, hatte mir ein Kumpel geraten, der ein Jahr vor mir Abi gemacht hat. „Das ist das Beste, was du machen kannst.“ Ob das allerdings wirklich das Beste für mich ist, daran hatte ich jedoch Zweifel. Nach dem Abitur hatte ich nämlich immer nur eines vor: direkt zu studieren.

Während meiner letzten Herbstferien habe ich angefangen, konkret über meine Pläne nach dem Abi nachzudenken. Ein Jahr Auszeit klang sehr reizvoll: Ich stellte mir vor, wie ich reihenweise Festivals besuchte, spannende Praktika absolvierte und mit dem Rucksack quer durch Europa reiste.

Nach kurzer Recherche stellte ich allerdings fest, dass die meisten Gap Years eine blöde Gemeinsamkeit haben: Sie sind sehr teuer. So aufregend ich die Vorstellung auch fand – es scheiterte am Geld.
Nach meiner enttäuschenden Google-Recherche überlegte ich an einer abgespeckten Variante herum: einfach für wenige Wochen zu verreisen. In der restlichen Zeit könnte ich stattdessen zu Hause Praktika machen, an Workshops teilnehmen oder als Aushilfe arbeiten. Diese Idee überzeugte mich auch nur halbwegs. Denn egal, wie viele Praktika oder Kurzzeitprojekte ich mir raussuchte – ich konnte einfach nicht genügend finden, mit denen sich ein gesamtes Jahr sinnvoll füllen ließ. Und monatelang dasselbe Praktikum zu machen, kam mir zu langweilig und monoton vor.

"Ich freue mich auf das Studium"

Außerdem mochte ich den Gedanken nicht, über ein Jahr keine zielgerichteten Dinge zu tun. In meinem Kopf entstanden schon Schauerszenarien, wie ich die letzten Monate bis zum Semesterbeginn gelangweilt in meinem Zimmer vertrödelte und mich glatt in die Schule zurückwünschte. Oder wie ich mich nach einem Jahr Auszeit sehr schwer damit tat, auf der Uni wieder in den Lernmodus zurückzufinden.

Ich dachte auch an alle meine Freunde, die vorhatten, direkt zu studieren. Ein Jahr hinter ihnen zu liegen und nicht gemeinsam mit ihnen abschließen zu können, machte mich traurig. Sie würden sich zu WGs zusammenschließen und Pläne für die Semesterferien machen. Nicht daran teilhaben zu können und mich früher als erwartet von einigen zu entfernen, das wollte ich nicht.

Immerhin wusste ich auch eigentlich schon seit der zehnten Klasse, dass ich in Berlin Kommunikationswissenschaften studieren wollte. Es gab also keinen Grund für ein Jahr Pause, in dem die meisten erst versuchten, Pläne in dieser Richtung herauszufinden.

Um mir endgültig sicher zu werden, fragte ich auch meine Eltern. Sie rieten mir dazu, bis nach dem Studium mit dem Gap Year zu warten. Nach dem Uni-Abschluss würde man eh nicht sofort Arbeit finden, sagten sie. Alle meine Pläne für Praktika oder Festivalbesuche ließen sich auf die Semesterferien oder die Zeit nach dem Studium verlegen.

Ich habe mich immer auf das Studium gefreut, und das ist auch heute noch so. An der Uni hoffe ich, mindestens drei Jahre lang ein Fach zu lernen, das ich wirklich mag. In einem Rutsch mit Schule und dem Studium durch zu sein, erscheint mir am sinnvollsten. Besonders weil danach noch genügend Zeit ist. Falls ich nach der Uni nicht weiß, wie es in meinem Leben weitergeht, werde ich mir dann die Zeit nehmen, darüber nachzudenken.

Abby Amoakuh

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