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ZiSH Gewinner Klasse 3 und 4: Der Schneefering
Hannover ZiSH Gewinner Klasse 3 und 4: Der Schneefering
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18:24 15.12.2014

Der ist aber schön, staunte Luisa. Von ihrer Tante hatte sie zum zehnten Geburtstag einen Ring bekommen. Er bestand aus vielen kleinen Perlen. Es war ein ganz besonderer Ring. Ihre Tante hatte nämlich gesagt: „Wenn du dir einmal Schnee wünschst, so trage den Ring und murmele ihm deinen Wunsch zu. Und er wird bald in Erfüllung gehen.“ Eigentlich glaubte Luisa ja nicht mehr an so einen Hokuspokus. Und dass der Ring einmal einer Fee gehört hatte, schon gar nicht. Aber ausprobieren konnte man es ja einmal. Es war nämlich der 12. Februar, und in diesem Winter hatte es noch nicht geschneit. An einem Samstagmorgen steckte sie sich den Ring an den Finger und flüsterte: „Ich wünsche mir, dass es schneit. Aber so viel, dass ich einen Schneemann bauen kann.“ Überraschenderweise sagten die Meteorologen, dass es an diesem Wochenende immer kälter werden sollte und es in der nächsten Woche sogar Schnee geben sollte. Als Luisa das hörte, war sie sehr überrascht. Gab es nun doch eine Schneefee?

Doch enttäuschenderweise gab es nur sehr wenig Schnee. Außerdem war es so warm, dass der Schnee nicht liegen blieb. Ohne es zu merken, dass der Ring immer noch am Finger steckte, brummte Luisa ärgerlich: „Diese paar Flocken nützen mir auch nichts. Ach, ich wünschte doch, ich wäre im Land der ewigen Kälte!“ Dann wusste sie nicht mehr wie ihr geschah. Alles drehte sich. Oder war es Luisa, die sich drehte? Luisa kam es vor als würde sie durch einen endlos grauen Tunnel rutschen. Doch plötzlich landete sie in einem Schneehaufen. Der Schnee glitzerte wie tausend Diamanten. Aber das kann doch gar nicht sein, dachte Luisa und rieb sich die Augen. Aber in der weißen Welt um sie herum veränderte sich nichts. „Dann gibt es also doch eine Schneefee“, murmelte sie. „Natürlich gibt es mich! Was dachtest du denn?“, empörte sich eine piepsige Stimme. Luisa wandte sich um. Vor ihr stand eine kleine, dicke Fee mit einer Krone auf dem Kopf. „Du musst mir helfen. Du bist das einzige Kind, das diesen Schneefeering besitzt. Mein Dorf ist in großen Schwierigkeiten. Wir brauchen Schnee!“ „Aber hier liegt doch Schnee“ entgegnete Luisa. „Ich brauche viel Schnee. Und jetzt red' nicht so viel. Bevor es dunkel wird, müssen wir den Tannenwald erreicht haben.“ Luisa wollte die Fee gerade auf ihren Arm nehmen, da sie nicht glaubte, dass die Fee gut in diesem tiefen Schnee vorankommen würde. Doch die Fee breitete ihre winzigen Flügel aus und flog mit hektischen Flügelschlägen voran. Nach einer Weile erreichten sie den Wald mit den kleinen Tannen. „Findest du nicht auch, dass es hier schrecklich kalt ist? Wir sollten uns ein Feuer machen“ schlug die Fee vor. Sie zog aus ihrem Gürtel eine Axt und fing an, den Stamm einer kleinen Tanne anzuhacken. „Soll ich dir vielleicht helfen?“, fragte Luisa. Aber die Fee schüttelte den Kopf. „Ich weiß schon wie das geht.“ Und tatsächlich kippte die Tanne schon bald um. Mit ihren kräftigen Händen brach Luisa ein paar Zweige ab und warf sie auf den Boden. Sie fragte: „Und wie sollen wir das jetzt anzünden?“ Die Fee meinte: “Die Tundra ist mein Zuhause. Natürlich habe ich ein Feuerzeug dabei.“ Sie zündete das Feuer auf ganz gewöhnliche Art und Weise an. Es wurde langsam dunkel, und die Fee begann, sich einen kleinen Unterschlupf zu bauen. „Soll ich dir nicht erst mal Schnee zaubern? Ich denke, du hattest es so eilig“ forschte Luisa nach. „Ja, gib mir den Ring.“ Luisa reichte ihn der Fee. Die Fee murmelte etwas, was Luisa nicht verstand. „Wozu braucht dein Dorf eigentlich den Schnee?“, wollte Luisa wissen. „Beim letzten Sturm ist unser Schneeschloss eingestürzt. Und jetzt wollen wir ein viel Größeres bauen, mit viel dickeren Wänden.“ In dem Moment hörte Luisa ein schreckliches Geräusch. Es klang wie ein Hund, dem man auf den Schwanz getreten ist. Oder wie ein ….- Luisa schauderte - ...oder wie ein Wolf. Und das war die wahrscheinlichere Möglichkeit von beiden. Deshalb fragte sie: „Hast du das auch gehört? Vielleicht sollten wir unser Lager doch ein bisschen vom Wald entfernen. Denn ich dachte, Wölfe leben im Wald.“ Doch die Fee antwortete ruhig: „Wir sind doch extra bis zum Wald gegangen, weil dort die Schneetrolle wohnen. Sie beschützen die Menschen, Feen und andere Wesen vor den gefährlichen Wölfen.“ „Schneetrolle? Was ist das?“ fragte Luisa erschrocken, da sie sich unter einem Schneetroll ein großes grünes Wesen mit spitzen Zähnen vorstellte. Mit angstvoll geweiteten Augen schaute sie sich um, ob dort vielleicht gerade einer dieser Schneetrolle angestapft kam. „Die sind ganz lieb“, sagte die Fee nur. Aber Luisa fand, dass sich die Stimme der Fee nicht ganz überzeugend anhörte. „Und was kann ich mir unter den ,Wesen’ vorstellen?“ Nun begann die Fee doch zu erzählen. „Die Wesen sind Vögel. Aber nicht gewöhnliche Vögel, wie du sie kennst. Unsere Vögel können sprechen. Außerdem tragen sie ein kunterbuntes Federkleid. Sie haben zu bestimmen über Finoka.“ „Und Finoka, was ist das? Womöglich ist das dann der böseste Schneetroll, der euer Schneeschloss zerstört hat. Und ...“ Die Fee unterbrach sie. „Unser Schloss wurde von einem Sturm umgeworfen. Und Finoka ist der Name unseres Landes.“ „Wovon ernährst du dich eigentlich? Ich habe nämlich Hunger.“ „Von Frisabeeren. Die wachsen an kleinen violetten Sträuchern. Aber ich glaube Fino, unser Wissenschaftler, hat mal gesagt, dass diese Beeren für Menschen giftig sind. Obwohl, man könnte es ja auch mal probieren. Da vorne. Siehst du den Strauch? Die blauen Beeren sind die Frisabeeren. Probier' doch mal eine.“ Luisa zögerte. „Hat euer Wissenschaftler auch gesagt, was passiert, wenn ein Mensch diese Frisabeeren probiert?“ Luisa überlegte. Was wenn ihr davon so übel wurde, dass sie sich übergeben musste? Ob sie die Fee bitten sollte, schon einmal eine Mulde zu graben? Nein, am besten sie ließ die Finger von diesen Frisabeeren. Luisa änderte ihre Meinung auch nicht, als die Fee sagte, dass sie wahrscheinlich nur ein paar Pickel bekommen würde. Aber ihr Magen knurrte, deshalb fragte sie: „Du ernährst dich doch bestimmt nicht nur von diesen Beeren, oder?“ „Doch“, sagte die Fee, „aber ich weiß, was die Schneetrolle essen. Vielleicht ist das ja was für dich.“ Luisa befürchtete schon etwas Schlimmeres als die Frisabeeren als die Fee endlich weitersprach. „Sie essen Trollpflaumen. Allerdings befindet sich die einzige Trollpflaumenplantage auf dem Wolfsfelsen. Denn dort kommt sehr viel Sonnenlicht hin.“ Obwohl sich Luisa die Antwort schon denken konnte, aber auf etwas anderes hoffte, fragte sie: „Und dort leben die Wölfe? Oder kommen sie nur nachts dorthin, um den Mond anzuheulen?“ „Ich weiß es nicht, ich war noch nie selbst dort.“ Daraufhin beschloss Luisa, nichts zu riskieren.

Ohne ein weiteres Wort kroch die Fee in ihren Unterschlupf und schlief ein. „Und wo soll ich schlafen?“, fragte Luisa? Aber die Fee rührte sich nicht mehr. Luisa seufzte sorgenvoll und begann mühselig aus ein paar Schneebällen eine Wand zu bauen gegen alle Gefahren, die ihr hier im Wald auflauern konnten. Doch nach ein paar Minuten murmelte sie erschöpft. „Ach, das hat keinen Sinn. Es dauert eh zu lange. Also legte sie sich einfach in den Schnee und versuchte zu schlafen. Mit der Zeit wurde es immer dunkler. Doch nicht nur das. Es wurde auch immer kälter und Luisa zitterte am ganzen Körper. Sie warf noch ein paar alte trockene Tannenzweige ins Feuer und schloss die Augen. Doch da wurde sie von einem nassen Schneeball getroffen. Verschlafen öffnete sie die Augen wieder. Sophie, ihre Freundin stapfte näher. „Hast du geschlafen?“ „Ich weiß nicht“, antwortete Luisa verunsichert. Sie wandte sich um. Sie suchte nach der kleinen Schneehöhle, die sich die Fee gebaut hatte, fand sie aber nicht. Stattdessen lag auf dem Boden ein kleines Feuerzeug. Luisa überlegte kurz, dann steckte sie das Feuerzeug in ihre Hosentasche. Doch als sie sich genauer umsah, konnte sie in der Ferne ein paar Häuser erkennen. War das die Stadt, in der sie wohnte? Zufälligerweise fragte Sophie gleich darauf:“Kommst du mit? Vor meiner Haustür liegt richtig viel Schnee.“ Luisa nickte und folgte Sophie bis vor ihre Haustür. Die ganze Zeit dachte sie darüber nach, ob sie das alles nur geträumt hatte oder ob sich die Fee schon auf den Weg in ihr Dorf gemacht hatte. Aber das war ja auch egal. Jedenfalls wusste Luisa jetzt, dass der Ring ihrer Tante funktionierte, denn hier lag ja Schnee.

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