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ZiSH So sehen Austauschschüler Deutschland
Hannover ZiSH So sehen Austauschschüler Deutschland
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11:52 07.08.2018
Wenn aus Fremden Freunde werden: Geht ein Schüleraustausch zu Ende, wird es meist emotional. Quelle: Symbolfoto: YFU/Robert Thomitzek
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Hannover

Kurz bevor mein Flug in Richtung Deutschland gestartet ist, war ich ziemlich aufgeregt – es war das erste Mal, dass ich meine Heimat Spanien überhaupt verlassen habe. Ich fand, dass es mit 16 Jahren auch dringend an der Zeit war.

Trotzdem kam nach ein paar Tagen das Heimweh. Neben meiner Familie habe ich auch die spanischen Gewohnheiten vermisst: Das frühe Aufstehen und die Essenszeiten haben mich ziemlich überrascht. Wir essen beispielsweise um 15 Uhr zu Mittag und frühestens um 22 Uhr Abendessen.

Nazaret Serra Galaso (18) aus Spanien war vor zwei Jahren in Hannover. Quelle: Privat

Bei uns gibt es außerdem noch mehr Mahlzeiten: Wir frühstücken zum Beispiel zweimal, einmal zu Hause und einmal in der Schule. Vor dem Abendessen gibt es einen kleinen Snack. Für Deutsche scheint das undenkbar zu sein.

Außerdem gehen die spanischen Jugendlichen auch nicht so früh ins Bett: Es kann schon mal passieren, dass wir bis Mitternacht zusammen draußen sitzen, obwohl am nächsten Tag Schule ist. Dann kann es sein, dass ein paar Schüler zu spät zum Unterricht kommen – was in Spanien nicht so schlimm ist. In Deutschland sollte man zum Stundenbeginn auf seinem Platz sitzen.

Von Paris nach Hannover: Freundliche Lehrer

Für gleich sechs Monate habe ich meinen ersten Schüleraustausch in Hannovers Südstadt verbracht. Ich war zwar schon 16 Jahre alt, doch meine Familie in Paris für eine so lange Zeit zu verlassen, war schwierig. Zum Glück haben meine Freunde, die ich hier kennengelernt habe, sehr geholfen. Ich war überrascht, wie sie mich direkt in ihre Gruppe aufgenommen haben. Die Stimmung in der Schule und in der Familie war gut.

Die Deutschen sind sehr nett und offen, und das Leben in Deutschland ist ganz anders als in Frankreich: Auf der Straße sagt hier in Deutschland jeder zu jedem Hallo, und die Jugendlichen haben viel mehr Freiheiten.

Annaëlle Benoit-Lévy kommt aus Paris und war 2015 in Hannover. Quelle: Privat

In Deutschland ist auch der Unterricht praxisorientierter – und die Beziehung zwischen Schülern und Lehrern ist freundlicher. Ich war mit meiner Austauschschülerin in einem Religions-Kurs. Ich bin nicht religiös, aber das machte den Besuch besonders interessant.

Die Atmosphäre und die Natur in Hannover haben mir so gut gefallen, dass ich versuche, für längere Zeit wiederzukommen: Ich habe mich für einen Studienplatz an der Tierärztlichen Hochschule beworben. Nun warte ich nur noch auf eine Zusage.

Aufgezeichnet von Janosch Lübke

Susanne Kordasch (Internationaler Jugendaustausch YFU): „Ablenkung hilft am besten“

Was kann man tun, wenn der Austauschschüler Heimweh hat?

Mit dem Gastkind sprechen und sagen, dass Heimweh ganz normal ist und zur Austauscherfahrung dazugehört. Darüber hinaus sollte man den Austauschschüler dazu ermuntern, an familiären Aktivitäten teilzunehmen – Ablenkung hilft am besten.

Und wenn die Chemie nicht stimmt?

Zuerst einmal: Dass die Chemie nicht stimmt, kommt immer wieder vor und ist nur menschlich. Sollten Gastfamilie und Austauschschüler nicht klarkommen, ist keine Familie dazu verpflichtet, den Austauschschüler zu behalten. Wir suchen dem Schüler eine neue Familie.

Welche Probleme treten mit Austauschschülern noch auf?

Manche Austauschschüler haben anfangs große Probleme, Freunde zu finden, da die deutschen Jugendlichen nicht so offen auf andere zugehen. Da ist die Initiative des Austauschschülers gefragt. In der Gastfamilie können unausgesprochene Erwartungen auf beiden Seiten zu Konflikten führen.

Was kann man als Gastfamilie tun, wenn das passiert?

Man sollte immer als Erstes das Gespräch mit dem Gastkind suchen. Viele Probleme basieren auf kulturellen oder sprachlichen Barrieren, die sich oft klären lassen. Sollten die Probleme nicht eigenständig zu lösen sein, steht jeder Gastfamilie und ihrem Schüler ein Betreuer aus der Region zur Seite.

Aus Schweden nach Hameln: Die erste Reise ohne Eltern

Mein Deutschlandaustausch war die erste Reise ohne meine Eltern. Deswegen war ich ziemlich aufgeregt. Damals war ich als 16-Jährige für sechs Tage in Deutschland. Meine Gastfamilie hat mich sofort herzlich aufgenommen. Am besten hat mir dort das gemeinsame Essen gefallen – ein Ritual, das wir auch bei uns in Schweden hochhalten.

Dann haben wir uns meist auf Englisch unterhalten. Obwohl ich Deutsch fünf Jahre lang in der Schule gelernt habe, hatte ich Angst, Fehler zu machen. Wenn ich auf Englisch nicht weiterwusste, hat meine Gastschwester übersetzt.

Die Schwedin My Sahlen hat in Hameln gelebt. Quelle: Privat

Da meine Gasteltern in Hameln gewohnt haben und ich dort auch zur Schule gegangen bin, habe ich es nur einmal nach Hannover geschafft. Da in meiner kleinen Heimatstadt Alingsås gerade mal 25 000 Menschen leben, war ich ganz froh, nicht in der Großstadt leben und mich an den Trubel gewöhnen zu müssen.

Etwas einstellen musste ich mich auf den Schulalltag: Es hat mich überrascht, dass die Lehrer mit ihren Nachnamen angesprochen werden. Ein anderer Unterschied ist, dass es bei uns eine große Mittagspause mit warmen Essen gibt. Hier gab es eine riesige Lunchbox von meiner Gastfamilie.

Aufgezeichnet von Louisa Vietmeyer

Von Sheffield nach Bemerode: Schnell integriert

Auch wenn meine Reise nach Deutschland vier Jahre zurückliegt, erinnere ich mich noch genau an ein Detail, das mir gleich bei meinem ersten Besuch in einem hannoverschen Gymnasium auffiel: Die Fenster ließen sich weit öffnen. Das war überraschend, denn in meiner englischen Schule passt kaum ein Kopf durch die Fensteröffnung – vielleicht, damit niemand rausspringt?

Zum Glück hatte ich dazu während meiner Woche auf einer internationalen Schülerkonferenz in Hannover keinen Grund. Auf Anhieb gefiel mir, dass die Stadt so grün ist, und auch von den Jugendlichen in meinem Alter fühlte ich mich sofort angenommen. Die Integration ging viel schneller als gedacht.

Saffron Ahemd (heute 18) kommt aus dem englischen Sheffield und hat eine Woche in Bemerode gelebt. Quelle: privat

Eine Sprachbarriere habe ich kaum bemerkt – zu danken habe ich das allerdings den deutschen und niederländischen Schülern, die mit ihren damals 14 Jahren schon sehr gut Englisch konnten.

Mir war das manchmal fast schon ein bisschen peinlich: Zwischen all meinen neuen Freunden war ich die Einzige, die nur eine Sprache konnte – meine eigene. Schade, dass in England so wenig wert auf Mehrsprachigkeit gesetzt wird.

Aufgezeichnet von Isa Begemann

Von ZiSH

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